Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 42 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BotkMatt. .Relefjruiifl Jiufo ilnterönftiuig duf jüdischem HeKiete. > - > HrrauSgrgebeu von | Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. ^No. 42. 1864.^ Boa dieser Z«N«britr erickriat w-chearN» eia« Nummerj Preis des Iadr» zaags i Thtr. Biorieljäbrig 1% Ngr. SO« vaSbaadiaa-e», Postä»rer »ad Zeimagsexpedilioaea aeh»ra BeAellaagea aa. fll. Jfahrg. 4. ^tmrtal] Die Majestät der Religion. WaS ist!rS, was die Religion dem Menschengeschlecht« und jedem Einzelnen in ihm so unenldeyflich, so zum unausweichlichsten Bebürfniß, fo zur unzertrennlichen Gefährtin macht t Soweit wir in die graueste Vorzeit zurück» zublicken vermögen, gewahren wir sie bestehend, waltend und gestaltend, leitend und bestimmend in allen Stätten und Herzen der Menschen, und soweit auch die Nationen vorgeschritten, sie bleibt in ihnen sin wesentlichstes Lebens»' element. Nicht der Herrscher in seinem Purpur, nicht der Bettler in feinen Lumpen kann und mag ihrer entbehren, nicht der Reiche bei seinen Schätzen, nicht der Arme bei seinem Elend. Die Mutter legt sie auf die Lippen beS Kindes, das sie in seine Wiege bettet, der Barer prägt sie in seinem Segen dem Geiste deS scheibenden ZünglingS ein; den neugeborenen Menschensohn empfängt sie auf ihr« Arme, und der entweichenden Seele deS Sterbenden ruft sie ihr Bekenntniß zu; über den Knaben und das Mädchen, die in das Leben hinaus treten, spricht sie baS Wort der Weihe, uttd liebende Herzen schließen ihren Bund unter ihrem Segen. So vielen Zweifeln begegnete sie, aber sie hellte sie immer wieder auf; so viele widerstreitende Elemente, zersetzend und auflösend, traten ihr entgegen, und vermochten eS nicht; so vielen Stürmen der Leidenschaften und, der- Barbarei war sie auSgesetzt, und sie bestand sie alle. Wie oft im Leben der Menschheit, wie im Leben jedeS Einzelnen, überzieht sich der ganze Himmel mit grauem Gewölk und der Frost einer Nacht lödtet alle Blumen, die zu Tage waren, und welkt alles Laub, dazuvor noch so frisch und grün. Aber da« Lickt und die Warm« der Religion schwanden doch nicht, und burchdrangen und zerrheilren alle Sturmwolken, und weckten und belebten alle schlummernden Keime wieder . . . Wodurch vermag dies die Religion? Was ist es, das ihr diese unüberwindliche und alles überwindende Lebenskraft verschafft? Weil sie alle Höhen und Liefen beS Daseins bespannt, mit ihrer Rechten den Himmtt, mir ihrer Linkrn alleS Menschenherz tragt. Sie hebt dick empor; sie trägt dich im linden Flug, auf sanfter Schwinge zu den Höhen deS LichtS, zur Einheit des Weltalls, in da- Unendliche und Ewige, und zeigt dir: hier ist Gott, hier der Schöpfer und Meister alles Daseins, kein Schöpfer, dein Meister, dein Vater! Aller Sternenheere Glanz ist feines Finger- Werk, aller Sonnen Gluthen seinrS OdenS Hauch, und also auch deines Lebens Pulsschlag, deine» AugeS Lichtstrahl! Und dann kommt sie zu dir, wie du einzeln in dem unend» j lichen Weltall stehest, ein Punkt im schrankenloj m Weltenraume, eisi Atom in den Mvriadrn der Wesen, sie kommt zu dir und senkt sich in deine Seele, und b fraßt dich um dein Leid, und heilt dich von deinem gdnutfc und bestürmt dich ob deines Fehle». Ob sie dir kie Rathsil des Weltall-, de«^Werdens, Sein» und Vergeh«- löst, oder ob sie dir di« Fragen deines Schicksal-, deir er Freuden und Leiben beantwortet, sie steht immer zu dir, ob du sie suchest oder von dirj weisest, gleich erhaben, zlesch klar, gleich majestätisch, gleich gütig, gleich besorg ulm dich, immer aver will ft«,* von dem Boden liestr Erde erheben tyld zu -einer schöneren und lichteren Spt äeei emportragen, ittfikKi: dich von dem 'Staube dieser Erl e Einigen, auS ihrem Kampfe bestem, von ihren Wun »er» heilen. Ob du weife bist und viel gedacht, oder «in l ichtfertiger Thor, ohne Ernst uhb Würde; ob bu tief gelehrt und viel gelernt, »der unwissend und schwachen Leiste-, sie hört Pich liebevoll aw und antwortet dir auf dpine Weise, immer verständlich, a^W immer bedeutungsvoll, j Und doch sagt sie dem Weisen >wie dem Thoren dasselbe, lehrten wie dem Unwissenden da» Gleiche, und Frommen wie dem Münder nichtandere». Die» ist die Majestät der Religion, ihr?Üesen,^ihr Wirken. , Sie steher bei Gott, „den aller Himmel Himmel nicht »»^fassen", und bei dem „zerrissenen unh zerknirschten Gemüthe"; sie zeigt dem Könige und Dürftigen, daß aUean ihnen Staub, und dem Fürsten und Sklaven, baß alle» an ihren gottähnlich, gotrebendildlich ist; sie lindert deinen Jubel usid dein« Trauer, mäßigt deine Freude und deinen Schmerz und hebt dich über die Wiege und da- Ärab hinauf, dahin, wo keine Wieg? und kein Grab. Und weil sie diealle« ist, will und vollbringt, ist sie dem Menschen'baS Leben, der ganzen Menschheit und jedem Einzelnen! bhtr Ge» selbst dem Ennnerangen an I. M. 3, »ft. persönlichem Umgänge von H. Zirn )ojf. . (Fortsetzung.) Als ich montags darauf wieder bei Jost inttat, erwartete ec mich bchrics, und da da- Wetter günstig war, so schlug er eineW Spaziergang vor. Wir ginget» durch die Anlagen, die sich wie -in blumiger Gürtel um die Mainstadr ziehen. Ich habe diese Anlagen nachMal» so oft in der, Begleitung de» Unvergeßlichen Maünes durchwandelt, daß für meine Eemnerung-^ein Name mav^nvischlich in jene'Rasinplätze und Baumgänge eingeuhrieher» ist.