Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 40 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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15 sie ebenso eng und ebenso schmutzig wie der maurische Stadtheil, und sehr schwer ist es, sich in ihnen zurecht;u; finden. W>: in die Juvrnstadr vom Zok auour ein; einziges Th^r führt, so haben auch die beiden Hälften der i großen, durch die ganze Lang« des Viertellaufenden Haupt» , straße nur Ije einen Zugang. Mag man sich nun rechts oder linkwenden, fast überall tritt man nur in Sack» gaffen hinein, die noch dazu von sehr geringer Lange sind.! Alle Augenblicke muß man daher wieder umkehren, um - nach 80 oder 100 Schritten wieder dasselbe Schicksal zu; haben, so daß man sich glücklich preist, wenn man durch' Zufall das einzig« Thor wiederfindet, daaus diesem Labyrinth herau > auf die Hauptstraße führt. DaS ginze Judenvirrlel ist nur 500 Schritt lang, 300 Schri>l breit und von einer hohen Mauer umgeben. Auf diesem beschränkten Raum, der ihnen vor mehreren I Jahrhunderten zugewiesen wurde, als ihre Zahl noch vielj geringer w. r, wohnen jetzt 10,000 Juden, zuweilen drei ' oder vier Generationen einer Familie in einem Hause. . Im Innern sind diese Häuser, namentlich die besseren, ganz wie die maurischen eingerichtet, d. h. die Wohnzimmer reiben sich um einen von einem SprmgdrunnenAeschmück- > tcn Saulenhof. Die innere Ausstattung ist aber europäisch/! und nicht selten findet man alten kostbaren HauSralh, > ganz so, wie man tön in den Schlossern des kastilischen Adels sieht, wahrscheinlich der Rest dessen, was die Vorelrern-.aus Spanien mit herübergebracht, untermischt mit modernen Möbeln, welche nicht lange erst in den englischen Magazinen in Gibraltar gekauft sind. Die männliche Bevölkerung des Judenviertels ist nicht schön, und wenn man auch mancheintelligente Gesicht unter den Zungen und manche würdige Gestalt unter den Alten erblickt, so erscheinen diese doch als Ausnahme und Pie Masse ^läßt kräftigen Wuchs und edle Züge sehr vermissen. Schöner sind die Jüdinnen, obgleich sie früh verblühen. Ueppige Gestalten, regelmäßig ovale Gesichter mit feingefchniltenem Profil, dunkle Augen^ und schwarze-Haar in reicher Fülle. Endlich zierliche Hände und Füße, letztere; fast imme bloß, bilden die Regel. Herr von Goeben - hebt noch »«sonders das unbefangene und freundliche, aber 1 zugleich zurückhaltende und züchtige Benehmen der jungen Jüdinnen hervor. Für gewöhnlich tragen sie sich sehr ■ einfach, Rock und Mieder von Tuch oder anderm wollenen Stoffen, mit einem langen schmalen Shawl>um Kopf, Hals und Hüfte gewunden. Arme, Schultern 'und Busen bleiben bloß. Die verheiralheten Frauen tragerz da- Haar > kurz geschnitten und auf dem Kopfe eine schwarzfeidene Mütze von eigenthümlicher Gestalt. i So einfach aber auch die Alltagstoilette ist, so prunk- , voll wissen sich die wohlhabenden Jüdinnen bei außerf gewöhnlichen Gelegenheiten zu putzen. Dann werden seidene ' und sammtne Gewänder, mit Gold und Sicher gestickt j und mit Edelsteinen besetzt, feine Spitzentücher und orien- , talische Shawls angelegt. Schwere Ohrgehänge mit Edel- . steinen und Perlen fallen dis auf die Schultern herab, und! den Kopf schmückt ein