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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 41 (1864) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
41 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 Die Behausung machte fast den Eindruck deS Klöster» lichen, Weltvergessenen. Sie erinnerte mich lebhaf an die Zelle de< .gelehrten Benediktiner-Ldl» Haneberg einemeiner Universitätslehrer, die ich einmal betrat, als ich jenen gelehrten Herrn im BonifaciuSklsster zu München besuchte. Nur herrschte bei Sem jüdischen Forscher weit mehr Ordnung und Regelmäßigkeit albei dem $ rälaten. •€m Geist des Friedens und der Genügsamkeit du ch-vehte das HauS deS jüdischen Annalisten, und von dem Kampf, der durch die Felder der Geschichte tobt, war'h er keine Spur und kein Zeichen. Don den Fenstern deS i ZesuchSzimmers sowohl alS.der Bibliothek sah man in if stille Straße hinatz und nach der Schloßwache am Allerheiligentho'r hmüblr, während von der nahen Promenavtz einige grüne Baumwipfel hereingrüßten.! Zost trat gewöhnlich aus der Thüre des F lmilienzimmerS in baS Besuchszimmer, von wo er dann i »n Gast in die Bibliothek führte. Diese befand sich in einem s hmalen, langen Zimmer, daS auf drei Seiten mit offenen Bücher» bretem auSgestltt und nur an der Fensters«» le r blieb. Josts Büchersammlung mag damals, nach einer un,,fahren Schätzung, über 4000 Bänd« betragen haben. £ ie Lang» fette deS Gemaches nahm ein langer Tisch und ein < rtehpult ein, an dem ich unfern Freund gar oft emsig s -reibend fand. Er hieß mich dann mit wenigen freundlichen Worten eine Weile wartm, beendigte feinen Brief oder sein n Satz und «andre sich darauf heiter und gesammelt zu nir. AlS ich den-Geschichtschreider zum ersten Male egrüßte. stand derselbe — geboren am 22. Febr. 1793 — i» seinem 67. Lebensjahre; doch ließ ihn die gleichmäßige Heiterkeit seines Wesens und feine frische Beweglichkeit eher iim ei« Bedeutendes jünger erscheinen- Eine lebhafte Gl statt im höheren ManneSalter, kaum möchte man sagen im angehenden Greisenalter, trat mir entgegen. Die Statur mtersetzt, ohne klein zu erscheinen; der Schritt, wiewohl krö ftig und regelmäßig, vercieth eine Unvollkommenheit in seit em Gliederbau, die einzig«, die ich an ihm bemerken konnte. - Seine GesicktSzüg« waren von der angenehmsten Regel naßigkeit und in jüngern Jahren mag sein AeußereS wahrhaft er ipfehlend und anziehend auf die Menschen gewirkt habet. Sein reiches Haupthaar war nur wenig mit Grau du chmischt. Auf seiner freigewölbten Deukerstirn lagen ste S ernste Falten, die auf die hart« Arbeit feine- Lebendeuteten. Der straffe Fall der Haare und die buschigen Auc eabrauen schienen Energie, ungeschwächte Arbeitskraft und luSdauer anzudeuten. In den milden, klugen Augen lag der Tiefblick deS HistsrikerS, baS Wohlwollen deS Mens -enfreun» de» und der schnelle Ueberdlick deerfahrenen We> rmanaeS. Sein Mund war feia geschnitten, Wohleedenheii und gemessener Au-druck schienen auf diesen Lippen zu wohnen. Unvergeßlich bleibt mir da< feine ironische Lächelt , daso oft seinen Mund umspielte. Im ganzen mad ren seine Züge mehr den Eindruck der männlichen Gerat heit, der inneren TüchÜgkeir alde- Genialischen. Der 4 rtahlstich, welcher einem der Bände von Klein'- Kalender r orgeheftet ist. kann im ganzen