Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 32 (1864) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
32 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999388-6026669--2752-4911051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

falle gegen einandre um sich zu verdrängen. D> durch litten die Werke der Stadt und die Dorrathe wurdet^ ver» wüstet. Zwei Jahre lang wükhete, der Partukampf auf diese Weife und BeSpasiaa hütete sich wohl, die sstadt anzugreifen, die sich so »o» innen heraus verzehrte. 'End» lich war auch Peträa und Judäa gänzlich unterwarfen, DeSpasian Kaiser, TituS Feldheer, und nun rücktjk der letztere mit 80,000 der erprobtesten Krieger gegen das rinPSum eingeschloffene Jerusalem an. DaS Bild, das wir mit schwachen Zügen von den inner« Zustande« entwprfea, läßt uns über daS baldige Schicksal derselben keine Zchrifel. Jetzt erst, als TituS mir feinen ehernen Ringen die Stadt «inzeschlossea, versöhnten sich die Parteien und zogen Mannschaften auS verschiedenen Gegenden an sich. Siel ene- ' wickelten einen Heldeamurh, eine Todesverachtung! und Ausdauer im Kampfe, welche, nicht bloS für die Juden, diese Derrheidigung zu einer denkwürdigen machten.! Aber sie hatten die Römer ruhig an Jerusalem hera^kommen lassen und sich selbst, der reichsten ,HilfSchittel beraubt/ ihre Waffen mit Bürgerblut besteckt, so baß ihr heroischer Kampf die Stadt nicht mehr retten. sondern nur den Untergang ruhmvoll machen und durch den Tob ihre Vergehen sühnen konnte. Die kühnste« und glücklichsten Ausfälle brachten den Römern vielfachen Schaden und Verlust bei, verhinderten sie aber nicht, bis an die Mauern zu rücken und die BelagecungSmaschinen aufzurichten. Jetzt waren eS nicht mehr die Zeloten allein, die kämpften, sondern alle Männer der Stadt und selbst die Frauen halfen den Streitern mit Verachtung der Gefahr. Aber nach fünfzehn Tagen (am 7. Jjar 70) nahmen die Römer die äußerste Mauer, nach vier Tage« die Zwischenmauer mit der Dorstadt Lezetha. TituS, der einfah, daß die Belagerung einen langen Zeitraum dauern würde, ließ, um jeden AuSgang adznfchneiden, einen Wall um die ganze Stadt ziehen und die Umgegend in eine Einöde verwandeln. Da zeigte sich bald in der Stadt der fürchterlichste Feind, der Hunger. Legen wir einen Schleier über die Schreckensscmen, di« jetzt in Jerusalem täglich Vorgehen. Die große Menge von Menschen, diein Jerusalem eingeschlossen waren, verzehrteschnell die letzten vorhandenen Lebensmittel. Dabei wütheom di« Zeloten gegen jeden, der in ihren Augen verdächtig erschien, und die Verwandten derer, die sich heimlich au< der Stadt entfernten, büßten dies mir dem Tode. Dennoch fanden ^ßch die Derräther vor, welche die Feinde mit allem bekannt machten, was in der Stadt vocging. Am dritten TtzamuS stürzte die Mauer der Antonia zusammen, aber^chinter ihr hatten die Belagerten eine neue Mauer aufgerichtet. Ach siebzehnten ThamuS mußten die täglichen Opfer ein» gestellt werden. Jetzt beschränkte sich die Derrheidigung anf den Tempel und wurde mir einer beispiellosen Tapferkeit geführt. Endlich am zehnten Ad wurden die Belagerten bei einem neuen Ausfall geworfen, brennendes Holz fiel in den Tempel, dieser gerieth ln Brand, die Bertheibiqung hörte auf, die Römer dringen eia, auf der Brandstätte entspiaar sich eia neuer Kampf, der Tempel stürzte in den Flammen zusammen, die letzten Kämpfenden fielen. Dennoch hatte aach