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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 34 (1864) · p. Seite 135

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
34 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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135 wo es hinaus soll, und b,zeigt keine Lust, wie zu jener Zeit, mit dem Dqrschen im Geiste hin und her zu springen, mit einem Mal sich hinaufschnellen zu lassen auf den Thurm zu Babel, sich dort auf des rechten Fußes linker Zehe einige Mal im Schwindel umzudrehen, dann •— hast du nicht gesehn — hinunter zu plumpsen ins Haderwasser, sich wieder heranSzukraddeln uno, naß wie man ist, plötzlich mit Mosetrocken übers rvthe Meer zu gehen; dann wieder mir Adain und Eva vor ihrem Sündenfalk gemüth» . lich im° Paradi'se umherzuwandeln, um bald wieder in höchst ungemütt licher Weis, einige Zeit in Korachs Rotte zu weilen und dann noch, der Himmel weiß wo, sich herumzutreiben, um sich vielleicht zu guter Letzt aus de» König« Salömon Palaste mit Mühe hervorzuholen, was einem vor der höchsteignen Nase liegt. Ätzer es gab auch damals rechd kräftige, ausdauernde Naturen, die ein solch geistiges Turnen gern mitmachten — was dgvon herauskam. darum kümmerte sich keiner. Wer dem Luftspringer bald bei seinem ersten Sprunge nicht folgen konnte und so ohne alles Berstandniß dessen, was ihm vorgemacht wurde, blieb, sprach dann über die Leistungen des Kanzelhelden ebenso sein beifälliges: Wohl wir die Welt" aus, wie der, welcher eS verstand, mir ihm in allen Wellen und Zeiten sich umherzulummeln. — Ader — aber — rop Hab ich denn meinen dudner »Maggid gelassen i Er sterzjt die Heiligen Stufen hinab, wahrend ihm von allen Seilen ein freundliches „J'jafcher Koach", von heftigen Kopfdewegungen begleitet, zugeworfen wird, was so einen schönen Dank bedeutet, in besagtem Falle ' aber als ein donnernd Hoch angesehen werben konnte. Ehrfurchtsvoll wurde dem bedächtig dahinschreitenden Maggid Platz gemacht, und die Häupter der Gemeinde näheren sich ihm, bas ihm dargebrachte „Z'jascher Koach" durch einen freundlichen Händedruck zu bekräftigen. Wie man sich aus der heil. Schul gedrängt, wie unterwegs sich aller Orken kleine EludS gebildet, in denen die unübertreffliche Drösche (Ptedigi) mit all ihren bunten Schattirungen laut gepriesen wurde, kut^alle jene Nachgeburten vrs geistigen Genusses zu schildern, ist hier nicht unsere Sache. Wir lassen jeden ungestört sein HauS betreten, ohne uns weiter um ihn zu kümmern, und halten uns nur an den Helden des Tages, indem wir ihn mit dem Rösch hakobol, d. i. dem ersten Vorsteher, in feine Wiohnung ^begleiten. Bon diesem war er nämlich mit einer! Einladung zum Abend» essen beehrt worden. Bevor ich ihm jedoch das Essen auftragen lasse, halte ih es für die schriftstellerischste Pflicht, euch mit seinem Gastgeber ohne große Eomplimente bekannt zu machen. Sage ich euch, eS war dies ein Arendalor von echtem Schrot und Korn, so weiß ich nicht, ob ihr mich alle verstehet; darum, um jedweden zu befriedigen: unter einem Arendar oder Arendator aus guter alter Zeit, obige Epitheta nicht zu vergessen, versteht man einen Brauerei- und Brennerei-Pächter, gewöhnlich mit viel Geld, aber wenig Lebensart. Ihr werdet bald sehen, wie recht ich hatte, euch wenigstens flüchtig feine Bekanntschaft machen zu lassen, sonst würdet ihr euch nur schwer von dem Staunen erholen können, das sich euer beim Aufträgen des Abendessens bemächtigt«; denn wisset, die gedrungene, vierschrötige WrHin setzte auf den Tisch ein» mächtige Schüssel, gefüllt mikUrdäpfeln, die noch der Befreiung ihrer Ooerhaut enlgegedsahen;! ' ihr juc d. die m e lich das M. spr eue > daneben legte sie ein ungeheures — der Wahrheit die Ehre frisches Brot Intbest einem entsprechenden Napf gelber Bu rer. Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, forderte freundlicher EhegefponS den theuren Gast schmunzelnd gedeckten Tafel auf, indem er hierbei den Reiach nichoach, . den angenehmen Duft der Kartoffeln, welcher bis an Decke stieg, nicht zu preisen vergaß. „He, was int ihr. oas heißt bei uns zuLanb gelebt", füg'e er noch, zü^ich au( daS schöne Bror und die appetir- Bulter einen Blick werfend, hinzu. So einladend Gericht auch» unserem Arendator zu sein schien, der ggid zögerte doch noch einige Augenblick,. .Der kluge Wirlh wollte den Grund beS Zögerris bald darin gefundenhaten, daß der Maggid auf Waschwasser warte. Zn der naosten »Minute erschien er auch mit dem Fehlenden und ch: „Da, Rebbe, seid mauchet (verzeihj) und wascht und esst und laßt euch's wohl bekommien, und nach den > Essen, werb' Ich euch bitten, mög't ihr mir aufwarirn mi einem hübschen „gleich Wörtche" (treffend Wort — Bonmot), mit einem guten Moschei (Gleichniß), was idr seid doch drin, wie man in der ganzen Welt hört, ein gro jer Gibder (Held). Der große Maggid aber halle während beß seine erhabene Deckecstirn in Kalten gelegt und begann nun: „Lieber Betbaß (Hausherr), wißt ihr was. wir werden die Sach' verehrt nehmen, erst ipill ich euch ein Moschel verzählen, un >, hernach esse«; die Erdäpfel werden sich derweil abkühlen un> das Brot scheint auch noch zu warm — ja, 's ist «mneß (wahr), schön Brot,' schöne Erdäpfel — 's ist emmrß (wirklich) ein Leben, wie ihr sagtl wenn man Hai daheim hüt. Zch erinrier' mich noch, wie ich mit miniem Weib G^tel, olebo ^hascholaum (Friede über sie), dir zusammen gewesen und )vie ich nochmals Maggid Hab' gel adl „eine sitzende Stell'", wo ich Hab' gekriegt alle W»ch' meine fünf Gülden, und wenn fünf kleine hungrige Ki »der sind 'run^gesprungen um den Tisch, bas ist gewesen eir Leben, sagf ich, wenn mein lieb Gitel har gebracht eire Schüssel Erdäpfel auf den Tisch, ja. das ist gewesen eir Leben, a»r — ja — aber ich vergiss mich doch garz; ich Hab'! euch roch-^gewollt erzählen ein Moschel, eir' gleich Wörtche. — Nu^orchr zu. . Der Wirth nahm jetzt/auf einem gegenüderstehrnden S Hemel Platz und machte seine Ohren höegerechr, während di« kernige Wir^hin, gleich unserer Aelternmutker Sarah, in der halbgeöffneten Küchenthür sich postirte, um dem vi. lversprechendest „guten Wörtche" zu lauschen. Der Maggid begann: > Es ist mal Igewesen ein großer Nogid (reicher Mann), de hat gehabt einen einzigen Sohn, der ist schon gewesen ro, a leclmpo (heirathsfahig), und der Barer hält' ihn gern gu: unrergebracht,— wie heißt — welcher Barer will da» ni, wenn er d.Hu noch hat den einzigen Sohn. Es haben sie > gemeld't Schadchonim über Schadchonim (Heirathsve mittler), was haben ihm geschadchenr (angetragen) die urd jene, aber! keine hat ihm angestanben, an jedweder h^l. man gefunden e Eheßoren, d. h. , Febl',e Sprenkelche, bi i es har sich Imal gemeld't ein neuer Schadchen, L«r hat ge »rächt alles Gute — aber 's ist doch mal kein Mensch oh ne Hehl', memele (folglich) hat das Mäoche auch gehabt ein Fehl', und brr Schadchen ist gewesen aufrichtig und hal eS gesagt. Hat der Nogib gefrägt den Schadchen:

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