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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 28 (1864) · p. Seite 111

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
28 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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dustrie ihre« Lande« ihre Ueberlegenheit. Bei Hunderten von Artikeln trifft der weibliche Geschmack da« Richtig, und Schöne besser al« der männliche. Je mehr Frauen von Bildung in unfern Gewerben erfindend und «»«führend Mitarbeiten, um so leichter wird ua« die Concurrenz gemacht. Eine weiblich« Mittdätigkeit in Handel und Gewerbe ist bei un« stark im Beginnen. Borläuferinnen waren jene Schneidermamsellen, gegen die da« kühn» berliner Schneidergewerk 1830 die Fahne de« Aufruhrschwang. Viele«, wa« der Mode bient, liegt in weiblichen Händen, sogar einige neue Industrien, z. B. die der fertigen Wäsche, ruhen auf weiblicher Arbeit. Wo stab aber die Bildung«» anstalten, die da« junge Mädchen mit den Dorkenntniffea ihre« Berufe« auöstatten? Man hat Seminarien für Erzieherinnen errichtet und dadurch den Andrang zum Lehrfache noch vermehrt. Von Schulen, die den jungen Mädchen eine Au-dildung für da« praktische Leben im kaufmännischen und gewerblichen Geschäft-betriede geben, ist uns blo« eine bekannt, die Dr. Fiebig zu Ostern 1863 in Leipzig eröffnet hat. Sie wird gegenwärtig von 46 Schülerinnen im Alter von 14—30 Jahren besucht. Wöchentlich werden 17 Stunden ertheilt, alle nachmittag«, so daß die Schülerinnen den Vormittag für häusliche Arbeiten frei haben. Oie Unterricht-gegenstände sind englische und französische Sprache und Grammatik, deutsche Corrrspondenz, Schönschreiben, französische Correspondenz, Lectüre und Converfation, kaufmännische« Rechnen, Buchführung, Hauswirthschaftslehre, Geschichte und Geographie, Recht«- künde und Zeichnen. Wie der Direktor in seinem für den neuen Cursus auSgegedenen Programm (A. Wiendrack) erklärt, verfolgt er den Zweck, „neue Arbeitskräfte für da« öffentliche Wohl zu erwecken, für die Töchter der mittleren Stände Berufsweg« anzubahnen, auf welchen sie zu einem ehrenvollen und angemessenen Erwerbe gelangen, und dadurch den Wohlstand der Familien, denen sie angehören, in sittlicher wie in materieller Beziehung* zu^tzefördem." Wer wollte verkennen, daß da« richtig« Mittel zu diesem Zwecke gewählt ist. Hoffentlich dient da« anderen Städten zur Aufmunterung und wie erhalten nach und nach auch für das weibliche Geschlecht eine Reihe von Fortbildungs- Anstalten. — So weit jener Artikel. Schon in früheren Schriften haben wir wiederholt aufmerksam gemacht, baß ein Hauptgebrechen unserer Schulinstirutionen noch ist, daß die Vorbereitung für da« wirkliche Leben wenlg in ihnen berücksichtigt wird und eine solche Kluft zwischen Schule und Leben besteht, daß in der Regel bald nach dem Verlassen der Schule das darin Getriebene aufgegeben und allmählich vergessen wird, da« Leben aber nun erst seine Forderungen an Dorunterricht stellt. Das Schulleben, da« doch fo viel« Jahre in Anspruch nimmt, hat daher noch lange nicht die Wirkung, die man erwarten könnt,. Lesefrüchte von Julius Philippso». Gleich Cäsar war auch Napoleon bemüht, die Juden für sich zu gewinnen, ihre Stellung in seinem Reiche civilisatorifch zu benutzen. Thier« har die« au« Judenhaß ganz übergangen, während die neuerlichst heraulgegedne Correspcnbenz Napoleon« 1. (XIII, 681—685) einen Ein, blick in die Ansichten und Absichten'de« Kaiser« gewährt. Nazoleon begriff vermöge seine« Herrscherinstinct« die Wichtig!eir religiöser Institutionen für die Erziehung de« Bolk« i nd die Erhaltung de« inaern Frieden«.. Deshalb war er geneigt, die Geistlichen aller Grade auszuzeichnen und zu belohnen, besonder« wenn sie sich seinem Systeme anschlosirn, und bei seiner unermeßlichen Arbeitskraft folgte er allen Bewegungen auf religiösem Gebiete mir gespanntem Blicke. Au« Napoleon« Erlaß vom 23. August 1806 an den Ministe! de« Innern Champagny gebt hervor, welch lebhaften Antheil er an den Verhandlungen der auf seine Veranlassung in Pari« zusammeagetretnen Versammlung jüdischer Notadeln nahm. Er hatte die Absicht, au« dieser Versamnlung, in die auch devrsche, italienische, portugiesische Israeliten ausgenommen werden sollten, unter dem Namen „Sanhedrin" eine gewissermaßtn gesetzgebende Versammlung für da« gefammte Judenthum zu bilden, di« über di^ religiösen und moralischen Zustände ihrer Glaubensgenossen zu Rarhe gezogen werden sollte. Er hoffte, daß die Entscheidungen de« Sanhedrin auck bei den polnischen und orientalischen Juden Beachtung finden und den Bestimmungen de« Talmud gleichgestellt werben würben. Ohne Zweifel schwebte Napoleon dabei auch der^Zweck vor, dii schroffen Unterschiebe zwischen Juden und Christen, die so! nanche Uebelstände mit sich führen, zu mildem und allmähl ch ganz auSzulöschen. Ader auch da« politisch« Interesse i and ihm hierbei vielleicht noch höheres!« der sittliche Zixck, und darum erreichte er nur zum Theil, wa« er rooll te. Da e« fast überall Jubey. gibt und sie durch ihre H> ndelSverbindungen und Reichthümer eine» großen Einfluß auSüden, so wollt« er sie daran gewöhnen^ wo sie auch w rren, ihr« Blicke nach Pari« zu richten, von woher ihnen r ie civilisatorifch«» und emancipatorischen Ideen kommen sollen. Di« Macht und Bedeutung Frankreich«, und da nie seine eigene, wäre auch in dieser Richtung vermehrt vorden. Besonder« suchte er die Ehe-Bündnisse zwischen Juden und Christen zu degünstigm, drang aber nicht dc mit durch, gesetzlich feststellen zu wollen: daß unlsr 3 von Juden geschlossenen Eben immer eine gemischte sein folJ te. Di« Reform de« Judenthum« beschäftigte ihn so sehr, daß er selbst während de« Kriege« gegen Preußen von Po en au« am 20. November 1806 ein« umständliche Jnstruc ion, den Sanhedrin betreffend, an den Minister Champcgny erließ. Jü, Trauer Tochter ihm Momeß meine« ein Po Himmel di« E Wald Ti«, Eine Betrachtung. gst besuchte ich einen Freund, um ihn in seiner zu tröstm. Es war ein Vater, der seine einzige begraben. Al« ich Worte der Besänftigung zu ach, erwiderte er unter anterm: „Oer schrecklichste t für mich war, al« ich mich von dem Sterbelager Kinde« erhob und an da« Fmster trat — da lag adle« vor mir, die Sonne leuchtet« vom blauen hernieder, zahllose Blüthen und Blumen bedeckten der Blick schweifte über die grüpe Flur und den zu den sanften LergeShöhen dinüder, Lerchen, Nach-

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