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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 40 (1864) · p. Seite 158

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
40 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158 Gewissen Darau« machten, in Das Gebier ihrer nachbarlichen Landesherren verheeren) «inzufallen, eine Leclion m t Dem Schwerte zu geben, Die ihnen ein für alle mal jev' Lust zc einem Ausfälle benehmen solle. Wirklich drang er in daS erfurtifche Bediel ein und schritt zuletzt selbst;>^r Belagerung Der Stadt. Da es den Erfurtern an Besä! vngsmann'cha^t fehlte, so mußten Die JuDen mehrere Tdürme besetzen. Oie jüdische Besatzung vertheiDigte Demi auch Die von ihr innegehabten Poltet» wacker, und Der Fein) mußte unverrichteter Sache adziehen. — Bier Jahre >arauf — 1315 —- brach hier Die Pest aus, welche 7085 Menschenleben zum Opfer gefordert haben soll aber noch spukte chier nicht Das schwarze Gespenst Der BrunkSnvec» gisrung un) Ho'lienschändung und Den Juden ern Achsen im ganzen von Dio'em Vorfälle keine üblen Folgest. —!o lebten sie ruhig und in Frieden bis 1343. Ruhe, Dessen sich Die Juven Erfurts zu erfreuen d»tten, hatte Die Bluthe Der Gemeinde befördert und einzeln' Mitglieder gelangten zu» nicht unbedeutendem Wohl lande. Leider schien ihr Wohlstand auch Die Quelle DeS zroßen Unglückes zu sein. DaS jetzt, wie ein Blitz auS l eilerm Himmel, über Die Annen yereindrach. Lassen w r Den Professor Dominicas, der aus Der primären Quele, Der Cbronik DeS PetersklosterS, geschöpft hat, über Dieses» Vor fall berichten; ,.D«e Juden trieben um diese Zeit auSgebreiteten Handel. Ihre Gefälle wurden sogar von Dem Erzdischlf auf emig» Zeit an Die Bürger verpachtet. Der größt« Theil DeS Rathes war ihnen rheils Capitalien, theils auch 4 luchec inleressen (!!, schuldig. Bei der Unmöglichkeit der Zahlung und der Zudringlichkeit (sic!) der Juden war kein mderes Mittel, als Ohnmacht, mir Tücke und diese mit Verfolgung zu waffnen. Man gab »hnen denn erst von der weitesten Ferne Schuld, sie kennten durch die Brunnen» und H crings- Vergiftung bas Menschcnsierben veranlaßt haben. D e allge- mein angenommenen Betrügereien der Juden (!) muß un jetzt als Du unwiderlegbarsten Beweise dieser unerwi Handlung dienen. Auf einmal brach in ganz Deu die Wuth und Verfolgung gegen die Juden au^. Erfurt siel die Bürgerschaft wie ein ergrimmter über seinen Raub her. Hundert Juden fielen Dolche oder wurden von ihrem Streithammer zersch Die n netten. Die Entkommenen retteten sich in ihre Hauser, v rriegel» ten Thür und Fenster, besetzte all« Eingänge und > »acht.» . sich zur Gegembehc bereit. Die Wuth stieg mit dem Widerstand. Man warf Feuerbrände, und hoch loderte die Flamme über — die Opfer der Unschuld. Mehr alS 5000 Juden, wovon sich ein Theil selbst in des Feuer 1 stürzte, fanden hier auf eine die Menschheit emp irende! Weise ihr Grab. Der Rath traf einige Bocke »rungS- ) mittel, aber sie waren so unwirksam, daß er seire Mit-» Wirkung nicht verbergen konnte, und er war der « sie, der! an die Aufsuchung der hinterlassenen Schatz« dachte Bon! den zerstörten Reichthümern zog er allein 844 M. f.1 Lilders, j die ft 1350—1355 verkaufen ließ. Der Erzbifchrf, dem mir Vertilgung der Juden ein wichtiger Artikel se ner Erhebungen entging, konnte sich nicht eher mir der St dt aus» söhnen, dis der Rach zur Ersetzung des Schabers