Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 42 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mil Jost ipajivrcn zu gehen, trat nichr nur aflziekrnd durch.das sinnige Gespräch, das den Weg verkürzte, sondern auch die vieren Begegnungen, die seine Erscheinung in den Weg führte. Ec war einer der bekanntest m und populärsten Persönlichkeiten der Stadt. Männer a» S allen Class.n, jedes Bekenntnisses und jede« Alters kamen süßend vorü?.r. wechselten mit ihm einige freundliche Wo>te oder schlossen sich uns eine Strecke weit begleitend a>i. An ein ernste«, gediegene- Gespräch war bei so vielen Unterbrechungen selten zu Denken, der bunte, adwechleln! e Verkehr mir den Menschen konnte indeß dafür enri'ckädigrn. Wollten ich ober andere Freunde den Geschichtschr iber zu einem guten Gespräche bewegen, wollten wir un! seiner mittbeilsamen Stimmung erfreuen, so mußten wir ihn zu einem mehr .entfernten Spaziergange überreden. Dort erst, in dem Maße, als die Stadt hinter un« zurückdl eb und als Senne u^d Himmel lächelten — denn des Hannes femgestimmrer j-Ocganismus lauschte auf den Muß der Sonne und nsar empfänglich für-die Milde der 'ufr — dort erschloß sich sein klarer Geist, ^ein reiches tzemüth in kindlicher Unbefangenheit den Freunden, dorr fihrte er jene reichen, lebendigen Gespräche, deren unser'egdaren Stoff sie Erfahrungen seines fruchtbaren Lebens und die Resultate ''einer steten Denkens und Forschenau«> dachten. Allein auch in; weiterer Ferne waren wir nicht im ner vor Unterbrechung«» sicher. Man kann sagen, bi, ga lje Bevölkerung wetteiferte, dem güten Wanne etwa-Frei ndliches zu bieten. Dje stolzesten Schonen kamen feinem Gruße zuvor, die liebllichsten Kinder boten ihm froh die Ha lde. — So erinnere ich mich eines SonnragnachmitlagS, rls wir von einem kurjzen Ausflugs nach der Stadt zuruü kehrten. prch ein begann kleiden wie sie >. In Regenfast die aus einem nvhen Garten herüderklmgende Musst einer Militärband«, lv''en Frohsinn Es war im Hochsommer, die schwüle Luft war d vorüderzichendSS Gewitter abgekühlt, der Himmel sich in das Gold der unrergehenden Sonne zu und einer jener würzigen Abende bereitete sich vor, in den Gegenden des Miuelrheins so häufig sir den Ulm.n und Linden hingen die letzten schweren tropfen, das ssohe Getriller der Lerchen übertönt« da öffnet sich die ganze Natur schien Frieden uni harmzu alhmen. Unser Weg führte d^trch die siehe, heraus Dryade Scene Gärten und Landhäuser einer entlegenen Vorstadt vor uns eine lebendige'Laude und au« Spätrolea und Levkojen — sie schien die diesis kleinen Gartenidylls, und die Einsamkeit ve> konnte diese mythologische Illusion unterstützen -- tritt ein reizendes junge- Mädchen und mit dem frohest m kindlichen Gruße auf den alternden Gelehrten zu. nimmt sie feine beiden Hände, ihr feelenvolleS Aug< von unverstellhem AlückSgerühl über die Begegm r»g des Gelehrten und i «in kurze-, belebte- Gespräch entipi mr^pch zwischen ihr und dem ^Gresse. Es war, wie bereiterrathen hat, eine vormalige Schülerin Freunde«, die vor Jahren zu seinen Füßen geses seinen Vorschriften über die Reinheit der deutschen Sprache und de- Stilgelauscht, Jugend ünd Alter stauben sich hier gegenüber, beide aufwürdigste vertreten uv d durch die reinsten unb edelsten Beziehungen zu einander l edracht. Wie viel goldene Jugendtcäume. wie viel Liebe, vie viel Welkeitelkeit waren wohl über diese jugendschöne Stim dahingedlüht, von dem Tage, dck sie dastille Schuld chäckernd strahlt kjer L^ser unseres m und zimmer verließ, dizu dem Sommrradende, wo ihr grauer Lehrer dem Landhaus« ihrer Eltern vorbeiwanbelte. *) Es muß ein edler Kern von Jugendlichkeit in ihr sich erhalten haben, daß ihr Geilt so schnell den Weg zurückfand zu dem stillen Lehrzimmer und zu der schmucklosen Erscheinung degeehrten Manne-. 