Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 45 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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j ftn die r <i i rer leicht ‘ auihren Zügen ihre Person wieberzu vermochte dieaber nicht, fühlte jedoch bereits di« Theilnahme für dieseschmerzdurchwühtte junge „Theilen Sie mir ungenict uns ausführlich mit, auf dem Hetzen haben. Zch höre, und wem schwachen Kräfte Ihnen eine Erleichterung zu. sch mögen, so sollen sie Ihnen zu Gebote stehen." noch einige Augenblicke, dann sprach sie: „Ja, bin die Frau d,S unglücklichen Kaufm der —" I unwillkürliche- Oh! entschlüpfte bei tdeilung meinen Lippen und mein Gesicht moch wußt sich etwaverdüstert haben. Vor einiger nämlich der Kaufmann 8. aus einer benachbarter Stadt des dslrügecifchen Bankerottangeklagr dem Schwurgerichte für schuldig befunden und ILhriger Zuchthausstrafe verurtheill worden. I den Verhandlungen beiwohnen muffen, um nach d -noch immer bestehenden Lande-gefttze einige Zeug juüsico zu vereidigen. Der Angeklagte, ein Wo sollte in der stacht, bevor er sich fallit erklärte, Partie Wolle, in Ballen verpackt, versendet Hab deren Werth seinen Gläubigern zu entziehen und zu reserviren. ' Vergebenbehauptete er, niemals große Partre Wolle im Besitz gehabt zu haben, v wieer die Verluste nach, die er erlitten und welct Fall bewirkt hatten, vergebenbrachte er Zeuger die ihm den! besten Leumund zusich,rten: ihm Zeugen gegenüber, welche die einfache Tharfache Packung und Versendung der Waare von seinem . auin jener verhängnißvollen Nacht beschworen s,tn« Veruktheilung herdeiführten. Oke Wahrhe letzten Factumwar so überwindend, daß alle da- Verdick der Geschworenen alrichtig annahn wenn der Verzweiflung de- Verurtheilten gegenü > sich in dem Zustande der Zerschmetterung und e einem Strome von Thränen kund gab, die von richl-ho^e beschlossene Strafe al« sehr harr ~ machte sich voch die Meinung geltend, baß bei häufigen Vorkommen solcher betrügerischen und a trauen untergrabenden Fälle die Staluirung einr- ' wohl nothwendig und gerechtfertigt sei. Ich tief ergriffen von dem Geschick de- Unglücklichen mich aber nicht erwehren, da- Urtheil de- Schwer und der Anwesenden zu theilrn. Es war daher lich, daß bei der Nennung jene- Manneein über mein Gesicht lief, der dem spähenden Blicke Frau nicht entging. Sie seufzte tief auf, faltete d und sprach weiter: „Haben Sie Mitgefühl, rheurer Herr Dock» meinem und meiner zwei Kinder traurigem S Gewiß klingt! ein Ihrem Herzen wieder, wenn wohl der No«h und de- Elende-, in die ich mit kleinen unschuldigen Kindern gestürzt worden, mehr der Schmach gedenken, die auf unlastet ich kaum zu ^tragen vermag. O, diese Kinder Schutz, denn ohne sie, ohne den Blick auf die ar •' lassenen und . hilflosen Kinder wüßte ich nicht, Verzweiflung mich schon getrieben hätte. Dok! «in Gedanke ist e-, der mich aufrecht erhalt, der meinen unschuldigen Mann zu rechtfertigen und i'H An>» v i — 178 > rkennen, - unverdienten Strafe zu befreien! . . . Sie sehen mich innigste > verwundert an; Sie glauben mir nicht, ich kann e- Ihnen Wesen.! nicht verdenken; der Schein ist wider un-, Sie aber, Herr oas Sie! Dockor, muffen wissen, daß der Schein oft trügt; Sie meine! lesen zu oft in den Seelen der Unglücklichen wie in einem vecr | aufgeschlagenen Buche, um nicht erfahren zu haben, wie zögerte oft der Schein trügt. Und