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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 30 (1864) · p. Seite 119

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
30 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 in den gehörigen Boden gefallen, immer die ihnen entsprechende Frucht zur Folge haben. Zu vorstehenden Bemerkungen sind wir durch zwei der dramatischen Literatur der neuesten Zeit angehörend« , Produkte veranlaßt, mit welchen wir unlängst durch Zufall bekannt worden und von denen wir, — da ihrer jedes sich die Aufgabe gestellt har, da-Verdienst eine« wackern Juden nach Gebühr zu würdigen Und mir ihm ein gureS Princip zur Geltung zu dringen, — füglich ' nicht unterlassen können, auch dem verehrlichen Leserkreis dieser Zeitung ein Bild —. und sei es auch nur' in sehr gedrängtem Rahmen — hier vorzuführen. — Oie in Rede stehenden dramatisirten Juden wandeln beide nicht mehr auf Erden, leben aber beide noch frisch im Andenken, derer, die, entweder m i l ihnen gewesen oder nach ihnen gekommen. Wer waren sie? Meyer Anselm Rothschild in Frankfurt am Main und Salomon Oppenheimer in Wien. Jener ist von Adolph Reich, biei'.r von Alwin Langer auf die Bühne gebracht. Unser heutiges Referat f« ausschließlich dem Werke Reich'S gewidmet, während wir uns die Besprechung deLLanger'- schen Product« für unfern nächsten Bericht Vorbehalten. Adolph Reich har ein Stück in 3 Acren geschrieben, dasselbe einfach „Rothschild" betitelt und e« „Schauspiel" genannt. Mit welchem Rechte da« letztere geschehen, ist un«, wie gar manche« an dem Stücke selber, unbegreiflich geblieben. Wir wissen auch nicht, ob der Auwr sich früher schon einmal auf dem Felde der Dramaturgie versucht har. Nach allen den Mangeln zu schließen, an denen das Stück leidet, scheint dasselbe allerdings eine dramatische Ec stling sfruchl zu sein, und weil wir es eben für eine solche nehmen, darum halten wir ihm gar vieles zu Gute, was wir sonst scharf gerügt haben würden. Es ist! immer etwas Mißliches, mit Dilettanten oder Debütanten rechten zu wollen, da man in solchem Falle, man möge; es noch so gut meinen, gemeiniglich mit AlltagSphrasey, wie: „Es fällt kein Meister vom Himmel" u. dgl. barsch zurückgewicsen wirb. — Daß der Verfasser des vorliegenden Drama's ein Jude — was will daS sagen? Auch Nicht-Juden haben auf speciell jüdischem Gebiete schon manches Gute geleistet und gerade ächt Jüdisches zu Tage gefördert. ES gehört aber, leider! nicht zu den seltensten Erscheinungen, daß eben Meister und Künstler jüdischen Glaubens, — wir rechnen dazu Dichter wie Componisten, Maler wie Bildhauer, — wenn sie von ihrem Fache aufein spezifisch jüdische« Gebier geführt werden, in gar mancher Beziehung eine Willkür, —' oder sollen wir sagen: eine Ignoranz? — an den Tag legen, die ihnen sogar alS Nicht-Juden schwer zu verzeihen sein dürfte. — Wir erinnern beiläufig nur an Mosenthal, den Verfasser der vielgelodten und vielgeradelten „Deborad", und an den himmelstürmenden Monolog, in welchem er seine jüdische Heldin, neben manchen andern Reminiscenzen aus der Zeit der Kindheit, auch da« Lewanah- Einsegnungs-Gebet, bei welchem sie ehedem immer, ihrem Großvater mit dem Lämpchen geleuchtet, recapituliren läßt. Da legt er dem schwärmenden Judenmädchen Worte in den Mund, die zwar orientalisch, ja fast biblisch klingen. von denen aber in der ganzen