Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 34 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 A tig vervollkommnet, und dadurch lernt nicht allein dividuum. sondern das ganze Geschlecht Verstand, heit und Tugend lieben, daS Entgegengesetzte meiden durch eine elektrische Kette lheitt sich der Schlag alll jenigen mit, die sie erfassen, wenn auch nur Ein di« fähige Kugel in Reibung setzt. — Auf diese versch i Seelenvermöqea werde ich im Folgenden zurückk. Für beute leben Sie wohl. (Forts, folg«. las Jn- Zchön- Wie a den- Reister ebenen mmen. ) Noch einmal vom dubner Maggid Sou Moritz Grünselb in Schwer!en;. Ich träumte. Ein ehrwürdiger Greis stand vsr mir. Der Eindruck seiner bohcn Erscheinung war ein so mschliger, daß ich ihn noch jetzt in seiner ganzen. Glorie vor mir sebe. Der Greis war von mittleric Statur. Seine« hohen Scheitel schmückte das schönste Silderhaar, auf seiner ert abenen Stirn thronte es wie Verklärung, sein in hebrem Glanze strahlendes Antlitz war von einem langberabwallenden Sildecbarre umrahmt, aus seinem blitzenden Auge sprc ch die innerste Seligkeit. So stand er da, mich hermlrch anl« chelnd, angetban mir einem langen schwarzen Kaftan, auf dem Haupte ein sogenanntes Srcamel (Pelzmütze), wie e» noch heute bei polnischen Juden zu finden ist. Ich betrachtete ihn einige-Zeir und wagte kaum, ihn anzureden. S«n freundliches We'en jedoch half mir bald über alle Bedenklichkeit hinweg und ich fragte ihn, wer er wäre. Da lachte er Mich statt aller Antwort w«e ein alter Bekannter an, und als ich daraus noch verlegner wurde, sprach er in freundlich sanftem Tone: „Wies' — du kennst mich tvirtlich nichts — hast denn nicht von mir schon einige Stückchen in die weile Welt geschicktl. — mußt mich doch, mein' ich «— kennen s nicht ( — DaS war mir sehr pfinlich; doch um nur etwas zu sagen, stotterte ich: Bist — nicht — der.»-Ader er ließ mich zu meinem Glücke erst nicht ausstvktern, indem er sprach: Nu freilich bin ich der! dubner Maggid! — Nun wußte ich, mir wem ichs zu lhutt hatte. Ich streckte ihm bald zum herzlichen Willkommen die Hand entgegen, die er mir ebenso herzlich drückte. Ich hätte — ich gestehe reumürdig den hochfadrenden Sinn, der mich da erfaßte — für mein Leben gern gewußt, wie cS >m Ien'eir aussehe; aber er hielt mir/dei meinen Fragen mir heil. Ernst drohend den Finger entgegen, daß ich gleich ablassen mußte, und ich erfuhr weiter /ichts, alS was wir alle schon längst wissen, daß es ein Ienseir gibt. Da ich' aber doch nicht gern ganz leer a iSgehen mochte, ließ ich mich mit Leichtigkeit aus jener hohen Sphäre, *; 3n dem vor. Jahrgang b. Bl. (2. 127 fj.; beten wir bereits über diese im Munde des Bolks lebende l-elebritä einiges mitgeibeilt. Wir eracbreien e» vom Beginne an für eine eek Auf» gaben des „jüdischen PolkSblatteS", von den Sillen undiZustände» unsrer (Slanbensgenofseu aus -der Bergangenheil ich:»! wie möglich zu zeichnen und zu schildern, um io diesen, die täglich medr, »elbsi im östlichen Europa, schwioden, ein Andinkev;u schassen und sie gewiffermaßen geschichtlich zu fixiren. Ägs diesem ÄesichlSpunkte nedmen wir die folgende Schilderung gern auf, und daben recht viele Leier aebenber an dem Humor ihr Woblgefallem, so soll uns dieum io mebr freuen. Dareden ist ernst.!ebr ernstwie sollte man nicht gern «einen Freunden eine