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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 29 (1864) · p. Seite 115

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
29 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 und Jndustriefache, aufzulösen oder auch frei vom Platze aus in geschickter, schlagfertiger Erwiderung einen „geehrten Vorredner von jener Seite des Hauses" (der Rechten) ad absurdum zu führen, bann ist er in seinem Element und was er spricht, trifft gewöhnlich den Nagel auf den Kopf. Auch den Humor schließt er dann nicht aus und ich erinnere mich noch des herzlichen Lachenin der Der» sammlung, wie er einmal, als auf di« „Kreuzzeitung" und ihre hämisches Angriffe auf einzelne Persönlichkeiten des Haufe» die Rede kam, ausrief: „Ich für mein The« werde dieser Zeitung nur dann direct entgegeulreten, wenn ich einmal da- Unglück haben sollte, von ihr gelobt zu werden," ein Urtheil, welche» das Blatt so in- Fleisch traf, daß eS drei lange Artikel darüber schrieb, natürlich wohl gespickt mit würhenden Anspielungen und Ausfällen gegen den „jüdisch »commerzienrathlichen Finanz mini» st er in spe." Zn den Commissionen entwickelt Reichen» heim stet» eine unermüdliche Thätigkeit, wie er dmn überhaupt zu den fleißigsten Mitgliedern de» Hauses gehört. So war er während der verflossenen Session zu gleicher Zen Referent der Budgetcommission zur Prüfung des SraatehaushaltseratS, Referent der Commission zur Besichtigung des Staatsschatzes, Mitglied der Commissionen für Gewerbe, Handel und Zölle, Referent der Commission" für Eisendahnanleihen, u. s. w. Der bedeutendste jedenfalls an politischem Wirksamkeit von diesen dreien, zugleich mit die hervorragendste Persönlichkeit deganzen Hauses ist das dritte jüdische Mitglied Dr. Johann Jacoby. Seine äußere Erscheinung würde in ihm .d?n Verfasser der „Vier-Fragen," den todeSmuthigen, eisernen Charakter durchaus nicht ahnen lassen. Sein langsamer Gang, die scharf ausgeprägten orientalischen GesichtSzüge und vor allem eine etwas gebeugte Haltung lassen eher alles andere vermuthen als eine so viel bewunderte politische Persönlichkeit von mehr als europäischem Rufe. Ader man darf diesen Mann nur ein einzige- Mal vor einer größeren Versammlung sprechen gehört haben, und man wird die kühnsten Thaten seiner reichen politi, schen Vergangenheit sofort erklärlich finden. Aus jedem seiner Wort« raucht der Mann hervor., der einst, als er von der Anklage gegen sich wegen Majestätsbrleibigung und Hochverrarh hörte, sofort au» den sicheren Gebieten der Schweiz, wo er sich gerade aufhielr, herbeieilte in seinen Heimarhsorr, um sich selbst ins Gefängniß zu begeben und sich einem Richterspruche zu unterwerfen, der gar sehe leicht sein To de-urtheil hätte sein können. Zacoby'» Rede ist von überaus fesselnder Kraft. Es ist bekannt, daß während der letzten Session eine lange Zelt hindurch nicht dlos in der Residenz, sondern überall im Lande eine Rede Jacobp'S das Hauptereigniß bildete, die er vor seinen berliner Wählern in einer großen öffentlichen Versammlung gehalten hatte und in der er in wuchtvoll-klaren Worten die inneren Verhältnisse unserer politischen Gegenwart klar legte. Wie die Zeitungen berichteten, war der Sturm der Begeisterung, der dieser seiner Rede folgte (der ersten politischen Rede seit 10 Zähren), ein fo gewaltiger, daß die gewöhnlichen Beifallsdezeuguagen, wie Bravo'» und Zurufe, gar nicht mehr ausreichten. Die Kopf an Kopf gedrängten, über 2,000 Zuhörer, die sämmtlich dem besonnereren berliner Bütgerstände angehörten, geriethen in einen wahren Paroxismu» der Begeisterung: man jauchzte einander zu, stieß mit den Beinen auf die Erde, warf mit nicht endew wollenden „Hoch'»" die Mützen und Hüte in die Luft und trug schließlich den Redner von der Tribüne herab auf de« eigenen Schultern dem Ausgange zu- Wnn man sich fragt, worin denn eigentlich das wahrhaft „Ueberwältigenbe" in den Reden Jacody's liegt, fo scheint mir ein Hauptmoment Folgendes zu sein: Zacoby ist in si ner Rede der verkörperte Gegensatz der „Phrase," aller je »er schönklingenden Redensarten ohne wirklichen Inhalt, mir denen das lieb« Deutschland fortwährend fo erbarm» rgslos überschwemmt wirb. Kein Wort zu wenig sagen, lber auch nie eins zu viel, mit unerschrockenem. Muth i>tn Tharsache« auf den Grund gehen und vor allem ft r das rechte Ding auch den rechten Namen haben, das (yth die Zaudermittel, di, jene Wirkung zu Stande dringey und die wir in fast jeder Rede Zacoby'» wiederfinden. Hierzu komm» «och ein volltönendes, eindringenbes Orgaii and eine wunderbare Klarheit und Gedrungenheit :n der Satzbildung und der logischen Schlußfolgerung, die in dem Zuhörer sofort die zwingende Ueberzeugung erweckt: da» muZ wahr, damuß'richtig feint Leopold Jacob y." . Bekrnntlich ist Dr. Johann Zacoby wegen dieser Rede angekla« t worden und hat ihn am 2. Juli der Gerichtshof erster Instanz zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Redaction. Bilder aus dem Oriente. Bor Jsaac I. Rofenmeyer in S. A Ujtzely. VIII. Weitere Ausflüge in der Nähe Jerusalems. Gleich hinter dem großen jüdischen Begräbnißplatze stiegen r>ir in südöstlicher Richtung «in wenig aufwärts und standen bald vor den Gräbern der Propheten. Wenn schon ein Verweilen auf einem gewöhnlichen Friedhof« in uns da» Gefühl der Schwäche und der Vergänglichkeit vach ruft, da» längste Menschenleben uns da zum Äugend icke zusammeaschrumpft, unS bann nicht» groß erschein! alS die Ewigkeit des künftigen Dasein», wie viel m§chrig!r treten dies« Gefühl« hervor, wenn man an Orten wandelt, wo die Großen und Geehrten der Erde ruhen. Wer ir der Welt war größer alS die jüdischen Propheten, wer fiel >t erhabener, edler, würdiger da als diese, und doch auch sie runde, gewölbe traf das.8oo» des Zeitlichen. Indessen ihr Name ist geblieben und eS lebt kein Gebildete? auf dem Erdender sie nicht kennt, sie nicht verehrt. Das Grabder Propheten wird schon von Josephus in seinen Nachrichten von der Belagerung durch Titus erwähnt. * Er nennt es, jedenfalls seiner eigenthümlichen Construction daS Taubenhaus, ein Name, der sich noch jetzt rechtftrligt. Die Grabaischen find darin nämlich wie die Höhlen! in einem Taubenhaus« angebracht, sie bilden in zwei 9»ihea, deren «ine über der andren, einen Halbkreis. Jede einzelne Rische ist enge und läuft horizontal in die Felswand. Das Ganze ist ein unterirdischer, im Kerne Kalkftlsens auSgehöhlter Bau. Die größeren und kleinere« Gemächer, die nach verschiedenen Richtungen weit in die F >lfea hineiagehe», machen daraus ein wahres Labyrinth.

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