Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 37 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
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148 Fehlt es dem Diebe an Gelegenheit.-so halt ehrlich. (Viele bleiben rechtschaffen, weil es ihn legrnheit zur Sünde fehlt.) Ein gebundener Vogel ist besser als hundert Heil dem. welcher manches stillschweigend fmnimmt; hundert Unglncksfalle werden dadurch vermieden. Geduld und Schweigen bei.einem Strei Zeichen eineedlen Gemülhes- Har der Mensch eine Sünde zwei Mal beginge«, erscheint sie ihm wie erlaubt- Wer zuviel rhur. rhut oft zu wenig. Wer sich selbst erniedrigt, den erhöhet Gorr selbst erhöhet, wird von Gott erniedrigt. (Forts, chlgt.j 'r sich für n an Erfliegende. e ist das wfr sich Aus Dem Gerichtssaal. Wien , 26. August. (Ein Ju de n fresse r- / Johann Map er. der Angeklagte, ist ein' Mensch, mit >em es die Juden total verdorben baden. Seitdem der Vater des Angeklagten sichs einfallen ließ, in ein jüdischer Betbaus einzudrechen und da eine silberne „Hand" zu stet len, welche beim Boclti'en der Tbora als „Zeiger" dient, seitdem er wegen diests Verbrechens zu viermonatlichem kerker verurtbeilr ward,- bar sein Sohn Johann einen l eschwornen Haß gegen alle Bekenner des Iudentbums. K s war am 'ib. Octooer v. I., da führte der Zufall den ' lngeklagten -mit einem Juden zusammen. Za einer Schanke in-PeccktoldSdorf traf er den Hausircc Samuel Weiß, und über diesen Mann schüttete er die volle Schale seines aaggmahrlen Grimmes aus. Zuerst fing er an, auf die Zubenschaft im allgemeinen in der brutalsten Weise zu schimpfen, bann wendete er sich an den Hausirer insbesondere und schrie einüber das anderemal: „Der Zud' muß heu e bin sein." Dem Hausirer, der in der Stube saß,' n echte wohl, wenn er die herculische Gestalt Mayer's berichtete, ganz ernstlich bange werden, er folgte also dem Zureden des Wirlhes und eilte zur Thür hinaus. Mayer > emerkle das. Er ließ fein Glas und seine Kameraden im Stiche und rann» dem Juden nach. Draußen im Vorraufe ereilt, «c ihn. Mir den beiden Fausten packte er ihn veim Genick und schleuderte ihn zu Boden, so baß de: Arme mit dem Gesichte auf die Erde fiel. Nun erst fiel er über sein Opfer her und tractirte dasselbe so lange mir {aufischlagen, bis er selber die Arme nicht mehr rühren kor oke. Dann ließ er ad und ging mit feinen Kameraden o>ch Hause. Samuel Weiß trug eine-schwere Befchäb« jung davon. Sein rechtes Auge,' das schon früher etwas lei end gewesen, verloc für eine Zeit das Sehvermögen gänzlich, und die Aerzte erklärten, es wecde die Beschädigung des rechten AugeS eine bleibende fein. . Der Präsident (LandeSgerichrscarh 4 öllinger) hält dem Beschuldigten den Gegenstand der Anklage vor und fordert ihn auf,'die Wahrheit einzugestehen. — Angetl. (die Hände in die Hüften stemmend, in sehr li utem Tone): Zo, i kann nix anders sagen, als daß i nix han Hab. — Präs.: Benehmen Sie sich anständig. — A tgekl.: Za, i wißt a kan Grund ner. — Präs.: Aber Sie wissen doch, weßhald Ihr Daker bestraft wurde. — Angekl.: Na ja; aber das gehl mi nix an. Zch hat» damals was trunken, aber ich had mir dem (auf d.n Hausirer zeigend) gar nix z'rhun g'habt. — Präs.: Sie sollen gerufen haben: „Jud verfluchter, beut schlag ich noch einen Zuden tobt!" — Angekl.: Za, mit is dos gar nil eing's'allen; i wißt nöt, warum i döS tbun sollt. — Präs.: Nun, wir werden den Zeugen vernehmen. Der Hausirer Samuel Weiß bestätigt den Thalbestand der Anklage. Er erzählt, daß er dem Angeklagten auSgewichen, daß derselbe ihn jedoch verfolgt und-mit den/ Rufe gepackt habe: „Z muß mich rachen, weil's meim Vätern auf vier Monat eing'sperrt haben." Präs, (zu dem Zeugen): Erheben Sie einen Anspruch auf ein Schmerzensgeld ( — Zeuge: Ich Hab' wol dem Dotter 6 fl. bezahlen müssen, aber ich glaube, daß der Angeklagte selbst kein Vermögen besitzt. — Präs, zum Angeklagten): Was haben Sie darauf zu bemerken? — Angekl.: Z kann nix zahlen. — Präs.: Warum nicht, wollen Sie nickt oder können Sie nicht, weil Sie nichts haben? — Angekl.: Na, weil i nix Hab.-Präf.: Sie benehmen sich sehr keck und werden dadurch Ihre Sache noch schlechter machen. — Der Angeklagte schweigt. Der Zeuge wird beeidigt. Außer ihm bestätigen noch mehrere andere Zeugen den angeführten Sachverhalt. Einer von itmen gibt an, daß Maver „schon lange auf die verflixten Juden Harb sei". Der Gerichtshof verurthellt den Angeklagten zu neunMonaten schweren, mit Fasten verschärften Kerkers. (P resse.) Ciiriosmii. Aus San Sebastian in der baskischen Provinz GuipuScoa, 15. Aug., wird telegraphirk: „Heute fand die Einweihung der Nordbahn statt. Der König traf um die Mittagsstunde ein. Nach der religiösen Feierlichkeit und der Einsegnung der Locomoüven hielt Herr Jsaac Pereire. eine Ansprache an den König. Bei dem nachher starrfindendsn Festmahle führte der König den Vorsitz. Ihm zur Rechten saßen der Minister der öffentlichen Bauten und des Handels und Hr. Emil Pereice, zur Linken der Minister beS Innern und Hc. Jfaac Pereire. Dem Könige ward-ein begeisterter Empfang zu Theil; Trinksprüche wurden während deS Festmahls nicht ausgebracht." (Also zwei Juden zu beiden Seiten des Königs von Spanien und in Spanien! Was nicht die Industrie und das Geld alles machen!) Allgemeine Zeitung des Zudeuibume. No. 36. 1*64. Znhalt: Leitende Artikel: Die Arbeiterfrage vom Freiherrn v. «erteler, Bischof von Mainz. — Au» dem Oriente. — Die Spekulation in der Wohltharigkeit. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bernburg. Preußen: Berlin, Danzig. Oestcrreichischer Kaiserstaak: Ezegedin, Aus Ungar». Italien: Rom, Ferrara, Aus Oberitalien. Türkei: Konstantinopel. Tunis: Tunis. Marokko: Aus Marokko. yr Zu beziehen durch jedeSPoftamt und jede Buchhandluug. jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Tbaler. Berav B erlag von Caamgarfnc Wörtlicher Redakteur: G. Fritzfche. ’« »n*banthinfl in Leipzig- — Dr»<t von G- Srevlin« in Leipzig.