Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 38 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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15-1 nicht hineingekoüimen, und die inner, Welt hast du für dich selbst aufzulbauen. Aber in die Hütten der Armuth will ich dich leiten, denn diese offnen, sich dem jungen Arzte. Komm Mit mir. Ich drückke meinem Bruder die Hand und folgte ihm. Mein jugendljchfs Her; schlug hoch auf. Der Gedanke erhob mich zu uingeahnter Hohe, Retter und Schützer für leidende Menschestbrüder zu werden; ich sah schon durch meine Hand T^ränen getrocknet und Seufzer gehemmt, ich hörte stammende Lippen Dank und Segnungen>sprechen und Witwen und Waisen mich ihren Vater nennen. Ach, ich wußte noch ^icht, daß es keiner Entsagung bedarf, um die Statten de« Elends aufzusuchen, den Schmutz der Armuth zu berühren und ihre Leiben mitzufühlen; auch um auf Dank zu verzichten und sich! geschmäht zu sehen; sondern daß die erst eintrit, wenn wir erfahren, wie wenig wir helfen könne i und wie oft diese- Wenige am Unrechten Orte geschieh und gemißbraucht wird! . . . Nachdem ' auf ihren Kreuz- und Quergäßchen lange eben wir vor einem großen Gebäude stehen, architektonische Schönheit und Aierralhen, . der Sitz des Reichthums und der Pracht! Zustand des Verfalls sich zeigte und von; zahllosen Wohnungen sogenannter kleiner j Leute eingerichtet |un& nutzbar gemacht worden. Die früheren 1 breiten steinernen Treppen waren durch ausgetretene hölzerne keiner Entsagung für gure Thateu rechte Entsagung wir die Dorstadt durchschritten, bl da-, nicht ohne vor Alterwohl gewesen, jetzt im dem Besitzer zu n it den welken Lippchei» an einem schmutzigen, mit Milch g tränkten Beutelchen sag. Mein Bruder trat an das L igrr des kranken Knaiben, untersuchte seinen/Puls, Kopf u id Leib, stellte d-nn jkinige Fragen an bas Mädchen, das n it klarer aber ge »ämbfter Stimme antwortete, und schien n it dem Zustande seinni kleinen Patienten zufrieden. Er gib der Schwester auf,!nach einer Stunde eine neue Arznei a iS der Armenap>>thett zu holen, denn, da hier Schreibn aterialien nicht zu finden waren, mußte ^r seihst nach d r Offizin gehen um da- Recept zu schreiben. Dann st >llte er sich zwisc »en den Mann und da- Mädchen, beugte si h über diese, flü kerte ihr in bas Ohe und drückte etwas kr ihre Hand. Wie h mir nachher sagte, harre er der ti euen Pflegerin 'inige Groschen gegeben, um für den n ichsten Tag etw. - Kalbfleisch zu einer Brühe für dabesorgen, mußt» aber dies heimlich der : Trunkenbold von Vater ihr bald zur Befriedigung feines Lasters verr kianke tlun Kind zu weil sonst 6 eld abnehmen u wsenden würde. ui»d redete den D fi »der sich besser eiliger Pflege und b komme." Nach einigen Minuten trat mein Bruder an den Tisch ann an: „Nun, Wolf, Euer Kind der ind ist außer Gefahr, aber es bedarf großer Ruhe, damit «S keinen Rückfall sich erst zu besinnen, um die an zu verstehen; bann antwortete er Wendelstiegen ersetzt, die wir mit Vorsicht erklommen. heiserer Stimme: „So. Große Ruh,. Kann ich ging von Stockwerk zu Stockwerk, biwir den groß«, o nn — er redttr in j seinem jüdischen Jargon, den ich hier Halbdunkeln Speicher erreicht hatten. Auch dieser war zu n (t)t wieberzugeher