wenn Sie nun sind, wofür ' die Welt Sie hält, o verzeihen Sie mir die offene Sprache, »ns £., aber welch« Wahl bleibt mir denn übrig — bann muffen Sie sich verpflichtet fühlen, in jedem einzelnen Falle der r Mil- Wahrheit nachzuspüren unv sich 'von der Meinung der e unde- Menge nicht befangen hatten lassen/' Sie sah mir an, war wie gespannt ich ihr folgte, und fuhr daher fort: „Mein kleinen Mann ist unschuldig, ganz unschuldig, und oft schon habe > inO vor rch meine Hände zum Himmel erhoben^ und gefragt, iU dreiwarum der Gon dqS Rechtes und der Wahrheit so etwas hatte zulasse?! O, mein Herr, ich weiß wohl, daß fast alle Ver» msieiber urtheilten sich für schuldlos erklären — aber ich bitte n wore Sie, glauben Sie mir. Seien Sie überzeugt, daß ich lchändler, mich in diesem Augenblick« vor Ihnen als einem Seele große socger wie vor dem allwissenden Gotte selbst fühle, Ihnen n, um mein ganzes Herz öffne, als ob Sie mir dem Auge für sich dessen, der alle Winkel unsrer Seele durchschaut, in mein eine so innerste- Gewissen hineindlicklen — und da kann ich immer rgeden- und immer wiederholen: mein Mann ist gänzlich frei von e seinen aller Schuld!" . . . Ein Strom von Thränen unterherdei, brach ihre Rebe, ein heftige- Zittern ergriff ihre ganze standen Gestalt und die Blässe der Ohnmacht wechselte mit der Ver- Röthe der Bewegung auf ihrem schönen Antlitze. Speicher Ich ergriff ihr« Hände und suchte sie zu beruhigen, und so „Ich glaube Ihnen, wende Frau," sprach ich ihr zu; „so r diese- 'toi« Sir sprechen, kann nur die volle Uederzeugung sich «senden^^au-drücken. Beruhigen Sie sich; aber es gilt die Beweise dieser Unschuld, und da Sie mich einmal zu Ihrem Mitwisser erwählt haben, machen Sie mir diese Beweise kund, vielleicht knüpft sich daran ein' Weitere-." Nachdem sich die Frau etwavon dem Au-bruche ihres en, und er, die üblichen rem “&« rr erfck ie»^-.s^ ^Schmerzes erholt hatte, sprach sie: „Ich will Ihnen allet e» letzt Ver» Krempelst war faflBt« gertchtS »atür. ' Schatten jungen e Hände f«> d M c d«: r, mit hichsale! Sie sonftiaen noch unid die d mein ver» hin die nein! ' Setiaake, n seiner <!« fl» i irrt w> mitkheilen; gönnen Sie mir einige Zeit; Ihre Güte und Freundlichkeit richtet mich schon in etwa« auf. Ich bin jetzt vier Jahre verheirathek und war sehr jung, al« ich in den Ehestand trat. Ach, meine Ehe war sehr glücklich, denn da« innigste' Band der Zuneigung und de- Verständnisses verknüpfte meinen Mann und mich. Die ersten Jahre waren wie vom Segen Gottebegleitet. Mein Mann, von Natur sehr fürsorglich, war in feinem Geschäfte, dem Wollhandel, sehr umsichtig und beschränkte seine Unternehmungen nach dem Maße seiner Mittel. Der Erfolg war verhältnißmäßig ein sehr lohnender und wir sahen der Zukunft mit Vertrauen entgegen. Äwei Kinder wurden nach einander geboren und machten da- Glück unsre- LebenauS. Da wandte sich unser Verhängniß. Ein unglückliches Jahr trat «in. Die Preise der Wolle gingen gerade in einem Moment, außerordentlich herunter, wo' mein Mann bedeutende Einkäufe gemacht hatte. Wir würben den Verlust ertragen haben, aber, wie dieimmer zu gehen pflegt, die Nachricht von dem fticchtdaren Sinken flößte den Banquier-, bei denen wir Credit hatten, Befürchtung ein und sie verweigerten meinem Manne die Fortsetzung ihre- Vertrauen-. Dieser mußte im ungünstigsten Augenblicke seine Waare verkaufen, um da- Geld