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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 45 (1864) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
45 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 herbeizuschaffen, unb unser Vermögen war verloren. Selbst» ver-Lnblich tonnte hiermit mein Mann sein Geschäft nicht aufgeden unb die Zuversicht auf Gottes Beistand, brr den Redlichen nicht fallen läßt, ließ unb das Beste von bessern Zeiten erhoffen. Aber wir hatten uns getäuscht. Jedes Geschäft schlug fehl. So sehr auch mein Mann das Geschäft beschränkte, alle Mühe unb alle Vorsicht waren vergebens. Die Preise erholten sich nicht, sondern sanken im folgenden Jahre immer mehr, und so kam denn der Augenblick. wo mein Mann, Verzweiflung im Herzen, aber männlich stark, sich zu dem letzten Schritte gezwungen sah. Er sucht« sich mit seinen Gläubigern zu setzen; er versilberte alles, was wir besaßen, wollte mit völliger Auf» opferung die Hälfte seiner Schuld baar entrichten und sich für die Zukunft zu abschläglichen Zahlungen verpflichten, sowie ihm 'diese möglich würden. Wir glaubten beruhigt sein zu können. So furchtbar unser Mißgeschick war, hatte eS doch nicht den Frieden unsres Hauses gestört. Wir trugen alles gemeinsam und liebten ünS um so mebr; sprach uns doch unser Bewußtsein von aller Verschuldung frei. Unsre Gläubiger zeigten sich befriedigt und unsre Hoffnung begann wiederaufzuleben. Aber eine unsichtbare: Hand schien unser Verderben zu wollen. Jemand, der j sich gegen uns verschworen, mußte uns immer neue Schwierigkeiten schaffen. Einige unserer Gläubiger sprachen plötzlich aus einem andern Tone. Sie wüßten, daß mein Mann sie befriedigen könnt«, daß wir Mittel genug besäßen, sie aber nur betrügen und unS bereichern wollten. Alle Betheuerungen halfen nichts, und so mußte mein Mann zu dem Aergsten schreiten und den Concurs anzeigen. Gleich j darauf wurde er verhaftet und das Weiter« wissen Sie."! Sie holte tief Athem, alS ob st« eine schwer« Er-! schöpftmg fühlte. Ich vergönnt, ihr einige Augenblicke Ruhe, dann erwiderte ich: „Ich schenke Ihrer Erzählung vollständigen Glauben, geehrte Frau. Ader jene Beschuldigungen?" . . . „Sie sind völlig erlogen!" fiel sie heftig ein. „Und die Zeugen, welche beschworen, daß die Ballen ' Wolle aus Ihrem Speicher und von Ihrem Haufe aus j verschickt worden feien?"! „Sie haben die Wahrheit geschworen." antwortete sie! bekümmert." „Wie soll ich mir aber diese- RätKsel - lösen?" ...; „Hören Sie mich, Herr Ooctor, und vertrauen Sie ' meinen nunmehrigen Worten wie denen, die ich vis hieher; sprach. Ich sagte Ihnen von einer unsichtbaren Hand, > welche in unser Geschick eingriff und meinem Manne alle 1 Aussichten benahm, indem durch sie die schwärzesten Ber, j leumdungen und mit traurigem Erfolg« verbreitet wurden. > Wir kennen diese Hand sehr wohl. Wir bewohnten ein einfaches, aber schmuckes Häuschen, zu dessen rechter Seite der Speicher sich befand, welchen mein Mann zui> Niederlage benutzt hatte und dessen Thorflügel auf die Straße gingen. Dieser Speicher lehnte sich an einen ungleich größeren, der wiederum den linken Flügel eineprächtigen > großen Hauses bildete. Speicher unb Haus gehörten einem Manne, der ebenfalls Wollhändler und zwar im au-gedehn» testen Maße ist. Früher halte mein Mann diesem als Mäkler gedient und ihm viele