Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 40 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Kelehrung und Anterhaftuig auf jüdischem Hebiete Herausgegeb » von Rabbiner vr. Ludwig hilippson in Bonn. rftl . /v t D/» ä Be« dieser Zeitschrift erschet«» »Sch»«« eil e N»»«er^.Prei« de« 2<chr. r. + tV * **) 4 i i ~l [9io. 40. 1864.] . ... - ÄÄ; [11. Islirz. 4. Quartal.] Früher und Jetzt. Bilder au- Erfurt- Bergangenheil und Gegenwart. IV. Von vr. A. Jaraczewsky, Prediger. Der Erzbischof Werner hatte den Bischof Henricus zu Basel in der kurmainzischen Regierung zum Nachfolger. Dieser bestätigte 1286 den Juden ihren Schutz, und scheinen letztere unter seiner Regierung in Ruhe und Frieden gelebt zu haben. Wenigstens berichten unS die Chronisten nicht vom Gegentheile. — Die nimmer rastende Kunst hat vor kurzem bei einem Brückenbau iinen Zeugen aus jener Zeit auS seinem nassen, kalten Belte — rc wurde unter dem Wasser gefunden ^— ans Tageslicht geforder t. Es ist ein Leichenstrin, besten Epitaph seine- Alters wegen der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. Di.e Inschrift lauter: mrt 2LN22 ern® mrp mtpn jvxb'i asm bria vsa i ®«nb ax:i cpirt „ oia^ibp Sa -iiybe« n:®a bjcn:® 'ibn uiob vom O’^antt "b® nu' sion^v nma ' nbe pH iaaov bs Die Zahl üicb r®m ö'yai« entspricht der Jahreszahl 5049; diese von 5624 abgezogen, welche Zahl wir jetzt zahlen, ergibt für den Stein ein Alter von 575 Jahren. Er ist also im Jahre 1288 gefetzt. — In den mai©n zu Maimonide-' nprnn V, Theil II., amße^amer Ausgabe audem Jahre anaa, wird uns mikgetheilt, wie 1271 ein Mann aus der unmittelbaren Näh« Erfurts*) seine des Ehebruchs stark verdächtige Frau vor die Schranken dej'ch ma fordert. Diese» schreitet denn auch zur Zeugenvernehmung, nachdem edieselben ermahnt hatte, bei Vermeidung des Cherem die Wahrheit zu gestehen. Die Zeugenaussagen sowie die abgegebene Erklärung bes eigenen Ba ers lassen denn auch keinen Zweifel mehr an der Schuld der pflichtvergessenen Frau aufkommen. Den- ») B *1 Alach oder israelitische der unmittel ja Snao 12'bre O'aVipn irmai; vielleicht: : Sieder»leben, in welchen Orten damals bedeutende Gemeinden gewesen sein sollen. Beide Orte liegen in »aren Nähe von Erfurt. wch leugnet sie beharrlich und weist jepe gegen sie erhobne Verdächtigung entschieden zurück, weil sie von ihrem Manne n gesegneten Umständen zurückgelassen sein trilH DaS Irtheil des erfurter yn n*a, bissen Gutachten^ingeholt ourbe, geht dahin, daß die Frau zwar den Scheidebrief rhalten solle, daß aber, da ihre Schuld durch ihr beharr» iches Leugnen nicht durch einen Zeugen — nur der Vater hatte bestimmt ausgesagk, daß sie den Ehebruch »egangea — bis zur Evidenz constatirt werde«-, könne, der Rann gehalten sein solle, ihr die riaira zu zahlen *). — Eist gewiß für die ReligionVanschauung jener Zeit" harakteristisch, daß der eigene Vater, ^«r seine ungerathene kochter wegen ihres unmoralischen' Lebenswandelmit Vorwürfen überhäuft, und diese stets von der Tochter mit »er Drohung beantwortet erhält: sie wolle, wenn der pater nicht aufhörte — eine Abtrünnige werden, endlich . ,u dem verzweiflungsvollen Entschlüsse kommt, feine Toch« ler in den Strom zu werfen, damit sie wenigstens kn dem Stauden ihrer Väter stürbe. Er erbittet sich denn auch »on zweien Gelehrten Autorisation zur Ausführung seine- Vorhabens, erhält buje aber nicht nur nicht, sondern eS .wird ihm auch sein beabsichtigter Schritt auf baent» chiedenste widerrachen — gewiß ein edler Zlig, in einer Zeit, da die Nacht des Fanatismus die.Bekenner fast lller Religionen beherrschte. Dieser interessante Fall wird »uch den Würzburgern.und dem berühmt,n^Rabbi Mair >m Baruch in Rothenburg (geboren 1230 und im Kerker -erschmachtet 1293,! wegen seiner Unfähigkeit, übermäßige Steuern einzutteibenj», welcheledern Gutachten am au-, ührlichsten mitgerheilt ist, ziw' Begutachtung vorgelegt, mb ist baquästionirte Urtheil erst nach dem Eintreffen »er Gutachten gefällt worden.") — Der Erzbischof Gerlach welcher sich in GeldcalamitLt befindet, ist gezwungen, »er Stadt Erfurt um da- Jahr 1294 da- „Einkommen »er Juden von den Pfändern etc." zu verpachten, ist aber m allgemeinen gegen die Juden günstig gestimmt und »estätigr ihnen die ihnen von Werner eckheilken Pci- »ilegien. —Siedenzepn Jahre darauf 7— 1311 — harten >ie Juden Gelegenheit, ^rch den Erfurtern nützlich zu zeigen, ver Markgraf Friederich von Weimar hatte sich vorge» ivmmen, die kriegslustigen Erfurter, welche sich gar kein *) Und doch war der Mann im Adar 5031 weggegangen und kehrte von seiner Reife im Aw 32 — also erst nach mehr tl» — 16 Monaten ptrück. — **) Dieser interessante Gegenstand warb vor kurzem von rnserem talmudkundigen Lautor, Herrn Julia- Glück, „beim .kernen" zur nähern Erörterung uns unterbreitet. V