Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 45 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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) 180 Schwurgerichts gegenüber kann nichts mehr geankert werden; dir einzige Hilfe wäre die Gnade des Königs." Bei diesen Worten fuhr die jung« Frau aut. ..Ja, rief sie mir erregter Stimme, ja, die Gnade b«S KöuigS! Auf die Gerechtigkeit der Menschen habe ich schon > erzichter. Gebt mir meinen Mann wieder, meinen braven, unschuldigen . unglücklichen Mann, löset seine Bande. | ieht ihm die ZüchtlingSjacke au« —dann will ich ihn neh nea und meine beiden Kinder und wie wollen nach einer» andern Welttheil, wo unsre Redlichkeit nicht mir Schmal gebrandmarkt wird; dort «ollen wir darben und arbeite» und dec Herr im Himmel w»rd sich unsrer erbarmen, t n« feinen Beistand wieder zuwenden!" . . . Di« Frau st rach diese Worte mit steigender Leidenschaftlichkeit und rang die Hände. Dann stürzte sie sich plötzlich zu meinen Füßen und rief: „O, Herr Doctor, baden Sie Mitlei« mir un« armen Berfolgten! Gott har Jdnen eine so große Macht der Rede gegeben, wenden Sie diese zum Schutz« der Unschuld an, für das gekränkte Recht, gegen bw schwarze Bosheit, daß sie nicht triumphire! Ihr» Hand reicht weit, Sie haben so viele Freunde und Berbindungen, man achtet und ehrt Sie überall — werfen Sie einen Blim auf meine verlassenen Kinder, die nach ihrem Vater schreieri, auf da« unglückliche Weid, da« den Mann ibre« HerzfnS in so unverdientes Unglück, gestürzt und darin vergehet^ und verschmachten sieht, ohne ihm helfen zu können!" .... Wie vermöchte ich diese Scene völlig ^u! schildern und die Worte, die Schmerz,nSrufe dieser Frau ganz wieberzugeden! Ich hob sie auf, ließ sie auf den Divan ,nieder, detheuerte ihr auS ganzem Herzen, daß ich alle« tdun w!olle, was in meinen Kräften stünde. Ich 'sicherte ihr bi,S so unbedingt zu, daß sie die Aufrichtigkeit meine« Willen« nutzt bezweifeln konnte. Ein Strahl der Freude brach in ihr^m schmerzdurchfurchten Antlitz auf: „O, rief sie. au« dann wird noch alle« gut werden. Wenn Sie Ihre Hand, an« Werk legen, wird der Segen Gottes nicht fehlen!" J^h ließ dem gequälten Weibe diese Zupersicht, die sie von nersem belebte, eine Zeit lang. Ich überlegte aber, nachdem^ fi. ruhiger geworden, die Sache genauer mit ihr. „DielGntde de« König«," sagte ich, "7,ist in Ihrer Sache auf de^n gewöhnlichen Wege nicht zu erhoffen. Der König hht sich wiederholt ausgesprochen, daß er überall, wo gewinnsüchtiger Betrug und Fälschung vorliegen, den richterliche» Aussprüchen volle Geltung lassen werde.. Wir müssen suchen, auf andern Wegen sie zu erlangen, wenn e«!möglich ist. Ich selbst habe keine Verbindungen am Hofl u»d Sie irren, «mn Sie glauben, daß ich mir den Mächtigen und Großen de- Lande« in Beziehungen stehe. Aber ich habe viele Freund« in der Hauptstadt, von denen »ir vielleicht einige günstige Wege Nachweisen und sie mir eröffnen können. Wissen Sie, ich werde selbst dahin reisen unk» meisi Heil versuchen. Bringen Sie mir von Ihren stäktischfn Behörden Zeugnisse über die Unradelhaftigkeit Jhöe« »Ranne-, besonderaber über fein politische« Wohlverhalten. Sie verstehen mich. Unterdeß werde ich di« Geschichte Ihre« Manne« zu Papiere bringen, ohne freilich eint offetz« Anklage gegen Ihren Verfolger au-lstrechen zu Dürfen». So wollen wir emachen und Gott wird mit uy« fein." Ich brauche hier die Ausbrüche de« Danke«, wie sie der jungen Frau aut. dem Herzen quollen, nicht zu wiederholen. Genug, einige Tage darauf befand ich mich auf der Reife nach der Hauptstadt. _ (Forts, folgt.) Curiosum. Der „lange Tag" und die Bauern. (Frankfurt, II. Oct.) Gestern zogen drei Bäuerlein zur Stabt, welche zusammen ein Achtel in der diesigen Lotterie spielten, damit 2000 fl. auf sie fiel. Al« sie hierher zu ihrem Collecreur kamen, um da« Geld «inzutassiren, erfuhren sie von demselben, baß wegen de« langen Tage« kein Zahltag sei und sie de« andern Tagewiederkommen sollten.' Die ihr Geld mir Heißhunger erwartenden Leute waren ganz untröstlich und forderten immer ihr Geld. Endlich gingen sie fort auf die Straße und hielten Rakhsitz, wie sie heute noch zu ihrem Gelbe käme«. Von einem Nachbar de- Colleereur« erfuhren sie, daß der lange Tag um 0 Uhr 12 Minuten zu Ende gehe und hiernach die Berührung de« Gelbe« wieder gestattet sei. Ein Gedanke blitzte in dem Hirnkasten unserer 11 Stunden Weg« nach Frankfurt gekommenen Bauern auf und einstimmig sagten sie: „Wir bleibe hie und warte ufn, hier Widder ham kommt." Die Ranzen wurden abgelegt, vor die Thüre geworfen und in sitzender Stellungauf den Collecteur gewartet. Endlich kommt der Mann mit hungrigem Magen nach Hau«; aber wie erstaunt ee, als seine Plagegeister ihm den Weg verlegen und sagen: „Unser Geld!" Der Mann konnte nichts andere« lhun, al« die Zudringlichen befriedigen. Notizen. j Der „Köln. Z." wird au« Amsterdam am 29. Sept. ' geschrieben: Bei dem jetzt hier tagenden internationalen . Congreß hatte ein hier ansässiger Spießbürger, der Gurken . und andere Gemüse in Blechbüchsen zum Export einmacht und als Nebengefchäft auch die Herausgabe e,ner ultramontanen Zeitung „äs Tijd“ (die Zeit) im Sinne Loui« Veuillvt'S betreibt, den Wunsch, al« Redner aufzutreten, und in der That debutirte derselbe bei der Debatte über „christliche Kunst" in öffentlicher Sitzung mir der feierlichen Proclawation, baß „Menschen, die nicht Chrifken sind, überhaupt kein« Menschen sind". ___ i All gemei ne Zeirung de-Judenthum«. No. 44 1.-164. Inhalt: Leitende Artikel: Rom. HI. — Zerstrime Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — I Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a/Pk., Frankfurt a,M., Kassel, Au« dem Badenschen, Dürzburg. Preußen: Berlin, Berlin, Bonn, Roseuberg, Giesen. Oesterrtichischer Kaiserstaat: Pesth, Brody, Wien. Frankreilch: Pari«. Großbritannien: London, London, London. Rußland: Au< Rußland, Warschau. Nachtrag: Hirschberg i/Schl., Au« der Neumark, Bon der Oder. yy Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchbandluiig. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. verantü-onlicher Redacreur: G. Fritzsche. Berlaa von »«Inümctlt SintikamtUns j» Vncjifl- — Drnck von ©. Str eö Unfftn £eU»if).