Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 28 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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110 Wenn auch von dem Tode der Königin Salome ab der Parteikampf zwischen Pharisäern und Sadducaern erlosch, indem die letzteren allmählich sich den-, ersteren fügen lernten, wenn auch für die nächste Zeit ein anderes Moment die verderblichsten Folgen für den jüdischen Staat deüeitete, so kann man doch das letztere alS eine Erbschaft ' jenes religiösen Sectenkampfes betrachten, weil die hinsterbende, Sadducaerpartei die Waffen dazu lieferte. Alexander und Salome hatten zwei Söhne, Hyrkan und Aristodul^ jener! sollte die Doppelkrene des Königs und Hohenpriesters erben, der letztere war von Ehrgeiz entflammt. Die Hasnrvnäer - hatten Juda gerettet, sie waren es, die es ins Verderben; stürzten. Kaum hattedie Königin die Augen geschloffen, - alS Acistodul die Fahne der Empörung gegen seinen Bruder erhob. Ihm lieferten die Sadducaerhaupler di« von ihnen befehligten Festungen aus und stießen mit ihre» Anhängern zu seinem Heere. Bei Jericho fand eine Schlacht starr; Hyrtan verlor sie und es kam im Tempel zu einem 1 beschworenen Bündniß, nach welchem Aristodul die Krone, Hyrkan die Hohepciestermütze tragen sollte. Acistodul; ändert« die inneren Verhältnisse nicht und die Sadducä'ec verschwanden. Aoer der politische Bruderzwist war geboren. Hyrkan hatte einen Günstling, Anripaler, einen Jdumäec, und dieser regte den Hyrkan so lauge auf, dis er, um die königliche Würde wieder zu erhallen, zum Araberkönig Acetas floh, der mit -0,000 Mann Aristodul schlug und , Jerusalem belagerte. Damals erschien Scaurus, ein Legat des Pompejus, in Asien, und nun wandten sich die Heiden; feindlichen Brüder an -den Römer, um ihren Streit emscheiden zu lassen. Aristodul leistete an Geschenken das Meiste und der Römer befahl dem Araberkönig von Jerusalem abzuziehen. Unrerdeß aber war Pompejus selbst in Syrien erschienen- und mit römischer Unverschämtheit for- , drrte er oie beiden Brüder auf, persönlich vor feinem Rich- - tersiuhl zu erscheinen Dir beiden jüdischen Fürsten »nrerj warfen sich dieser Demülhigung; aber auch das Volk j selbst ' trat als eine dritte Partei auf und, müde der Hasmvnäer! und ihrer Streitigkeiten, verlangte seine alte repubticakische Verfassung wieder, Pompejus aber wollte von allen dreien jüdischen Parteien nichts wissen, sondern Judäa unter.die , römische Botmäßigkeit dringen. ^Aristodul erkanntedies; zuerst und suchte dem Römer Hindernisse zu schaffen. Pom- > pejuS erklärte ihn für einen Empörer und schon wollte er aus Furcht Jerusalem dem Römer übergeben, als die Patrioten eS nicht duldeten und Jerusalem vertheidjgten. Ader die innere Spaltung legre die Bertheibigung lahm; , die Anhänger des Hyrkan verriethen und Übergabe» die; Stadl, die Patrioten zogen sich auf den Tempelberg ,ücück. j Pompejus mußte diesen regelmäßig belagern und die Ein- 1 nahm« h-tte sich sicherlich in die Lange gezogen, wen« nicht die Vertheidiger nach einer falschen Auslegung des Gesetzes .am Sahbathe Angriffe auf die Mauern nicht Zurückschlagen wollten. Nach dreimonatlicher Belagerung diachen die Römer an einem-Sabdarh.eine Bresche und drangen mordend in den Tempel ein. 12000 Juden kamqn an diesem Tage um (03). Hiermit war die Unabhängigkeit Judaa's, 100 Jahre nach ihrer Erwerbung, für immer i untergegangen. PompejuS schaffte den KönigSritel ad, gab > dem Hyrkan die Hobepriesterwürd« zurück und den Titel ' „Volksfürst" und stellt« ihn unter die Vormundschaft des Antipater, der zum Landesverweser ernannt wurde. Judäa wurde als ein besiegtes Land betrachtet, tributpflichtig, auf enge Grenzen beschrankt, und feine Festungen verloren ihre Mauern. Aristodul und seine Familie waren nach Rom gefangen gefiwrt worden. Wiederholt entflohen er und seine Söhne aus Rom, die jüdischen Patrioten schaarten sich um sie uno Aufstand nach Aufstand brachten nur um desto größere Bedrückungen und Gewaltthätigkeiren von Seiten der Römer hervor. Selbst günstige Umstände schlugen jrntec dem schroffen Parteigeist in's Gegenrheil um, so daß, alS das Heer des Erassus von den Parthern geschlagen. wurde und ein jüdisches Heer sich gegen die Römer gesammelt hatte, Hyrkan auf Seilen der letzteren stand und die hilflos gelassenen Patrioten in einer blutigen Schlacht fielen. Die Glieder des basmonaischen Hauses sanken durch Mord und Derrath, einer nach dem andern, in die mehr oder weniger -verdiente Gruft. (Forts, folgt.) Die neue Stellung oer Frauen. Das „jüd. Volksblatt" sah es immer als eine seiner Aufgaben an, auch in Bezug auf die gewerblichen Veränderungen .in der menschlichen Gesellschaft aufmerksam zu machen. Denn wer kann verkennen, daß jene auch auf die sittlichen und religiösen Zustände eine mannichfaltige Wirkung üben i Wir geben. daher hier einen Artikel, den wir jüngst in einem Zeitblatt« fanden und der um so mehr-Beachtung verdient, da gerade in zahllosen jüdischen Familien daS Bedürfniß nach einträglicher Beschäftigung der weiblichen Individuen vorhanden' ist. Es heißt da: Die Emancipation. der Frauen ist vor längerer Zeit eine der Tagesfcagen gewesen- Eine jüngere Schule dem- .scher Schriftsteller predigte sie von den Dächern und.wollte sie jählings einführen. Die Wortführer harren dabei aber an eine romantische Freiheit der Frauen gedacht, die den „ewigen Rechten des Herzens" gerechr werden sollte, und stellten Forderungen, die sich mit unseren Begriffen von Familie und Ehe nicht vertrugen. Diese Art Emancipation jsi jetzt vollständig vergessen. Inzwischen haben die Verhältnisse eine Frauen -Emanciparion anderer Art zu einer dringenden Tagesfrage gemacht. Wir Deutschen sind ein hart arbeitendes industrielles Volk geworden; wir müssen uns sehö zusammenraffen, wenn wir mit dem Gewerbfleiß der übrigen Völker wetteifern wollen, und haben außerdem Steuern zu entrichten und den Heeren unsere kräftigsten jungen Männer zu stellen. Dadurch ist die alte Ordnung der Familie im ganzen unhaltbar geworben. Wohlhabende Familien können ihre Töchter noch im Haufe halten und ihnen eine leichte Beschäftigung mit sogenannten weiblichen Arbeiten gestatten. Die weit überwiegende Mehrzahl der'Familien de« Mittelstandes wird aber gut lhun, den jungen Mädchen eine solche Ausbildung zu geben, daß sie künftig, sei es an der Seile eines Gatten oder allein, sich selbst erhalten können. Die Industrie kann sich dieseneuen Zustandes freuen. Nicht die französischen Maler, die wohl ab und zu einmal ein Muster zeichnen, die französischen Frauen geben der In-