Kidvusch- Lewanah- Ordnung von Anfang bi« Ende auch nicht die geringste Spur zu finden. — Ebenso läßt unsrr Dramaturg Reich seipea orthodoxen Rothschild am Freirag Adenl mir Formeln,- die nirgend zu finden, wie: „Gepriesei i seist du, Herr rc., der du uns den,Sadbalh gegeben!" und »gl. den Sadbath-Wein und das Sabdath-Bror zum Oenuffe weihen. — Doch gehen wir endlich zu^em vorliegenden Drama selbst über. Hauptfigur oder Träger desselben ist Meyer Anselm Rothschildder Mann, durch welchen, wie allbekannt, das große Rochschild'sche Wech elhaus in Frankfurt a. M. rc. ist begründet worden. Reich läßt diesen weltberühmt gewordenen Juden unter dem Hamen „Amschel" auftreten, gibt ihm eine Frau „Reb kkah", eineiz Sohn „Simon", eine Tochter „Esther", einen alten Diener „Schie", einen rungen ' 33«manbt«n „Zadi ", — und versieht das Srük außerdem noch mir 3 andern hervoi rügenden und etwa 6 untergeordneten F Durch Ordnung nur und Rechrlichkeit kommt vorwärts man und bringt's auü weit/ irs die Tendenz des Stückes. Die. Neschichre, worav f es dasirt, —• oder, wie man zu sagen histo guren. — sische Grundlage, —ist folgende Lhatsache: pflegt, seine Kjrfürst Wilhelm I. von Hessen, m Sommer 1806 durch politische Verhältnisse zur schleu rigen Flucht ins Ausland genorhrgl, wußte für die Rettrng und Er» hallui g seines aus einigen Millionen Gulde» bestehenden Priva cvermögen« nichts Besseres zu rhun, als dasselbe feinen damaligen Oberhofagenren Meyer Ar selm Rothschild in Frankfurt a. M. in Verwahrung zu geben. Mil t eispielloser Gewissenhaftigkeit, ja mit Auf»; ferung seines eigene, Vermögens, daS die Franzosen ihm 'ahmen, hät Rothschild bas ihm aovertraute.fremde Gur ««schützt und bewatrt und — nach eingetrelenen ruhigerri Zeiten — dassel! e in so geschickter aber auch so glücklist er Speculation lerwendel, daß dem 1813 heimkebrender Kurfürsten von >en Erbin des inzwischen (im Sept. 1812) verstorbenen Hofagenren —- außer dem Capital - - ein noch vielMl t größerer Gewlnnerrrag ausgeliefert we den konnte. Um .der solche unvergleichliche Redlichkeit nrch Gebühr ^u belohnen, Jt>at nun der Kurfürst die ga lze Summe auf nrch eine Reihe von Jahren mit sehr mäßigen Zinsen Pen Rothschilds überlassen, sie außerdem noch den andern Fürstein und Großen Deutschlands aufs wärmste empfohlen und s^> di« Macht und die Größe des Hauses begründet. Dies das Factum. Wie aber und in welcher Weise ist das elde nun von Reich ausgedeutet und verarbeitet worden? Cc läßt vor allem seinen „Amschel" nicht den Hofageptea des Kurfürsten, ja jenen von diesem nicht einmal gekannt sein. - Durch feine Diener erst wird der-Fürst auf ken alten Ainfchel als auf einen Mann der redlichsten (jksinnung und der strengsten Gewissenhaftigkeit aufmerksam gemacht und er beschließt, den Juden in den engen und schmutzigen Gassen des Ghetto selber aufzufuchen. Tief in seinen Mandel gehüllt und unter demselben eine Schal ulle tragend, — in weicher, außer 3 Millionen Gut» ben iu Wertpapieren, noch allerlei Preciosen von Diamanten u,d Perlen enthalten, — tritt der Fürst mutterseelen flllein in später Nachmittagsstunde eines Herbstfreitages den Weg ins adgesperrte Judenviertel an. das er aber, von i mem galanten Abenteuer auf dem Römerplatz« aufgehal>en, erst am Abend, als der Saddath längst angebrochen, erreicht. Und was wars, das er am Römer erlebte?

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