auf Ähnlichkeit Anspruch machen, nur daß er dort noch etwa» zu jugendlich erst «eint und überhaupt, wie eS im Geiste jener Darstellungen liegt, etwaidealisirt ist. Später saß der Historiker iaem der größten. Meister der Porträt!rkunst, dem Profess> r Oppenheim, zu feinem Bilde. Eine Vervielfältigung diesege» ' lungenen Werks dürfte vielen Freunden de» Verewigten höchst willkommen fein. Don den Schwächen des Alters zeigt« die äußere Erscheinung unsere» Freundedamals nur wenige Spuren, wenn man nicht eine gewisse Harthörigkeit hieher rechnen will, deren Sitz da» linke Ohr war. Seine Begleiter waren daher genöthigt, zu seiner Rechten zu schreiten, ein Gebrauch, auf den er bestand und der von Unkundigen aleia Mangel an Höflichkeit gedeutet werden konnte. Bei meinem ersten Besuche traf ich dorr den gelehrten , Schriftsteller R. Kirchheim, der zu Jost in freundlichen; Beziehungen stand. DaS Gespräch drehte sich um allgej meine Dinge, Fragen, wie man sie an einen Reisenden . richtet. Der italienische Krieg, der damals zwischen Oesterreich und Frankreich geführt ward, bildete da- Hauptthema. JostS Stimmung war durch das große KriegSdrama keineswegs gehoben. Di« Aengstlkchkeit, womit man in Frankfurt den Bewegungen der streitenden Heere folgte, hatte ihren Einfluß auf ihn nicht verfehlt. Doch trieb ihn sein liberaler Sinn an, der österreichischen Hartnäckigkeit die größere Schuld beizumessen. Dieser Besuch endet« bald und ich verabschiedet« mich, nachdem eine zweit« Zusammenkunft schon für die nächsten Tage verabredet war. (Forts, folgt.) Die polnischen Juden. (AuS der „Presse.") Oa6 ist ein traurige», aber andererseits wieder märchenhaft interessantes Blatt aus der Geschichte de» österreichischen I JudenthumS, baS wir unseren Lesern hier vorlegen. Arm, unwissend und verachtet, sind da» nicht unter bösen Wörtern die schlimmsten? Und sie passen auf die große Mehrheit der österreichisch-polnischen Juden so haarscharf' > Elende, feuchte Baracken sind ihre Wohnungen, Lauch! und Mamaliga (ein Brei auS Maismehl in Wasser verkocht) ist deren ausschließliche Nahrung; die jüdisch polnische Tracht in Flicken und Rissen weht um ihre mageren Leiber und frühzeitige» Aller drückt feine scharfen Spuren in ihr feingeschuiltene» Antlitz. Kein Titelchen haben ste von den überkommenen Anschauungen und Gebräuchen aufgegeden und mit zäher Ausdauer halten sie selbst an den alten Melodien der Svnagoge wie an der befremdlichen Tracht fest. Auf dem glattrasirten (??) Kopfe, von dem blo» zwei Schläfenlocken herabhängen, sitzt eia schwarze-Käppchen und darüber eia schwarzer Filzhut oder eine pelzverdrämte Mütze; «in scharzfeidener Kaftan, durch einen Gürtel zusammen» gehalten, umhüllt den Leib; die weißbestrumpften Füße stecken in Pantoffeln, und in der Hand oder auf der Schulter trägt er sein Schnupftuch. So schreiten sie am Sab» dath und an Feiertagen gruppenweise durch die enge Juden» gaffe, und so stehen sie, nur noch mit dem weißen Talare um Haupt und Schultern, in der Synagoge, mit dem Oberleib« sich wiegend und mit den Armen heftig gesticulirend. Die Frau, auch de» ärmeren Manne», trägt an Festtagen^ einen Perlenschmuck oder eine Schnur Goldmünzen al- Stirnband. E» stammt diese» vielleicht von der Aeltermutter » l

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