Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 32 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Zur .Bßlcfjrunn unft Unterhaltung aut jüdischem Gebiete. Heraurgegeben Äon Rabbiner vr. Ludwig Philj-Psou in Äonn. flro. 32. 18<i4J *en bttler d«ti<bntt rrfAtint »MentlMft eia« Rit«U»rr. Preis bc< gahr» gange 1 Lhlr. Bienrljähng 7!< Ngr. LL« LiUhbanblnngkn, ,Poftt«rer und AdtungScxveditioaen nrhme» Brstellunge» an. I [11. IaKrg. 3. Quartal.] Der neunte Ab. Eine Mahnung zum Frieden. * Seir achtzehn^ Jahrhunderten betrauern liWSi (Forlsrtzung.) VII. 'N^vir den Tal! JerusalemsdiWSynagoge feien ihn mir Fasten und Klageliedern; zahllose Pilger vergossen Thronen auf den Trümmern des Tempels. Ader was har ihn verursacht? Alle Umstände waren günstig, um die Derkheivigung dieser letzten Beste der Freiheit und Selbständigkeit gegen die römische Tyrannei zu einem unüberwindlichen Bollwerk zu machen. Jerusalem war in einem Maße befestigt, mit dreifachen Mauern umgürtet, von hohen Thürmen venheidigt, daß es, der damaligen Belagerungskunst gegenüber, uneinnehmbar schien. Eine übermäßige Zahl der todeSmuthigsten 93«* theidiger war daselbst versammelt, die, theilS vom Feuereifer für die heilige Sache beseelt theilS wohl wissend, welches Schicksal ihrer bei den Römern harre — denn TituS ließ alle Gefangene an das Kreuz schlagen — keine Gefahr scheueren und von Todesfurcht nichts wußten. Die reichsten Vorräthe waren in Jerusalem aufgehäuft; drei reiche Israeliten hatten einen 'solchen Uederfiuß von Lebensmitteln aufgespeichert, baß die Stadt auf zehn Jahre ver» proviantirt schien. Ja selbst die äußern Umstände waren von günstigster Art. Denn zum - ersten Male hatten die Legionen in den verschiedenen Ländern außerhalb RomS einen Kaiser erwählt und Gegenkaiser ausgestellt; Nero haue sich entleibt, Galba, Orho, BirelliuS waren auf einander gefolgt und während deS jüdischen Krieges selbst hatte sich endlich DeSpasian zum Kaiser erheben lassen. Rom zeigte so zum ersten Male der Welt gegenüber die Spuren seines Verfalls. Und warum gingen dennoch alle diese Dortheile binnen fünf Monaten verloren? Weil der Dämon der Zwietracht über der Stadt schwebte und die brennenden Pechtränze nieberstreuele, welche Stadt und Menschen verzehrten. Weniger hätte der Verrath, welchen abtrünnige Söhne Juba's übten, zu schaden vermocht; nicht TiberiuS Alexander, ein adgefallener Jude, der die egyplifchen Legionen veranlaßte, DeSpasian zum Kaiser auSzurufea, der König Agrippa, der, statt Jerusalem zu vertheidigen, jüdische Soldaten gegen die heilige Stadt führt«, und JosephuS, der vergebeaS seine UederredungSkunst zur Verlockung der Kämpfer übte, aber durch feine OrlS- und Menfchenkenntaiß den Römern das Werk de« Angriffs erleichterte, sondem der stiechtdare Parteikampf, der im Inner« der Stadt gewüthet. er war eS, der nicht allein Tausenden der tüchtigsten Kämpfer in der Wukh gegen einander das Leben kostete, nicht allein ein «inmüthigeS Handeln unter einem tüchtigen Oberhaupt verhinderte, sondern auch in tiefster Verblendung die »ufgrhäuftrn Vorräthe den Flammen und der Verwüstung Preis gab, so-baß die Römer schon nach kurzer Frist einen Bu lbesgenossen in der Stadt hatten, gegen welchen auch der größte Helbenmuth vergebens ankämpfte, die HungerSnoth. Der Verrath »es JosephuS in Galiläa streuete den Saunen de- Mißtrauens zunächst aus. AuS den offenen St■ toten flüchteten die Kriegslustigen nach Jerusalem und vergrößerten die Zahl der Zeloten. In Jdumäa sammelte sich eine Aeischar von 20,000 wilden Gesellen und zogen sich nach der Hauptstadt hin. Zwischen den Zeloten und den SynhedrioN lag eine tiefe Kluft deS Argwohn-, da dieses die Zelorenanföhrer bei der Wahl der Feldherren übergangen und JosephuS und seine Genossen eingesetzt hatte. Da überfielen die Zeloten die Anhänger de- SynhedrionS und viele Perfirnen, die nicht zu ihrer Partei gehörten, unter dem Vorwand«, diese wollten die Stadt den Römern übergehen, und tödreten sie. Sie setzten einen gemeinen Priester zum Hohenpriester ein. Die Bürger von Jerusalem nahmen den Kampf gegen die Zeloten auf, drängten sie lauden Stadttheilen auf den Tempelberg zusammen un^ wollten sie zur Uebergabe zwingen. Di« Jdumäer zogen jenen zur Hilfe. In einer fürchterlichen Nacht, in welcher Donner, Sturm und Regen wütheren, drangen 1 dir jdumäer von der einen uqd die Zeloten von der anderen in die Stadt; eentspann sich ein heftiger Kampf ) die aufgehende Sonne blickte auf 8000 Leichen. Damhedrion war zersprengt und da- Blutgericht aufgeagen. An 2000 angesehener Bürger wurden von den oten und Jdumäern hingerichlet. Der Sieg trennt« Sieger abermals in Partchw» Die Zeloten und Jdumäer rangen um die Obherrschaft; jene mußten abermals ihre Zuflucht km Tempel suchen und diese^im Bunde mir be^i Bürgern, riefen Simon den Giora mit einem Anhang vo^i 40,000 Pann in die Stadt. Jetzt gab «S vier Parteien in der unglücklichen Stadt: die Zeloten von Jerusalem unter öleafar den Simon, ungefähr 3000 Mann, di» galiläischen Zeloten unter Johannes von. Gischala, 6000 Manu, die räuberischen Siearier unter Simon den Giora, 10,000, »ad die Jdumäer, 5000 Mann. Jede di fer Parteien wollte den Oderbefehl und war ebenso dedocht, gegen die andern Parteien wie gegen die Römer >si<S zu schützen. Sie setzten sich in verschiedenen Stadtrh eilen fest, verschanzten sich daselbst und machten Aus- t