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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 27 (1864) · p. Seite 107

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
27 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 AhaSver schlug dt« Hand« über den Kopf zusammen und sagte: „Geschieht mir recht! warum geh' ich zum „Schmiedel" und nicht gleich zum Schmied!" Und er ging nach — Wien, von wo die Emancipation ist au-- gegangen; und aler kam, fand er wirklich, das sie „ausgegangen" ist; di« Witterung ist dem Unternehmen günstig, alles gefroren, die Patschen kommen auf die Beine; es ist leicht, einen auf- Eizu führen, und in dieser Beziehung sind die Juden gleichberechtigt! — Der groß«, alte, müde, abgemattete AhaSver dacht« an Salomon den Weisen, der da sagte: „Alleist eitel!" auch die Emancipation! und Salomon hatte doch die Eitelkeit von Grund austudirt, denn er hatte zweitausend Weiber! An einem Abend spät kam Aha-ver zu mir, seinen Reisesack in der Hand, und sagte: „Berschußchem! AdieS! Bleibt gesund und redet mir nicht- Bösenach!" und ich sagte: „Leschem Gchamaim! im Namen Gölte-! Leb wohl, ewiger Jud' in Ewigkeit, Amen!" und er ging und ich folgte ihm von fern nach, und er ging durch die Judengaffe auf den Judenplatz, und er 91'mj zu Jantschky hinein und ich hört« ihn fragen: „Ist kan Rerour-Kutsch' da nach Jerusalem?" _ Eine Rede des Herrn Cremieux. Ain 31. Mal hielt die Alliance israälite universelle in Parieine Generalversammlung, in welcher der Vorsitzende, der berühmte Advocat Adolf Cremieur, Mitglied der früheren französischen Deputirtenkammer und Mitglied und Justizminister der provisorischen Regierung 1848, eine Red« hielt, auS der wir den bedeutenderen Theil in wortgetreuer Uederfetzung hier wiedergeden. Nachdem er von den kleinen, aber stets wachsenden Erfolgen der Alliance gebrochen, fährt ec fort: Wohlan, meine Herren, dieser schwache Anfang unsere- Verein-, aber di« Voraussicht großer Entwickelung bringt mir eine herrliche Erinnerung in di« Seele, di« ich Ihnen andeuten will. Diese Erinnerung ist der bescheidene Anfang de- Volke- Israel und fein wundersame- Wachs» thum! (Beifall). In der Thal, was war diese Familie Israel, alsie au- Egypten zog? Ein Verein von mißhandelten, verachteten, mit Füßen getretenen Sklaven. Dawaren die Abkömmling« Joseph'- geworden,'welcher Egypten verherrlichte und rettete; sein Name selbst war vergeffen, die Söhne seiner Söhne waren auf die letzte Spross« der. socialen Leiter herab gesunken. Männer, Frauen, Kinder, Greise, alle zusammen waren höchsten- 600,000 an der Zahl.') Sech-Hunderttausend, al- Millionen Men, schen die Oberfläche der Erde bedeckten! Aber richten wir unsre Blick«'auf diese Erde. Alle ihre Bewohner waren dem Heidenthume, dem schrecklichsten Aberglauben, dem Cultuder Götzen, dem Cultualler Gegenstände, welche sie umgaben, überliefert; nicht allein an die Sonne, an den Mond, an die Sterne, an die Wolken richteten sich ihre albernen Gebete; die Verehrung dieser majestätische« Gestirn« de- Himmel-, von wo die Wärme, da- Licht, » •) Die» ist ein Jrrthum de» berühmten Redner». S» waren 600,000 Männer über 20 Jahre» wie die Schrift 2 Mos. 13, 87. und 4 Mos. 1, 3. berichret, also ungefähr 3'/, Millionen Seelen. Die Redactioo. die Frucht arkeit kommen, kann man begreifen; aber