4P Bei dies'r allgemeinen Aufmerksamkeit, welche die Er-! scheinung Jost'S überall erregte, mußten feine Begleiter allerdings bescheiden zurückstehn; allein wer hätte sich nicht der wohlverdienten. Anerkennung-gefreut, welch« das treue, -redliche Wirken de- Lehrers und Forschers in so bunt zusammengesetzten Kreisen fand! — Es war damals noch , der Nachhall einer frischen, tharenfrohen Zeit, die ihre Spur auf das gesellige Leben der freien Stadl prägte. Jene Straßen, jene Spaziergänge belebten sich täglich von . dem Schritte wahrhaft weiser und großer Männer, den letzten Vertretern, den Erben einer bedeutenden. Epoche, - die alle bereitden Morgenceif der Ewigkeit in den Haaren ' trugen. Jost, Michael Heß, und von den aaßerjübischen ' Kreisen der gelehrte Senator Hessenberg, der Religions- Philosoph Molitor, der Philosoph Schopenhauer, der Pfarrer . Friedrich wandelten damals noch in unserer Mitte. Sie! all« har daS^Geschick seitdem abgerufen, und ihr Verlust ' mahnt unwillkürlich an viele andere Edle und zum Tdeil : Treffliche, von verwandtem Streben, die nicht gar lange vor ihnen von uns geschieden, als an den trefflichen Michael Creizenach, an Johlson, den Juristen Goloschmibt u. a. ' Nie wird der Wanderer mehr ihre ehrwürdigen Gestalten begrüßen, ja, die Zeit wird kommen, wo man diese Fülle von Kraft, von Erfahrung und gutem Willen schmerzlich ‘ vermissen wird in den großen Fragen-und Geschicken künf- . tiger Tage, und um so schmerzlicher, als man sich ihr; Wirken in ruhigeren Verhältnissen entbehrlicher gedacht hatte. Es war Jost's Gebrauch, jeden Fremden, d^n ec seiner Aurmerk'amkeit für würdig erachtete, nach dem.Hauie des Israelitischen Frauenvereins zu führen. Von reichen, vornehmen Besuchern pflegte ec bei dieser Gelegenheit den Tribut einer wohlthätigen Gabe für die Kasse dieses nützlichen Instituts zu erheben; bei anderen genügt!« ihm schon ein Wort freundlichen Antheils. der Zoll der Theilnahme . und des Beifalls. Keinem aber wurde dieser Gang erlassen, ec bildete da- Debüt zu seinem Vertrauen und nähern Umgang«. Denn das Institut des Israelit. Frauenvereins, bestimmt zur Erziehung armer unv verwaister Mädchen ^rus achtbaren Familien, war ganz allein feine Schöpfung, seinGeist war dorr heimisch und lebte und webte mir dem still geräuschlosen Werke der Erziehung und Veredlung.; Im Verfolge dieser Mittheilungen werden wir oft Anlaß - haben, ihn dahin zu begleiten. Auch mich führte er schon bei unserem zweiten Zusammentreffen nach jenem freundlichen Hause in der gartenreichen Theobaldstraße, worin für eine Schar weltveri grssener Mädchen eine Heimat und ein Asyl bereitet war.; Wir betraten ein einfaches Haus, das. der Anstalt eigen- [ thümlich zugkhörte und im Jahre 1857 für ihren Zweck; eigens erbaut worden war. Unser Freund zeigte mir die *) Sie halte inzwischen die große Welt geseben, sie batte Paris i besucht, sie hatte ihre Treue einem braven Manne verpfändet ’ und ibr jugendliche» Haupt sollte demnächst der Morterkrau;! schmücken: die» alle« berichtete sie mit kindlicher Redseligkeit ibrem , Lehrer in flüchtigem Gespräche.