Jahre durch seine Gewandtheit und Redlichkeit großen Dortheil verschafft. Daher nahm er es sehr übel auf, als mein Mann sich fetbstänoig ni'ederließ, unb war wüthend darüber, daß wir das Nachbarhaus bezogen. Ach, wir Hoden ihm niemals geschadet und <daS mäßige Geschäft meines Mannes konnte dem reichen Großhändler flchler keine Evjicurrenz machen. So lange das Glück nzit uns war, konnten seine üblen Nachreden nichts gegen uns ausrichten; sobald aber jene Kris« eiutrar, begannen feine Verfolgungen. Ach, HerrDoctor, diese hatten noch einen andern Grund, der meine Person betraf und über den ich, hinweggehen will." Sie schwieg eilten Augenblick jinb «fnc Purpurjöthe überflog ihr Gesicht. „3n der Zeit, rtzo durch feine Machinationen jede Ahsstcht auf einen Vergleich uns benommen war, kam er noch einmal in uaftr Haus, als mein Mann 'au-ge, gange», und bot mir seipeHilfe an; ich kannte aderseine Absichten und mußte ihn bestimmt und streng zurückweisen. Lassen Sie mich kurz sei^. er brütete Rache unb sie gelang ihm nur zu gut. Unftj Speicher stand leider seit langer Zeit leer und er hatte vdr einiger Zeit meinen Mann um bi, Eriaubniß ersucht, ejnlige Ball,» hinein zu legen. Mein Mann wollt« den einflußreichen Mann möglichst schonen und hatte es ihm gewährt. O, diese unglückselige Nach, - sicht l In der Nacht vt!r der Falliterklärung ließ der Böfrwicht, nachdem er noch! früher einige Ballen vor unser Haus gebracht hzrre, rc|t«fr und alles, was in unserm Speicher lag, auf Wqgen schaffen und fortfahcen. Die dadei beschäftigten Personen hatte er wahrscheinlich im Namen meines ManneS! die Ballen auflaben und dafür bezahlen lassen, bä dien rS ja waren, welche beschworen haben, die Maaren meine« Mannes in der Nacht vor der ConcurSanmeldung verllwen zu haben. Dies ist di« einfache und ganze Wahrheit. Ach, wir hatten, da unser Schlafzimmer im Hinterhaus«, von dem ganzen Vorgang« nichts gemerkt und^chlumbnetttn ruhig, während der höllische Plan draußen vollführl ^vard." Mein Erstaunen wa^ sehr groß und ich fragte-bald: „Aber man mußte doch rtfahren können, wohin die Maaren gebracht worden?" „Unb wie sollte das imöglich sein? Mein Mann wußte eö nicht und unser Nachldar gab es gewiß nicht an/— „Und die Fuhrleute „Waren fremde, dir §wir nicht ermitteln konnten. Sie waren am Abend zuvorj angrlangt, beluden ihre Wagen und fuhren ad. Dies war bei dem ungeheuren Geschäft jenes schlechten Mannes jfo etwas Gewöhnliches, daß sich auf diesem Wege nicht« ermitteln ließ." „Aber die Diener Ihre- Feindes? Sie mußten doch über den Versand der Maaren eia. Mitwissen haben und eines Auskunft geben köisnen." „Ec hat keine Oierrjer außer einigen Reisenhen. Er und seine drei Söhne führen das ganze Geschäft. Er hält nur Arbeiter unb diesevj bediente er sich in jener Nacht wohlweislich nicht, sondeßn nur Dienstleure, die in meines Mannes Namen gemierhbt worden. So kam es, baß die einfache Aussage meines Mannes gegen jene Zeugen nichts ausrichten konnte. “ Ich war tief erschüttert- Ich konnte an der Wahrheit nicht zweifeln. Wir «ie ich die ungekünstelt^ und tief schmerzliche Red« d«ü jungen Weibes gehört, hätte es auch nicht gekonnt. WLr verblieben beide einige Zeit lang in Schweigen versunken.. Dann fragre ich: „Und was vermöchte ich nun für Sj« zu thuü? Dem Ausspruche des u

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