hiermit der Kampf noch kein Ende. Die Häupter der Juden hielten die Oberstadt noch besetzt und diese hielt noch biS zum siebenten Ellul auS. Doch auch hierhin war die Zwietracht gefolgt. Die Jtzumäer unterhandelten heimlich mit TituS; dies wurde Sntbeckt nab mir Tod and Kerker bestraft. Ab» die Römer drangen auch in die Oberstadt ein und verbrannten sie. Die Zahl derer, welche während der Belagerung in Jerusalem umgekommen, stieg biS an I Million an. Eine gleiche Anzahl war gefangen und daS Schicksal dieser war noch grausamer. (Schluß folgt.) Das officielle Judenthum in Fraukreich. Hr. L. Bluhm in Paris har einen kleinen Kalender für das Jahr 5625 herausgegeben, der außer dem eigentlichen Kalender Nachrichten über alle officiellen Einrichtungen des französischen JudenthumS bringt, aus denen wir Folgendes entnehme«. DaS Budget für 1865 beträgt 228,500 Francs (60,033 Thlr). Hiervon erhalten brr Großcabdiner des EenrralconsistoriumS 0000 Francs, der Großrabbiner von Paris 5,000 Fr., 8 Großrabbiner (zu 3,500 Fr.) 28,000 Fe., 55 Gemeinderaddinen (von 2,000 —1,000 Fr.) 63,100 Fr., 62 Vorderer (von 2,000—600 Fr.) 43,600 Fr. DaS israelitische Seminar kostet 22,000 Fr. Außerdem erhält eia Großrabbiner in Algier 5,000 Fr. und die beiden Rabbiner» in Konstantine und Oran 8,000 Fr. Endlich sind 20.000 Fr. für die israelitischen EultuSgedaube auSgesetzt. Eigenthümlich macht sich ein Tarif für die HochzertSfeierlichkeiten in - den Synagogen zu Paris. Er beginnt mit der Ertraelasse von 1,500 Fr. (400Thlr.); an diese schließen sich sechs Classen von 750,400, 200,100,50, 15 Fe. Es ist bekannt, daß hiernach sich die Feierlichkeiten abzeichnen, welche mit der Trauung verbunden sind, ob Chor mit Orchester, großer, kleiner oder gar kein Chor verwendet «erbe«, wie viel Gasflammen brennen u. f. w. Es ist bie< eia herzlich uniüdischer Unfug, der b/S äußern Scheines wegen viel« Brautpaare zu üdermäßehen Ausgaben aaeifert, vielen, die es nicht können, Beschämung und Kummer verursacht und mit dem altjüdischen Gesetze (D'5rn rwSN) in grellem Widerspruch steht. Daß die Beerdigungen, waS deren religiösen Theil betrifft, gleichfalls in sieden Elassen, von 400 bis zu 6 Fr., gerheiit sind, läßt sich voraussetzen, so wenig eS mit der Gleichförmigkeit und Einfachkeit übereinÜimmt, welche bei den Jude« Grundgesetz ist. Noch mehr. Auch die Bäder (Mikve) zerfallen in fünf Classen von 6 Fr. diS zu 60 Centimes. Nicht minder sind die Mizvolh einer genauen Tarificuag unterwarfen. DaS HerauSdeden des Sefer kostet am Jomkippur und Roschhafchanah 100 Fr., an den drei hohen Kesten 25 Fr., an einem besonbern Saddath 15 Fr., an einem gewöhnlichen 10 Fr., in der Woche 1 Fr., und hiernach die andern Mizvord z. B. 77^-n ]rr und riDJoa ]nn 30 gt. Es rst Schabe, baß die jüdische Bevölkerung von Paris nicht angegeben ist, wahrscheinlich weil man eS nicht konnte; wohingegen die der übrigen Consistorialspreagel aufgeführt ist. Doch sind diese Zahlen wobl auch nicht ganz zuverlässig, da sie hierzu zu rund sind. Nämlich der Sprengel von Kolmar 17000 Seelen, worunter Mühlbausen mir 1800; der von Nancy 8800, mir der Stadt Nancy mir 1500 Seelen; der von Lyon mit 2200; der von Slraßdurg mit 20838; der von Metz mit 8500, von denen die Gemelndr^u Metz 280u zählt; der von Bayonne mit 2200 Seelen, von denen 1320 der Gemeinde zu Bayonne angedören; der von Borbeanr mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.