seht in Egypte>> selbst, wo soviel Wissenschaft glänzte, findet ihr di« Beehrung vom Stiere Apian bizu den Pflanzen der Eärten. Uebrigen-, wafür Gottheiten! Den sinnlichen Verführungen bot die Religion für jedes Vergnügen «Iren Gott, für jede Ausschweifung eine Göttin; der adelst lubkfchen Furcht stellte sie einen Moloch hin, um ihm r lenschliche Hekatomben darzudringen^ Sehet ihr in diesem Tohu.Bohu von schändlichen Gottheiten, die ihrerseits ihre unzähligen Anhänger erniedrigen, dakleine Volk, weis ezitternd und erschreckt entflieht? Einige Sandkörner in »er unendlichen Püste (Beifall). Israel ist es, Israel, wllchesich überdie ganze Fläche der Erde verbreiten w>rd. Wie viele Nationen werden hieniede« verschwinden, vernichtet durch andere Nationen, die ihrerseitwieder verschwinden werdenI Wie viel« Religionen werden untergehea ersetzt durch andere Religionen, die ihrerseits wieder unr ergehen werden! Israel wird nie aufhörea, biesekleine Dok; da« ist die Größe Gotte-! Die Religion Israelrv!rd nicht untergehen: diese Religion ist die Einheit Gotte»! (Anhaltender Beifall). Ja, nein« Herren, die herrlichste aller Offenbarungen, diejenige, vor welcher sowohl die Götzenbilder de- Heiden» thumS wi auch die unzähligen Götter, die die Menschen geschaffen haben, fallen werden; die Offenbarung, welche durch die Jahrhunderte hindurch sich über die ganze Erde verdreiten wird, dajüdische Volk empfing sie wie «in heilige- Pfand, und alebesiegt, in Sklaverei getrieben, de^ Verfolgungen überliefert war, floh rvon Land zu Land, rin Asyl suchend, ttug edi« Religion der Einigkeit Gotte», eine fruchtbare Au-saat, mit sich in die entferntesten, unbekanntesten Gegenden. Welch' Martyrium, aber auch welche Mission! Die Einigkeit Gotte-! Dawaren die ersten Worte! Gottlose Verfolgungen von achtzehn Jah> Hunderten, konntet ihr die Kinder Israelvernichten? Nein, nein; trotz der Torturen, ttotz der Scheiterhaufen, l aden sie sich vermehrt, ihr« hohe Bestimmung erfüllend (Beifall). Niemals waren fie zahlreicher. „Wissen Sie," sagte zu mir 1831 unser Abbe Gregoir«, dieser würdige Priester, der zuerst di« Worte de- Wohlwollens und der Hebe für die Juden ertöne« ließ, „wissen Sie, daß unseie statistischen Tabellen feststellen, daß e« sechs Millionen Juden gibt? Sech-Millionen! Niemals haben Ire diese ^ahl erreicht, selbst als sie eine blühende Nation waren, in den schönsten Felten ihrer Geschichte." Nun wohl, ja, überall erniedrigt, überall verfolgt, lebten ,di« finden inmitten der Beleidigungen; die Hinrichtungen d'«mitten sie vergeblich, sie erstanden auihrer Asche, Unleidliche auf dieser vergänglichen Erde: und alles' die-, «eil sie nur Einen Gott hatten, weil auf ihrer Fahne stetdie ei haben«« Worte standen: Höre, Israel, der Ewige, dein Gott, der Ewige ist einzig! (Der heftigste Beifall unterbricht den Redner). Aber, meine Herren, welche Erhabenheit liegt auch in dem Wote und welche Majestät in dem Gedanken Gottes, welcher sich selbst offenbart«, vor dem Angesicht feines Volkes offenbarte! Höret diesen göttlichen Ausspruch; lasset mich ihn zuerst Euch in der heiligen Ursprache verkünden: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich herausgeführt aus dem Lande Egypten; Ich Hab« deine Sklaverei abgeschafft; t

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