Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 30 (1864) · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
30 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999388-6026667--2744-4911045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 Er hat hier Esther, AmschelS einzige Tochter, mit ritterlichem Mulhe aus der Gewalt eines rohen Hauf.ns befr it, von welchem sie, als „Judendirne" erkannt, hart angegriffen und mit dem Tode bedroht worden war. Der Für i hatte die 'ritterliche That verübt und war bald darauf wieder verschwunden. Er wußte nicht, wen er gerettet, i nb öü Jungfrau nicht, durch wen ste gerettet worben. — Wie war aber AmschelS Tochter am Freilag Nachmitt rg, s» kur; vor dem Antritt des -Labdarhs, auf den Rörwrplätz gekommen i — Ihre wohlthatigen Eltern hatten sie in die Stadt geschickt, um einer armen Ehristin, welche ehedem bei ihnen in Diensten gewesen und jetzt in dri ckender Noth sich befand, eine reiche Unterstützung an Ged und Lebensmitteln;u bringen. Sie kehrt nun,— Oe: Leser weiß bereits, warum — viel '"parttm das elterlich« Haus zurück, als sie daselbst erwartet worden, und kaum rat sie hur ibre Erlebnisse mitgelheill, als auch schon der-Kürst erscheint, in welchem die junge Esther ihren Leber sreltec wiedererkenntl Sie will thm zu Füßen stürzen w d den Saum seines Kleides küssen, was er natürlich nicht rulder. 1 In ihrem Herzen regt sich aber mehr als bas Gefühl der Dankbarkeit; sie liebt, lieb: mit orientalischer Älrth den Mann, der ihr bas Leben wiedergegeben. Die nächst Folge hiervon ist, daß der Eoustn Zaöik, den Esther heiralhen rollte, einen Kord bekommt, 0. 'h. von ihr abgewiesen wird. Und der Fürst k Er weiß natürlich nicht, waS in Esther v rgehr, und schließt sein Geschäft ab mit Amschel, welcher, — von den» unbegrenzlew^Vertrauen, das ein deutscher Souverain ihm schenkt, aufs tiefste gerührt, — sich schwört, bas ihm anverlcauke Gur nicht nur wie feines Auges Apfel zu hüten, sondern es dereinst, womöglich verzehnsachl, in die Hände des Eigenkhümers zurück zu erstatten. -- Uno was der Ain«'chel sich geschworen, der har's treu und redlich gehalten. Der frankfurter Pöbel rebellirle, drang ins Ghetto ein, stü.mte tie J.udenhaüfer, raubte und plünderte, — Amschel deckte inir s.injm Leibe des Fürsten Vermögen ru v mit dem heroischen Worte: „Der Weg zu diesem da kannn irudec meine Leiche führen!" Das ehrwürtige Greisenhaup! ward verschont und hierdurch daS'fürstlich^ Gut gerettet. -- Die Stadt fiel in die Hände der Franzosen und dem neuen Eommandanren kain's zu Ohren, deß des entflohene, ^Kurfürsten Gelb und Gue im Besitze AmschelS sich b fände. Amlchel wird zur Auslieferung besseli en aufgeforderr, :r8lart aber fest und entschieden, sich eher „viectheilen" zu laissen, als dem Gebote des Sradkhaupkmannl auch im enlfer uqren nur nachzugeben. — Dieselbe Standhaftigkeit und Ei tschiedenheit setzte er auch der an ihn ergangenen ähnlichen Forderung des hohen SenarS entgegen, — und alles, alle» weicht zurück vor solchem Biedemnne, beste; t von solcher Eha ^erstarke. — Endlich sind, für Franttü r wenigstens, rrhijere Zeiten eingetrelen und Rothschild fängt an, den zw Theil sein.s Schwures wahr zu machen. Er speculi 'peculirk und^eperirt mit dem Gelde d:S Kurfürsten an scher und fremd.r Börse. Esgebtgui, vortrefflich, übler!rlle meni'chlicbe Erwartung. Fortuna lächelt nicht bloS, sie s hü let ihr ganzes Füllhorn von Liede und Freu idlichkekr aufdas cha AmschelS aus. - Sein Sohn „Linon" ist imFruhj 1814 dem Rufe gefolgt, der damals dle.sünglingeDeukscl lalos v.'