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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 28 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
28 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkSblntt. Zur -Melefirunq unk» Anterhaltung o tif jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. IM. 28. 1864.] Von Mein ZeitschnEl crtteist »SchenMch eite ftntmei. Preis des 2«hr» qang« > Tb>r. BierleljÄrig 7 % Rfe. Uc vuchda» butte*, Postsaner and LeiM*fsekvediuo*e* nehmet ve-emui >en an. fl 1. Jalirg. 3. Quartal.] Der neunte Ab. Eine Mahnung zum Frieden. (Fonsetzung.) II. Nein! Der Sturz Juda'-, bi« Zerstörung de-Tempel-, der Untergang und da-Sklaventhum von Millionen Juden, die Zerstreuung der Uedriggedliebenen durch alle Länder der Erde, all diese Schrecken und furchtbaren Ereignisse waren nicht die Folge einer militärischen Niederlage, einer ver, lorcnen Schlacht, einer gebrochenen Festung; sondern allein der tiefe Zwiespalt de- Volke-, der blutige Brudertampf, die völlige Zerrüttung durch den Krieg der Parteien, sie hatten jene längst vorbereitet, herbeigrführt, bewirkt. Entrollen wir vor unser» Augen nur einzelne Bilder auden voraufgegangenen Zeiten. Wir müssen leider schon weit zurückgreifen, daerste Bild entnehmen wir ungefähr hundert Jahre vor dem Anfang der gewöhnlichen Zeitrechnung, also 170 vor dem Falle Jerusalem-. Nach der kurzen Regierung de- König- und Hohenpriester- Aristobul war Alexander Jannai gefolgt. Unter seiner Regierung (105—79) kamen die beiden großen religiösen Parteien, die Pharisäer und Sadducäer, zum ersten Male zu einem blutigen Kampfe. Die Pharisäer, welche dem Grundsätze anhingen, daß daganze jüdische Leben, politische-, nationalewie private-, religiöfein, von den, Religion-vorschriften bestimmt und geregelt werden müsse und esich von aller Verbindung mit den übrigen Völkem adschließen müsse, die de-halb alle Sitten, Bräuche und Einrichtungen, welche überkommen waren, alunverbrüchlich, heilig, göttliche- Gesetz anerkannten und hieraudie Verpflichtung destrengsten Lebenzogen, hatten di« große Masse de- Volkefür sich, welche auden Makkabäerkämpfen di« Begeisterung für.die Religion und die Verachtung gegen alle- Nichtjüdische gezogen hatte. Die Sadducäer hingegen bilderen den aristokratischen Theil der Ration, waren die Feldherren und Diplomaten, wollten Verbindung und Verkehr mit den andern Völkem, hielten die üderliefertm Satzungen für nichwerbindlich, schloffen sich dagegm an die heilige Schrift mit buchstäblicher Treue an und ließen selbst die milderen Deutungen z. B. der strafrechtlichen Bestimmungen, welche die Sitte herbeigeführt hatte, nicht zu. Diese beiden Parteien rangen mit einander um den höchsten Einfluß im Staate, namentlich um die Besetzung de- Syaedrium-, dessen Gericht-barkeit ja selbst der König unterworfen war. Durch dm politischm Widerstreit bildeten sich beide Parteien nur um so schroffer in System und Leben ai -. Der König Alexander war nun dm Sadbucäern gÜ istig, hielt aber eine Zeit lang eine neutrale Stellung ein dier, im Kriege siegreich, mit einem Male alentschied« rer Gegner der Pharisäer auftrat und al- Hoher, priester a n Laudhüttenfeste aueiner silbemen Schale Wasser, anstatt auf den Altar, zu seinen Füßen goß. Daim Tempel anwesende Loli bewarf ihn mit den Ethrogim, die ein den Händen hielt, und ehätte Alexander da- Leben ge kostet, wmn er nicht seine pisibischen und rilicischen Söldner herbeigerufen, welch« 6000 Mann vom Volke nieberhieien. Alaber im nächsten Jahre Alexander von den Arabern geschlagen und sein Heer aufgeriebm worden, fanden ech--,Jahre hindurch (94—89) unaufhörlich von den Pha nsäem angeregt« Aufstände und Bürgerkrieg« statt, wobei d e surchtbarstm Metzeleien vorkamm. Endlich de- Kampfei müde, bot Alexander den Pharisäem. die Hand zum Fri den bar. Diese aber in ihrer blinden Erbittemng wiesm ie zurück und antworteten dem König«, daß die erste Beringung zu einem dauemden Frieden sein Tod sei. Noch mehr, die Pharisäer unterhandelten mit dem Syrer, könige i nd oeranlaßten diesen, mit 40,000 Mann Fußvolk und 3010 Reitem in Judäa eiozufallea. In der dluti» gm Sö lacht bei Sichem kämpften Juden gegm Juden, Grieche» gegen Griechen. Alexander wurde geschlagen und irrte flü htig im Gebirge umher. Da erhob sich da- Volk von ne» em gegen die Uedermacht der Syrer und stand Alexand r bei. Die Syrer mußten Judäa verlassen, die Pharisä r wurden geschlagen und ihre Festung eingmommm. Da brar dmarkte er wieder seinen Sieg, indem er 800 gefangme. Pi arisLer rödten ließ. Ueder 50,000 Mann hatten währen! diesesech-jährigen Bürgerkampfeihr Leben verloren, de tiefsten Wundm waren dem Volke geschlagen; errat ein solcher Zustand der Schwäche ein, daß e- Alexander nicht hindem konnte, albald darauf die Könige von Syrim und Arabim Judäa zum Schauplatz ihrer Kriege machten. Mit dem Tode de- König- (79) war der Parteihaß laicht erloschen, wmn «- auch ein Glück war, daß die Königin Salome Alexandra «ährend ihrer aeunjährigen Regentschaft Mäßigung und Ruhe aufrecht zu erhalten verstanl. Denn obfchon dem Pharisäerthume mit ganzer Seele , rgebm, litt sie doch keine Verfolgung der Sadducäer. . kie räumte der pharisäischm Partei da- Syaedrium rin uni unter ihr gelaugte dapharisäische Judeathu» al- Gesetz- »r Herrschaft. Die Pharisäer konnten indefldies nicht erreiche: i, ohne daß sie mit großer Strenge gegm alle Tftehänger der sab »vcäischm Anschauung verft'hrm und di« Häupter der Partei unter dem Schwerte de- Henkerfallm ließm.

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