und Dominicu» vermuthet: „aus Hungersnotb entstand n eiw gothaische* Malier Korn kostet 1'., Mark f. Silber« senen schland In Tieger ihre zur Ersta^ung eines lährlicher^ 100 Mark betragenden Judenzinses (ein Name, der die verübte Schandthat im Andenken erhielt) anheischig gemacht, wodurch sich denn der Rary von der Judenschaft losgekauft habe.')" Soweit DommicuS nach dev. Chronik des Peters» klosters. Es gereicht uns-gewiß zur Genugthuung, daß der Berichtecstattel, der »vohl kein allzu großer Judenverehrer sein mochte, wie aus mehreren Stellen seines Berichtes deutlich zu ersehen ist, jenes Ereigniß als das brandmarkt, was es wirklich ist — als eine Schandthat. wahrend er die Unschuld der Opfer der Volkswuth außer allem Zweifel halt. Nicht minder berührt cs uns freudig - schmerzlich, daß die Juden ihr Leben nicht so leichten Kaufes hin» gegeden, sondern eS so lheuer als möglich verkauften und dadurch sowie durch ihre tapfere Gegenwehr gegenüber dem Landgrafen Friederich das Vorurcheit schon in jenen düstern Zeiten widerlegten, als seien die Juden feige und konnten, wie der Volkswitz sich auszudrücken beliebt — kein Pulper riechen'Möchte uns der Hüter Israels, welcher nie schläft und nie schlummert, vor ähnlichen Proben unseres MucheS bewahren, nachdem wir zur Genüge dargethan, wie der Muth eine auch dem Israeliten nicht fremde Tugend ist. Nur wenn das Vaterland alle seine Kinder ruft, wollen auch wir gern Proben unsre--MutheS adlegen. — Was jenen Vorfall selbst betrifft, so wollen wir gern den Schleier der Vergessenheit darüber auSbreiten, denn „alle Vergebungen deckt ja die Liede", wie „wir sielehren, zu." Und. jetzt! Sollen wir es leugnen, daß es auch hier, wie überall im lieben großen Deutschland, Menschen gibt, die mir. frommer Gederde und süßen Mienen, aus purer zündender Liebe, alle Juden, wie jener Tempelherr — verbrennen möchten! Zum größten Leidwesen dieser Frommen sehen die Menschen jetzt klar und nicht durch gefärbte Glaser, so daß sie ihre wahren Freuode und Wohlrhäter kennen; und alle Insinuationen jener zuckersüßen Menschenfreunde prallen an dem gesunden Sinne der Erfurter ab. DaS Licht gewinnt immer mehr an Ausdehnung und die Ob» scuranten werden immer mehr in ihte Heimath, in daS Reich der Unterwelt gedrängt; denn, noch einmal: „Und Licht wird doch nicht Finsterniß!" Die Juden in Tetuan. (Schluß.) Nur einen einzigen größer» Platz, den Zok, besitzt Tetuan; an ihn grenzt das Judenviertel, welches nur den einen von diesem Platze aus hineinführenden Eingang hat. Es unterscheidet sich von der übrigen Stadt durch seine gradlinigen Straßen, die sich von Norden nach Süden und von Westen nach Osten kreuzen. Im Übrigen sind denn *) So sehr auch die Historiker in der Darstellung-weise diese« berüchtigten Vorfalls divergiren, so sehr auch manche die Handlungsweise der Erfurter zu beschönigen suchen, darin stimmen selbst die Judenfeinde überein, daß kein Jndicium zu solchen Maßnahmen gegen die Juden vorlag. **) Beim letzten Feldzüge gegen Dänemark hat auch ein hiesiger jüd. junger Mann wacker mitgefochten. Cr heißt Wilhelm Ünger und ist der Sohn de« verstorbenen Hofagenten David Ungar n. Neffe de« Professor Unger. Ein Offieierpatent hat W. U., wie mir untgelheitt wird, abgelehnt, weil er seine Zeit ausschließlich seinem Berufe — er ist Kaufmann — zuwenden will.

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