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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 37 (1864) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
37 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 ein Elternhaus — sondern auch praktisch, indem er seine eigenen Zveen durch die Thal al« möglich und wahrhaft nützlich bewies. Seine Hauptthätigkeit, sein Senken und Trachten war diesen Anstalten geweiht; mit der größten Uneigennützigkeit, Ausdauer und Liebe trug er nur ihr Wohl im Herzen. Gegen jeden stets liebevoll, klug und nach» giebiq, wo «S sein Gewiffen irgend zuließ; versöhnlich, edel, großmüthig und gut, das waren die Hauptzüge seines HerzenS. Durch alle diese Eigenschaften erwarb er sich aber auch di, Liede und die Zuneigung in allen Kreisen der Gesellschaft, wie sie selten jemand so allgemein befaß. Und diese Anerkennung ward ihm nicht allein von den Bewohnern unserer Vaterstadt, den würdigen Mitgliedern unsrer Gemeinde, sondern auch von den entferntesten Gegen» den her wurde er durch zahlreiche Beweise der Liebe verehrt. Auch vom Throne herab wurde ihm die höchste Anerkennung zu Theil, indem ihm von Sr. Maj. dem Hochs. König Friedrich Wilhelm IV. der Rothe Adlerorben IV. Klasse Allergnädigst verliehen wurde. Angesehen und beliebt bei allen, die ihn kannten, mußte seine Wirksamkeit, die bis zu den letzten Tagen seine- Lebens in gleicher Thatkraft und Rüstigkeit seinen Schöpfungen gewidmet war, eine große und segensreiche werden. Was er für bi« Anstalten gethan und geleistet, dakönnen Worte nicht schildern, es steht verzeichnet im Buche Gottes zum ewigen Gedächtniß. In den letzten Jahren seines Lebenaber war leider sein« Gesundheit durch verschiedene Krankheiten und mehrfache Schlaganfäll, sehr geschwächt. Die größt« Ruhe, soviel sein rastloser Geist sich ihr hingeben konnte, war für seine Erhaltung eine Nothwendigkeit. Doch wo es galt, selbst etwas burchzuführen, da war ihm kein Opfer, keine Mühe zu groß. So hat er noch in den letzten Tagen seine- Lebens, im Deeemder vorigen Jahre-, große 'und zahlreiche jährliche Beiträge, so beschwerlich es ihm war, gesammelt und war jedesmal hocherfreut über dafreundliche Entgegenkommen, welcheman ihm allseitig bewies. Sein« letzte Amt-Handlung war di« Berufung der Frau Ernestine Gerson ged. Cohn und der Frau Commerzien»Räthin Bleichröder zu Ehrenmüttern der Anstalt. Ewar gegen Ende be< Derembers vorigen Jahre-, als er plötzlich am Morgen in ein heftiges, laute- Weinen ausdrach, welchevon größter Beängstigung begleitet war. Ein Schlaganfall hatte ihn getroffen. Zwar schien die Sorge der treuen Gattin, die Kunst der Aerzte ihn noch einmal unzu erhalten. Doch Gott hatte r< anderbestimmt. Seine Besserung war nur eine scheinbare, noch am Sonntag vor feinem Tode unterhielt er sich mit mir über die Anstalten und war hocherfreut und beglückt, als ich ihm das große Resultat seiner Sammlungen mittheilte. „Daist," so sprach er, „der Segen Gone-, der auf dieser Anstalt ruht! Auf diesem Grunde müssen wir fort» bauen, dann wird sie groß werden." Auch am Monrag war sein Zustand Hoffnung erregend. In der Nacht von Dienstag zu Äittwoch aber traf ihn ein neuer Schlag» anfall, welcher ^hm Bewußtsein und Sprache raubte. Beibes kehrte nicht wieder. Am Freitag 7'/«Uhr den 22. Januar schied er sanft, wie er gelebt, in da- Jenseits. Die Trauer, künde von selnrm Dahinscheiden verbreitete sich von Mund zu Mund, allgemein war die Bestürzung und die Theil» nähme. Der Borstand selbst war sogleich nach dem Da» hi tscheiden seine« ersten Mitglied»- im Trauerhause, tiefer chürrert und bewegt von dem unersetzlichen Verluste, der si« alle getroffen. — Und di« Liebe, welche der Entschlafene bei seinen Ledze ten in allen Verhältnissen genossen, sie zeigte sich auch n< ch seinem Tode auf die herzlichste Weise. — Am Montag den 25. Januar fand nun die Beerdigung des Verklärten statt. Der Sarg, welcher die irdischen U derreste in sich barg, war, von blühenden Topfgewächsen umgeben, in der Gedenkhalle, dem Liebling-platze de- Da» Hingeschiedenen, iaufgestellt. Im schwarz au-geschlagrnen Äetsaale der Aqstalt fand die Todtenfeier statt, inmitten einer überaus "zahlreichen Trauerversammlung, welche von b«c Achtung, die per Verklärte genossen, einen sprechenden L eweigab. Deputationen dehochlödlichen Magistrat-, b« : Stadtverordneten, der Schuldeputation, des Vorstandes u>id der Repräsentanten der jüd. Gemeinde, des Lehrerkollegiums der jüdischen Gemeinde-Knabenschule, sie alle wnren erschienen, um Zeugniß für das thatenreiche Leben d, s Verstorbenen adzulegen. Nachdem die Waifm, die ihren zweiten Vater verloren hatten, den Einleitungsgesang aus d» Todtenfeier in tiefer Rührung vorgeuagen, sprach Herr sie. Cracauer^ welchen der Vorstand mir der Trauerrede betraut hatte, in tiefer Bewegung über den Verklärten. Halümdische Ulld rabblllisqe Sprichwörter. (Fortsetzung.) Wer andere zu guten Werken veranlaßt, har noch mehr Verdienst als derjenige, der sie selbst thut. (Weil er das (! ute nicht blos in seiner Seele, sondern auch in denen anderer nährt, und «eil er dadurch ein größere- Maß guter Werke hervorruft, als er selbst zu üben vermag.) Der Frieden ist für i die Welt, was der Sauerteig für d. n Teig'. Wer einer- Garten miether, der kann Vögel speisen; rrer mehrere zugleich mlethkt, den verzehren die Vogel. Kaue tüchtig, so wirst du es in den Fersen fühlen. (Gesunde Nahrung, stärkt den ganzen Körper.) Wen «ine Schlange gebissen, der fürchtet sich auch vor einem Strick. (Wer Gefahren bestanden, wird vorsichtig und meidet selbst kleinere, da sie größeren Schaden nach sich ziehen können.) Schlummert die Frau, stickt der Korb. (Durch die 8 iachläsfigkeit der Frau geht da- Hauzu Grunde.) Die Welt gleicht dem Rade mit den Eimern, der lzere wirb voll und der volle wird leer. Die Zeit schenkt der Fliege die Freiheit und sperrt den Zahler in den Käsig. Nimm dich in Acht, daß du nicht bei deinem eignen Worte gefaßt wirst. Er legte sein Gelb auf bas Hom eine- Hirsches. Wer seinen Becher in eine« Zuge leert, ist ein Gieriger, wer in zwei Zügen, bat Lebensart, wer in dreien,;ehört zu den Stolzen. Essig ist auch ein Sohn de- Weines. Das Schwein weidet mir zehn Jungen, und da- Lamm ^um mit einem. (Die Unedlen haben oft mehr zeitliche- «lück als bie Unschuldigen.)

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