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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 34 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
34 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. \ Zur .ßeleQimiifl uni) Anlerhattung aus jüdischem Gebiete. HerauSgegebe» Rabbiner Dr. Ludwig Ph [Mo. 34 , 1864.] «on bidet ZeitlLrilr eddtmt wochenMch ein« fcunmer. Preis bei Jahr »an»s l Thlr. Surtfliäbrig 7 U Ngr. Alle S und Zeimngservrditionen nehmen t von li-psou in Bonn. rummee. Preis des 2»hrr< , , -> tÄÄ 9mmtt [11. iahrS- 3- Quartal.] lieber da^ Lesen Oer heiligen Schrift. Äcn David Friedländer. Zweiter Brief. Luch in btt Unbehaglichkeit, in der Sie sich befinden, erkenne ich voll! ommen den Gemüthözustand meiner Jugend. — Ich t)ibe, sagen Eie, Kennrmß der hebräischen Sprache, habe qie heil. Urkunden mir Aufmerksamkeit und Anstrengung gelesen; aber, abgerechnet das Fremdartige des Ausdrucks, das Eigenthümliche der Bilder, das Besondere der Sitten und der Gebräuche, welche sich au« dem Aller der Vorzeit und der Berschiedenheit der Eckenntnißstufe, wenn auch nicht deutlich erklären, doch ahnen lassen, welche Dunkelheiten! ^welche Schwierigkeiten! — Jeden Augenblick entwischt ngir der Faden deS Zusammenhang«, selbst in dem historischen Theil der heil. Urkunden; jeden Augenblick stoße ich auf Unregelmäßigkeiten der Rechtschreibung, und wie oft sogar auf offenbare Verstöße gegen die Regeln der Sprachlehre! Ich habe, fahren Sie fort, unsre alten Sprachforscher und Schrifrauoleger zu Rache gezogen, aber diese, mit so vielem Kob cmpfohlnc> Männer, haben mich nur hie und da und nur in Kleinigkeiten befriedigt: die Dunkelheiten sind nicht ausgehellt, die Schwierigkeiten nicht weggeräumt, die Sprachuncichtigkeiren nicht erklärt. So lauten Ihre Klagen und sie sind gerecht. — Und doch, schließen Sie endlich, sind e» heilige Urkunden, Schriften, von Männern verfaßt, welche von der Gottheit begeistert waren, Schriften, deren Einzelheiten, wo sie deutlich sind, einen unendlichen Eindruck auf Kopf und Herz -machen, und endlich sind sie von einem so gediegenen Werth, daß die, Vor- und Mitwelt sich ihnen mit Ehrfurcht und Bewunderung nahe«. — WaS ich darauf erwidere? Folgendes. und nach meiner innigsten Uederzeugung. - Sie haben vollkommen Recht, daß, wer die heil. Schriften mit Unbefangenheit studirt und seine Zweifel nicht durch Machtsprüche beschwichtigen lassen will, auch oft nicht kann, durchaus in die GemülhSstimmung gerathen muß, die Sie beschreiben: er muß an sich selbst irre werden. — Lassen Sie mich aber sogleich hinzusetzen,,»a« nicht minder meine wahrste Uederzeugung ist und keinen Widerspruch leidet, weil Sie e« durchaus als reine und volle Wahrheit anerkennen müssen. Nämlich, baß alle-, was wir Juden von Gott und seinen Eigenschaften, von Fortdauer und Bestimmung des Menschen, von Sittengesetz und Pflichten wissen, ahnen und lehren, au« diesen dunkeln, unverständlichen, verworrenen, mit Sprachunrichligkeiten gemischten Schriften gezogen ist. Biele Lausende von Jahren schöpfen vie r Tausende .von Menschen au« diesen heiligen und un »»siegenden Quellen und erschöpfen sie nicht. Alle diese Minner Gottes verwenden Scharfsinn, Gelehrsamkeit, Zeit un > Arbeit an diese Heiligthümer, und je tiefer sie schöpfen un» prüfen und läutern, je klarer und reiner und sättigender strömen die erhabensten Wahrheiten, die Menschenfreund» lict sten Gesinnungen und die höchsten Tugendlehren heran«. Auf der Oberfläche sind sie freilich nicht zu finden; und dv() sind die gottseligen Lehren, die daraus gezogen, di» Grundlage aller Religionen, welche die Menschheit beglücken. Kain da« geleugnet werdend — Ader e« ist auch ganz der Weisheit Gottes gemäß und in der Natur de« Mensch n gegründet. |<8ott hat un« mit Verstand und Der», nu ist . begabt und! vermittelst der Denkkraft daS Vermögen verliehen. Wahrheit von Unwahrheit,§ Uederzeugung von Aberglauben, Gutes von Bösem zu unterscheiden. Die P'üfimg ist unsr^ Bestimmung, ist vorzüglich die Pflicht derjenigen Mann», welche zu allen Zeiten berufen find, die Leiter deS Bol» zu werben. Sie können schon, gelriebei vom eignen Geist, sich nicht erwehren, sich dieser Arbeit zu unterziehen. Nicht zufrieden , mit desti, wa« ihre Vor, fat ren geleistet Halden, fahren sie fort, was früher« Forscher au I Mangel an Einsicht, an Erfahrung, an Aufmerksamkei übersehen od^r vernachlässiget haben, auf« neue der Pl üfimg zu unterwerfen, bi« eS ihnen gelingt, daS Gold de, Wahrheit so »in von allen Schlacken, als eden Mensch n hienieden vergönnt ist, zu Tage zu fördern. Ansehen bei Person, Anhänglichkeit un da« Hergebrachte, Furcht vo Menschen darf sie nicht hindern, mit Freimuth Und Kraft in ihren Untersuchungen fortzufahren, denn auch sie sind nach dem Ehendilde GorreS geschaffen und-die Seelenfäligkeiien find ihnen nicht umsonst von der Gottheit zw ctherlt. — Diese Seeleavermögen bestehen ader nicht all m in der Urhrilskrafr, sondern auch in dem Schön, deitSgefühl und indem Gewissen. Große, herrliche G lden! — Sind wir vermöge der ersten Gab« im Stande, da; Wahre vom Falschen zu unterscheiden, so lehrt ur« die zweite das Schöne und Häßliche, das Schickliche und Unschickliche, sowie die dritte da; Gut« und Böse, da« Löbliche und Tadelnswert he erkennen und deurlheilen. Diese Eigenschaften, w, mit alle Menschen von der Vorsehung auSgestattet sind ur d welches ihr ausgezeichneter Vorzug vor allen andern Le »endigen ist, werden durch den Willen Gotte« nach Lage, Umständen, Verhältnissen, in die feine Weisheit den einzelnen Menschen zu versetzen beliebt, auSgedikbet und mannichfal-

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