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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 38 (1864) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
38 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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— 150 — Münzen auf, vtr sein Kopf nicht'faßt, sein Herz nicht begreift und die in fein Gemürh nicht eindringen können? Wenn der Zweck unsrer Religion ist, den Menscken zu veredeln, fein ganzes Wesen von allen selbstsüchtiger Neigungen zu reinigen, ihn stets auf den Weltschöpf r und Wellrichter hinzuweistn, um aus ihm einen treue, , redlichen, gehorsamen, pflichtliebenden Menschen und Um ftthan ju erziehen; kann dieses durch das Studium der hedr rischen Bibel, d. h. deL 5 95., Moses (denn weiter bringt es die Gesammtzahl doch^riemals) bewirkt werden? — 2: ie viel Zeit. Mühe und Arbeit könnte erspart werden, wet n wir unsrer Jugend .eine Geschichte ihrer Vorfahren, eir Lehrbuch der Moral, beides gegründet auf die heil. Schrift, in einer kdr verständlichen eindringlichen Sprache in die Hände geben und das Studium der Alterthümcr den enlgen überließen, welche berufen sind, djeJugcnd zu unter i'chten. Diese Jugendlehrec mögen wetteifern, wer die ewigen Labrheilen unserer Religion reiner, bündiger zusammenb rügender und. einleuchtender vertragen.kann, denn, ich wiederhole e«, ist denn der Zweck der Erziehung ein and er, ist 'denn das Ziel einer gotteswürdigen Religion ein > ndres, als die Mengen besser, edler und;u gegenseitiger )ienstleiftung und Aufopferung geneigter zu machen? l nd ist nicht die Folg* der durchaus unzweckmäßigen Erziehung, wie sie gegenwärtig bei uns statt findet, diese: daß der zu besserer Einsicht gelangte jüdische Jüngling Jahrelang mit einer Anstrengung ohne Gleichen, kämpfen muß, die f lschen, zweideutigen, dunkeln Begriffe wieder zu vergessen, i ie ihm in-brr Jugend eingebläuet werden? — Doch ich r ergesse, daß dieser Gegenstand, so wichtig er ist, mich von ririnem Wege abfübrt, daß ich mit Ihnen und Ihren Fi runden spreche, welche sich der Gelehrsamkeit widmen, un> zwar zu dem Endzweck widmen, um dereinst als Juge, dlehrer Vorsteher von Erziehungsanstalten zu werden. Eie in dieser Hinsicht eine gründliche Aenntniß der heil. Schrift in der Ursprache njcht entbehren können, so will ick Ihnen das Wenige mittheilen, was ich selbst nur stückw« ist aus den stbr gebalrreichen Schriften deutscher Gelehrt n über diese Materien gelernet und erwogen bade. Füb t mich dieses wieder auf jene Gegenstände zurück, so sollet Ihnen meine Erinnerungen und Nachw'eisimgen nicht em tehen. Speicher, Bude und Salon. Aus dem Leben. I. Dem Beobachter fällt cs zuweilen auf, wie ein in das Leben des andern verflochten ist, ohne daß lich in irgend einer Gemeinschaft stehen; daß der den andern, auf die Gestaltung seines Lebens, Gang seiner Geschicke wiederholt einen mächtigen übt, ohne daß eS jemals von ihm beabsichtigt ES ist, wie unsre Weisen sagen, gleichsam ein alle ausgebreitet, wenn auch ein Netz, unter welch weiter Raum gewahrt ist, sich frei und selbständig wegen, das aber dennoch juiammenfübrr» was zu se 9 gefüht werden soll. Oft dann, wenn wir einen langen Mensch eigenr- 'ine auf auf den Einfluß worden, etz über em ein zu bermmea, Zeitraum unseres vergangenen Lebens überschauen, löst sich uns das Rächst!; wir sehen ein, daß es für den einen zu den Werken, für den andern zu den Prüfuncen des Lebens gehörte, und wir beugen in Demuth da» Knie vor dem Wallen der göttlichen Vorsehung. Heil dem, der in solchem Falle sagen kann: du hast gethan, wozu du berufen warst; was du genützt, ist nicht deine Sache/ Heil dem, welchem nicht die Angst das Her; zusammenschnürt: warum hast du eS unterlassen und den Sturz deines Nebenmenschen verursacht! . . . Doch verzeihe, freundlicher Leser, daß ich meiner einfachen Erzählung solche Betrachtungen voraussende. Es ist der Jugend cigenthümlich, viele Worte zu machen, um emen nur geringen Kern barzudieten; des Alkers Schwäche aber, wenn eS auch viel zu berichten hat, mancherlei Betrachtungen dabei anzristellen und so seinen langsamen Gang noch zu verzögern. Aber dem Greise erscheinen die Einzelheiten des Gebens an sich schon unwichtig, und nur. was er alS die großen Erfolge seiner Erfahrung ansiehr, berrachrer er als ein dauerndes Ergebniß. Doch beginne ich lieber. Ich war noch jung, als ich in der Universitätsstadt G. mit meinem alteren Bruder verweilte. Er studirke Medizin, während ich das Gymnasium besuchte und zugleich für die jüdisch« Theologie mich vorbereitete. Vor den Thoren der Stadt vreitete sich an der Lehne eines Berges eine Dorstadt aus, im welcher die Armuth und das Elend, oft vom Laster begleitet, ihren Wohnsitz aufbeschlagen. Die engen und krummen Gassen voll Schmutzes wurden außer von den Insassen nur wenig besucht, und von öerfScudirenden wagten sich nur die Mediziner hinein, die bei den zahllosen Siechen ihre Studien und die Anfänge ihrer Praxis machten. Mein Bruder, der mit Gewissenhaftigkeit und Liebe auf meinen Entwicklungsgang achtere, sprach einst zst mir: Der Seelsorger har eine bceifache Welt, in der er sich heimisch machen muß, um seinen Pflichten zu genügen. Er muß sich in der Region der Gebildeten und Reichen leicht bewegen können, :emi gerade diese haben nicht Nachsicht genug, ein linkisches Wesen des Geistlichen ustd Gelehrten zu übersehen, sie finden ihn getn lächerlich, abstoßend ornd ungeschickt, um seine Forderungen an sie leichter vor ihrem Gewissen adweistn zu können. Er ferner in den Hütten der Armuth wohlbewandert fein, und ich möchte das Work unsrer Weisen: „Die Dürftigen seien wie die Söhne deines Hauses", umdrehen und sagen: sei du wie ein^LZaler in den Häusern der Dürftigen. Endlich aber muß er auch eine hohe und innere Welt besitzen, kn die er immer wieder einkehce und sich zurückziehe, wo^in er immerfort zimmert und baut, immerfort gräbt rstib zu Tage fördert. Denn-darin besieht sein ganzes Uebergejwicht, daß er aus dieser innern Welt den Hohlspiegel holt, in welchem sich die Menschen, mit denen er in Berührung kommt, schauen und gewahren; sie müssen ihm stets adfühlen, daß er eine innere Welt mit sich herumlragt, erhaben' über die Handel dieser Welt, die mit ihm k!ommr und gehr, die sie nicht oder nur wenig haben und derer sie immer doch bedürfen. Nun, lieber .Bruder, ist die ersten Kreis« kann ich dich nicht führen, weil ich selbst noch 1

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