Erbeiterung gönnen! Die Redacston. in die ich mich im Uebermuth 'verstiegen, in die alltägliche niedere herab und bar ihn, ec möchre^mir doch mit einigen Stückchen aus seinem vieldewegren Leben aufwarten. Zur Erfüllung dieses Wunschezeigte er sich bald so bereitwillig, daß eS mir fast scheinen wollte, als Härte er sich zu diesem Zwecke eigens zu mir hcradgelassen. Bei seiner Erzählung vergaß ich balv wieder, daß ich es Mir einem Tobten zu rhun haue. Es .war der dubner Maggid, wie er leibte und lebte, der mir des NachlS eine Abenbunttrhallung aus seinem Leben zum Besten gab. Die Erzählung war zu Ende; der Maggid war plötzlich, ich weiß nicht wie, verschwunden, und ich erwachte. Ich bediente mich alsbald jenes Kunststückes, der, wie es heißt, so trefflichen Schutz- -mauer gegen das Vergessen der Traume, indem ich auf einige Zeit die Augen fest schloß. Habe ichs diesem Umstande oder dem so lebhaften Traume zu verdanken, mir gleich, jene Abenduruerhallunu ist meinem Gedächtnisse nicht ganz entwichen und ich will sie, wenn der geneigte Leser nicht« dagegen hat, hier gern, so gut eS auS der Feder gehl, wieverger-en: Der dubner Maggid war in der Gemcinbe N. eingetroffen, um, wie m vielen anderen Gemeinden, die er auf seiner Rundreise berührte, zu barschenen (predigen). Da ihm hier bereits sein guter Ruf vorangeeill war, so konnte eS ihm nicht schwer werden, die Erlaudniß zu einer Drösche (Predigt) zu erwirken. DaS ganze Städtchen war wach. . Keiner wollte die Drösche des großen, weltberühmten Maggids versäum.n; drum strömte olles, was nur ein echter Iüd war, in die liebe Schul (Gotteshaus). Das laute Gemurmel, das sich hier anfangs infolge der Redseligkeit der Kopf an Kopf gedrängten Anwesenden kundgcrhan, war'plötzlich wie abgeschnilten, als der große Maggid die heil. Stufen zum Uraun hakaubesch (heil. Lade) betrat. Aller Augen waren nach jener Stelle hin gewendet, von wo herab das Wort Gottes in seiner ganzen Erhabenheit tönen sollte. Die Schleußen des Scharfsinns und der Beredtfamkeil hatten sich geöffnet und das Wort des heil. Mannes riß in seinem feurigen Strome alle zur böchsten Begeisterung hin. So etwas Hütte noch niemand gehört. Ewig hätte man mit offenem Munde dastehen mögen und Essen und Trinken und Weid und Kind und alles Gute vergessen, um ihm nur zuzuhören, «venn nicht, dem Himmel fei Dank, der dubner Maggid eben auch nur ein Mensch, wenn auch ein großer, gewesen wäre und' -nach einem Vorträge, der unter Brüdern vier gute Stunden in Anspruch nahm, eS nicht für angemessen gehalten hätte, sein „Amen" zu sagen, dem ein hundertfaches Echo folgte. Will vielleicht jemand wissen, was der Maggid während der vier langen Stunden gesagt, so könnte ich ihn, wie so viele Erzählerz zu lhun pflegen, leicht mit der Redensart adspeisen: „dies mitzutheilen ist hier nicht der Platz;" aber ich habe schon von vornherein erklärt, was ich gebe, ist daare Münze. Und so gestehe ich denn eia, daß ich bewußten Inhalt selber nicht kenne; wahrscheinlich hat auch der große Maggid nicht für nöthig befunden, mir denselben mitzutheilen, vielleicht aus Rücksicht für uns alle, liebe, gute Leser, in der Befürchtung, unser Magen würde jene seltene Rede nicht verbnnen können. Man will heutzutage etwas ganz anderes, etwas leicht Faßliches, leicht Verdauliches, man will bald ohne viel Kopfzerbrechens wissen,