.i oaaa Beraiuworklicb jua'i 1 i lle n r, ieiMli?rr nt Ipt ihr zu Tausenden und Myriaden unter den Bannern des Freiheitskrieges scharte, und kämpfr auf Leipzig's Gefilden wacker mit für das, was Deutschland verloren hatte und wieder erringen wollte. — Mit dem Momente aber, welcher am Abend des 18. Oktober den Ausgang der Völkerschlacht entscheidet, reist der junge Rothschild nach London ab und eilt und fliegt mittelst Coucirpost, Relaispferde rc. so bli'tzesschnell, daß er mindestens 12 Stunden vor der amtlichen Siegesdepesche an dem Orte seiner Bestimmung anlangt. Er benutzt diese Zeit,um — gemäß den Instructionen seines Vaters — an der Börse zu operrren, und seine Operationen sind so geschickt und so glücklich, daß das Haus Rothschild ragS darauf um zwanzig und etliche Millionen reicher geworden. — Doch dieser Gewinn gehört nicht mir — spricht der alte Amschel— sondern dem Manne, mit dessen Gelbe er errungen worden, dem verbannten Kurfürsten, wenn er nur wiederkehue. — Und er kehrt wieder, —und Amschel, den der Verfasser noch immer leben laßt, ist überglücklich, gegen den, der ihm so viel vertraute, nunmehr das erfüllen zu können, waS er vor? Jahren im Herzen sich geschworen hatte. Capital und zehnfacher Gewinnertrag wandern in die Hand des Kurfürsten, von welchem Amschel nichts, gar nichts,— nicht einmal den bloßen Dank anmhmen mag. Der Souverain ist gerührt, die Judenhasser sind beschämt, der 'Name Amschel« aber ist verherrlicht. Dies die Pointe, alles Uebcige ist Nebensache. — Im „Amschel" wird nicht so stark der strenggläubige (stabst.-orthodoxe) als der streng' recht liche Jude zur Geltung gebracht. „Rebekkay" ist als jüdische Hausfrau, Gattin und Mutter ein sehr mangelhaftes Eonterfei. Eine höchst ergötzliche Figur aber ist der alte „Schie", welchem der Autor das Stichwort in den Mund gelegt: „Es kehrt alleis wieder!"'— wodurch wir immer unwillkürlich an Gutzkows Rabbi Ben Akiba (im „Uriel Acosta") erinnert werden. Jin übrigen sind wir, aus bereits angedeukelen Gründen, weit davon entfernt, an dieses Werk das Secirmesser der Kritik anzulegen und wollten nur noch bemerken, daß „Zchbit" schließlich doch noch AmschelS Eidain wird und zur Mitgift das bekommt, was er, alles'andere ausschlagend, selbst sich ausbedingr, nämlich den „Stein der Weisen" oder das Gehe imn iß von der großen Kunst, wie man reich und glücklich wird. Doch der Vergleich hinkt; denn der Stein der Weisen ssoll, wie man sagt, noch gefunden werden; jenes Geheimniß aber steht schwarz auf weiß in Amschels Tagebuch und lautet: Tnrch Ordnung nur und Rechlichkeil Kommt vönrärtS man und bringr's gar weil. Franifurl a. d. Over, 1 Juli 1804. Louis Weyl. Allgemeine Zeitung b es 2 u de ni dir m s. ’.'ic 2i>. 2 nhall: Leitende. Artikel: Tie Pl .11. — Tie jüdischen Grabsteine in der - Wochenbericht. - Zeitungsnachrichten: Deutsch!» bürg, Aus Kurhessen. Preußen: Berlin. Kaiserstaat: Wien, Hermannstadk, Mahri fei;, AnS Ungarn^ Ans Lberungarn. 2c al ieu: Aus Oberitalien. Schweiz: Eutingen. Rußland: Peiersbuxg. Marokko: Paris. Zu beziehen durch jedes Poftanu r Jährlich 2 Thaler, vierleijädrlich Tbale:. ^tacreur: G. Fritzfclj«. 17, Vtir;iü- — Druck vcn <*. j* r { 0 i .,4 in . ü.. anlaste in der Religion, rim- — Liierariicher n d:'Hamburg, Ham Oe st erreicht scher sch«Weißkirchen, MiStzrankreich: Parie ntjedeBuchbaiitlNttg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.