hoher, tiaraähnlicher Aufsatz, der; ebenfalls von Edelsteinen, Perlen und Gold und Silber• funkelt. Mehrere Generationen tragen zu diesen kostbaren Anzügen bei, die mehrere Tausende kosten, und reiche Jüdinnen zeigten Herrn v. Goeben einzelne Stücke aW; solche, die mir auS Spanien herübergebracht waren. &e! hatten von (Generation auf Generation foktgeerbr, und jede hatte neuen Schmuck an Edelsteinen und kostbaren Perlen und Seiden» «ckereien dazu getban. Es zeigte sich übrigens bei dieser l Gelegenheit, daß die Juden zwar bei der Plünderung manchen <3 Schaden erlitten, hauptsächlich aber an gewöhnlichem Haus» rirh, daß sie aber alle ihre kostbaren Sachen zu retten gewußt hatten. 'Jedenfalls aber war ihr Jammerruf: „Sie h ltben uns nackt, gelassen!" nicht wörtlich zu nehmen. Erinnerungen an I. M. Jost. Aus persönlichem Umgänge von H. Zirndorf. — — afadol öe xou Q<xpoi xma {taifiov aytysi tyivovt. ■i,— die Gottheit mackn den Menschen weis? und gut. Piudar, Olymp. 9. Brief an einen Freund als Borwort. . Ihre Aufforderung, meine Erinnerungen an den treffchen Jost endlich der Oeffenlichkeit zu übergeben, trifft sehr mit meinem eigenen Wunsche zusammen, daß es »um der triftigen Gründe bedurft hätte, womit Sie dielbe unterstützest. Daß es mir eine heilige Pflicht sei, tm Ehrengedächtnisse des unvergeßlichen Mannemeinen stwachen Beitrag zu. zollen, diese Vorstellung hat mich - ii dem Tage, der mir die Kunde des großen Verlustes rächte, nie verlassen. Während eines Zeitraumvon , nderthalb Jahren lebte ich, wie Sie wissen, mit Jost in erfelben Stadt zusammen, stand ich mit ihm in dem raulesten Verkehr, verband mich eine Freundschaft mit ihm, d innig wie sie nur selten einen älteren mit einem jüngeren Ranne vereinigt hat und wie sie ssch nur durch die unver, loelkliche Jugendkraft seiner reichen Natur erklärt. Kaum wei Tag« vergingen, ohne baß wir einander sahen, und ie ganze Fülle und Tiefe seines Wesens erschloß sich mir n einer Reihe von unvergeßlichen Gesprächen. Dazu kommt wch, daß diese Zeit den Abend seines denkwürdigen Lebenstldete, und «-'scheint mir, als ob all das.Gute und Schöne, >ain seinem 'Geiste und Gemülhe lag, sich um so Herricher und liebe-würdiger entfaltet hätte, je entschiedener sich »ieser Geist zur Trennung von seiner schwachen Hülle rüstete. Das Geschick, das mich ihm so nahe brachte, setzte nur venige Wochen zwischen meine Trennung von ihm und seinen Abschied vom Dasein. Am 19. Sept. 1800 verließ ich ihn und bas deutsche Vaterland, und am Llv. Nov. hörte Jost auf sterblich zu sein — desiit esse morutis. Oer Entschluß, den ich damals sogleich faßte, den Manen unseres kreondes ein bescheidenes Denkmal zu setzen, war mir «in süßer Trost in meinem tiefenSchmerze. Allein die Entfernung von in Heimath har manche Schranke zwischen mein Vorhaben und dir Ausführung gesetzt. Das heimische Wort fließt nicht so voll und reich von der Lippe, wenn fremde Klänge uns umrauschen, wenn ein fremdes Leben uns umgibt. Es fehlt jene Menge vo» Beziehungen und Anknüpfungen an bgs Vaterland, deren der Schriftsteller bedarf, um mit ganzer Seele zu seinem Volke zu reden. Außerdem nahmen meine täglichen Berufsarbeiten meine Zeit und Kraft gebieterisch. in Anspruch und fast unbewußt ward ich vier