brauche — kann ich denn meine Rachvielen erbärmlichen Wohnungen verwendet, die durch Brerer h^a. wenn sie heute toben und rasen, wie sie es gestern Der Mann schien ihn gerichteten Worte mangelhaft von einander geschieben und durch die zerbrochenen Thüren und vielfach fehlenden Dachziegel dem Zugwinde auSgesetzt waren und den höchsten Grad Ser Dürftigkeit zeigten. Ueberall befanden sich viele Menschen in ihnen, deren Aussehen und Kleidung ihren Umgebungen entsprachen. Es mochten sich in manchen dieser Brelerverschläge mchre>e Familien zusammengenistet haben. Wir wandten uns lange hin, bis wir zum äußersten Winkel des Speichers getaugten. Mein Bruder öffnete eine Thüre, und wir standen in einem Zimmer, wenn man es so nennen will, das nicht minder als seine Nachbarn den Stempel der Dürftigkeit trug, nur daß ein klein wenig Ordnung unb Reinlichkeit mehr darin vorhanden schien. An einem alten hölzemen Tische in der Mitte saß ein Mann von wüstem Ansehn, eine leere Brantweinflasche vor sich. Sein grauenarkirtrs Gesicht zeigte «inen Anflug von Rothe und fein gläserner Blick stierte uns gleichgiltig an, wandte sich dann von uns ad unb sah wieder auf.die leere Flasche. Hier und da standen gebrechliche Schemel; an der einen W< nb desi>'^ fich ein kleiner rußiger Blechofen, um den einiges S üchenge,».. rr zur Rechten und zur Linken lag. Dies war das Ameublement des ZimmerS; aber in jedem Winkel desselbert lag »ine Sttvhfchütte, mit einem schlechten Tuch .und «iniaen Lumpen bed«kt. Sie waren leer bis auf eine, auf Welcher ich einen Knaben liegen sah, der etwas sorgfältiger eingehüllt war. Neben ihm saß aus einem Schemel ein etwa neunjähriges Mädchen, das mit der rechten Hand das Händchen des kranken Kindes hielt, mit der linken fine schlechte Korbwiege in Bewegung setzte, in welcher ein Säugling lag, der halb schlummerte, halb g-than und ehegestern, adhalken, Lärm zu machen? Sage i«h da ein Wort,! schimpfen sich mich als Maufchel aus, p ügeln mich und toben nur noch mehr, denn was ist an hn Judenkinde.' gelegen." „DaS meinte ich nicht, erwiderte mein Bruder. Ich n ill, wenn Euch Euer Kind lieb ist, daß Ihr Frieden hrlket mit Eurmi Weibe und mit Euren Kindern und nicht solche Scenen aufführet, wie ich si, bei Euch schon g sehen. Euer Kind würde erschrecken und konnte den Tod dwon haben." j „Meine Faau ist nicht zu Hause, lautete die ausn eichende Antwort. Wer weiß, wo sie herumlauft. Sie nill immer Händeln und verdienen, und wenn si« nach Haufe kommt, i bringt sie nicht« mit. Und der große ^unge, den ich in die Häuser der Juden geschickt, um n aS zu , holen ,- muß Prügel bekommen, wenn er etwas h rauSgedeq soll!" „Aber Ihr! habe schon wieder die Brantweinflasche vor Euch, und! die war heut Morgen gewiß voll. Ich labe Euch jschoni mehrere Male gesagt, daß, wenn Ihr das trinken nuh« lasset, Ihr wieder in die Krankheit vom , origen Winter? verfallet, Jh^r wißt doch, und dies Mal r >ürd« es leine Rettung geben. Ist es nicht eine Schande, laß ein Vater seine kranken Kinder verhungern und ver» s hmachten läßt! und sein» paar Groschen vertrinkt, und i ihr wollt ein Ziebudi sein? So »nvas Hab« ich bei unfern Glaubensgenosse! noch nicht gesehen. Fürchtet Ihr Euch l ena gar nicht jvor der Strafe Gottes?"