Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 30 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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— 118 — Trommeln, der zur Uederläudang der Kinder gemacht wurde, wenn sie schreiend auf den glühenden Armen des Götzen lagen, ist der Ort L o p h e t. genannt worden. Bon dieser gottlosen Verirrung Israel« hat auch der Berg de« Aergerniff.s feinen Namen. Lop her ist ader zugleich der Anfang de« TdaleS Hinom, Symbol der HÄUe. Als nämlich die Israeliten den Gräuel des Molochdienst!>S erkannt harren, pflegten sie, um ihren Abscheu vor dem berichtigten Thale auSzudrücken, die Leichname grober Bernrechec sowie gefallener Lhiere dahin zu werfen und zur Erstickung der bösen Dünste darin fortwährend Feuer zu unterhalten. Der Boden des ThaleS Hinom, 400 Fuß tiefer als der Gipfel des Oelberges, kann wegen der terrassenartigen Borsprünge der steilen Bergwand von öden Nicht gesehen werden, sondern der Oelberg scheint mir sesnem Fuß unmittelbar die Stadt zu berührendie über 250 Fuß tiefer als fein Gipfel liegt. Das ganze Land ist äußerst dürr und .trocken pnd die öden» unfruchtbaren Felder, wo alleS.de« Lebens beraubt scheint, mußten im Grifte, den Gedanken erwecken, daß das Thal Josaphat ein den Tobten geweideter Aufenthalt fei. In der Thal! gibt es keinen anderen Anblick, der die Seele mit w trüben Gedanken zu beschäftigen vermag, wie bas Thal Josaphat. Niemals scheint die Sonne in diese düstere Tiefei Morgens verbirgt st« sich dem Thale hinter dem Oelb!rrge und nachmittags hinter dem Moriah. Es ist da« Lhal der Schalten und der Gräber und wer über die Brücke Hehr, die dort den Kidron überbaut, wird unwillkürlich von Schauern des OccuS beschlichen. Was der italienische Dichter an der Pforre seines Hades schrieb: „Hier laß die Hoffnung hinter dir zurück", wendet er unnillkürlich auf dieses Tod.srbal an. Wer das Thal HinimS nur mit .inem,Blicke gesehen, der muß auch die K agelieder Jeremias, die Trausrlieder der Psalmen und die » Zerz.rveislungSworle Hiod« verstehen, der weiß di, Tiefe t kS Sün- . denbewußl'ein» zu erklären. Keinen Tag verm chle ich in dieseiu Tnale zu »veilen; hier werden die Ge ühle der bau.,.m Ahnung.n eentnerschwer; hier lastet die sufc wie eine eiserne Ä-.tt« und die See?e schreckt in sich .urück in diesem Thale ir> ein im Walde vom Schüsse des Jägers verwundete« Reh. Durch das Tk^rl Josaphat stießt ein in o'r Bioel mehrmals erwähnter Bach Äidrog», d.rDunkle zenannr, weil sein Wasser v.on dem Blute der täglich im Tempel geschlachteten Opferlbirre und von anderen aus dir Stadl durch Kanäle in ihn geleiteten Unreinigkeiten meistens krude war. Er entspringt an dem nördlichen l nde des TdaleS, ist ader in der Nabe der Stadt nicht r der drei Schritte breit. In den heißen Monaten versieg er fast gänzlich; jetzt findet sich nur naa) außerordellluche i Regengüssen Wasser daeln, von einem - eigentlichen B ch kann auch zür Regenzeit keine Rede sein. Da wo d«> Kidron in die Felfenwände einrritt, liegt ein Brunnen, wel her von den Arabern Bir Ejub d. i. Hiobsbcunnen genan u wird. Die Franken nennen ihn Brunnen NedemiaS, weil er angeblich derselbe ist, in welchem da« geheilig , Feuer während de« Exils verborgen gewesen sein soll, bis stehemia e« wieder auffand.') E« ist ein (ehr tiefer Brur nen von einer unregelmäßigen vierseitigen Form, mir gcoßm vier- * 2 Mattab. I. 1»—22. eckigen Slestren gemauert, er endet oben in einem Bogen an einer Seite und har da« Aussehen voir hohem Alterthum, so daß er für den Brunnen Rogel der Schrift gehören wird. Darüber befindet sich ein kleines rohe« Gebäude mit einem oder zwei großen Trögen von Steinen, welche theilwei'e zur Bequemlichkeit des Volkes gefüllt a.kalten werd.ll, denn cs wird viel Wasser in ledernen Schläuchen auf lEseln und Pferden in die Stadt geholt. Der Brunnen r^ißt 125 Fuß in der Tiefe, das Wasser ist süß, aber sticht sehr kalt. In der Regenzeit wird er ganz gefüllt unb fließt zuweilen an der Mündung über. Neben dem Brünnen stehen die Trümmer einer Moschee. Der Name Rogel wird sehr verschieden gedeutet; der jüdische Ausleger Jonathan, der zur Zeit Hcrodcs I. lebte, setzt dafür Wäscher- oder/Walkerbrunnen, weil Rogel den Fuß bedeutet unh das Waschen und Walken nsir den Fußen geschah.! Zwischen dcrl Quelle Silöah und dem Brunnen Nebemiae, etwa 1200 Schrille von der etsteren, zeigt man einen .Maulbeerbaum von hohem Aller, welcher den Ort anzeigk, wo der Drcphet Jesaia zersägt worden sein soll. Imcn auf ocr Bühne.! I. Juden auf die Buhne zu bringen ist — wie jedccman weiß — f<ion was ganz Altes; doch Juden auf der Bühne zu glorific.ren, sie als Musterbilder aufzustellen, durch ihren Munt» das lautere Wort der Wakrheir preb^en und mir diesem gegen Wahn und Vorurtheil ankämpfen zu lassen, durch ihre Acrion das Geschrei der Gegner verstummen, ja öif|> selbst von der Statte des Kampfes welchen zu machön, - auch das ist nicht mehr neu, — wenigstens feit Lefsing den „Nathan" geschrieben, nicht mehr. — Wie „auf den Brererv alterlichen Mumw und belustigen z» »oll, immer mehr Play machen, bii deit" zu verkörpe „das Rewr ( beiß Unb wer leugnet Wirkung, in welchem Leben und Bühne zu einander stehen und von ]« gejta ihr wollt; lasser immer fein sollte Belehrung, — frivole Geschmack nämlich zur Are des Sinnenkitzels wenn der große geirrt, so war es in der Well selber, so sieht man auch , welche die Well bedeuten", den mittels cnschanz, welcher zu gleicher Zeit crschrcckcn gleicher Z.il Schauder und Lachen erregen schwinden und denjenigen Erscheinungen ca berufen sind, das Princip der „Wahr- N, den hohen sittlichen Gedanken, welcher sicht- und greifbar zu rcprasenriren. - das Berhälrniß der gegenseitigen Einnden habend Machet die Brerer, wozu »e das sein, was sie ehedem gewesen und a: die Stätte der Volks-Bildung und oder drückt sie zu dem herab, was der der neuern Zeit au« ihnen geschaffen, ta der bloßen GemüthSerheiterung und — immer werdet ihr, wie aus dem Leben zu ihnen, st» wiederum von ihnen zum Leben geführt. Anders war eS n e, anders wird e^oimmec sein — und Kritiker Ludwig Börne sich jemals da, wo er gesagt: „Fällt per Vorhang, dann ist alles vorüber; denn der'Weg führt vom Leben zur Bühne, aber] nicht zurück." — Wir haben diesen Satz nie unterschwiben können, weil wir immer der Meinung waren, wi^ wir enoch sind, daß tiefe Eindrücke, — wir mögen sie erhalten, wo wir wollen, — immer nachhaltig wirken und Saatkörnern gleichen, welche,