Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 27 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
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106 und — plünbetten! Nein, sie plünderten nicht, sie untersuchten nur baSJudenthum inwendig; die Franzosen haben in Rom fleißig die Schrift gelesen, und da fanden sie, was Paulus gerade an „die Römer" schrieb: „Das ist nicht eia Zude, der» auswendig ein Jude ist, sondern daS ist ein Jude, der inwendig ein Jude ist." Die Franzosen sagten: „Das Geld ist das, was inwendig ein Jude ist"! und gegen dieses „innlendige Judenthum" zogen die Söhne der waterlooer Flüchtlinge zu Feld, und dieses „bare inwendige Judenthum" wollten die Franzosen emancipirien, demselben Grund und Boten in ihren eig'nen Taschen anweisen und dieses „inwendige Judenthum" .mit sich einführen in die Welt und damit die Schulden sühnen, welche ein Theil der Menschheit inclusive Franzosen an einen Ldeil der Menschheit inclusive Gläubiger haben! Als di, Franzosen auS dem Ghetto zogen, sangen sie „Oie Marseillaise der Judenplünderüng," eine neue Cpmposition von der „großen Schlafhaube," Neffe des „kleinen Hutes," in Bajonette gesetzt vom General- Kapellmeister Rostolan, und erecutirt von der berühmten Banda der Weltpurisirer!!! Als man auch Ahasver den inwendigen Juden ausgezogen härte, ließ man seinem auswärtigen Juden einen .Passirschein ausfertigen, und er ging, ein Japherder seinen Vater sucht, weiter, um die „Emanciparion" zu finden. In Rmn, dachte ec sich, kann vielleicht die Eman» eipation deshalb nicht in'S Leben treten, weil sie brr Papst — „v er-liehen" hat, — aber ich finde sie schon noch! Und ec ging von Rom über bas mittelländische Elend und di« Nordweh, durch die kanonischen Ad-prutzen geradezu nach dem Athen, welches da liegt in tiefem Schlummer an dkm Ufer der Isar,' über welche da führt eine Brücke vom Salvatorbier in der Au zum Fortschritte in der Stadt und wieder zurück. — AhaSver ging gerade nach München, allwo die Aufgeklärtesten des Landes, mit Ausnahme „Rulands", beisammen waren, um zu debattiren, ob die Juden in-Baiern künftig als „Menschen und Baiern" oder blos als „Juden" existirrn sollen. Ahasver ging auf die Tribüne zur Behandlung ünd ergötzte sich namentlich an den carilinarischen Reden de» Abgeordneten „Sepp," welcher sich über die „M ä r z«r r u n - genschafren der Emancipation wunderte," und von dem Grafen Hengenberg ebenso geistreich als wahr sagte: „Wen bas wundert, der müsse seit 1819 geschlafen oder-studirt haben!" Endlich ging die Emanciparion durch, und wer weiß, wie weit sie ducchg,gangen wäre, wenn nicht eia Amendement sie noch zur rechten Zeit emgeholt und sie den „Gemeinden" ausgeliefert hätte, allwo sie zur weitern Haft und Voruntersuchung, bei Entziehung der freien L»ft, so lange sitzen soll, bis ihr S e dem ent ganz aufgeriebea ist und ihre Ansäßig-machung aus natürlichen Gründen nicht stattfinden kann! Ahasver war wieder um eine Emanciparion ärmer und um einen Passirschein reicher.. Der gut« Ahasver ging nun von Baiern nach Tirol: „In den Bergen," „wo die Freiheit wohnt," da wird doch die „Emancipation" auch wohnen dürfen," sagte er zu sich selbst, und reiste nach Innsbruck. Da war die Emaaciparion in voller Blüte! Ader man wartete noch, ßis Professor Philipps mir dem Felleisen von GörrfS ankömmt, welcher die Freiheit herunter holen sollte vom „Stilfer- Joch" und die Emancipation aufpflanzen auf der Marti ns wand als dem einzigen Ort, an welchem sich di« Juden ansäßlg machen dürfen! Bis dahin aber erhielt der gute Ahasver einen Fleißzettel zur Abreise und er ging und sang: „Da oben auf der Höh' Steht an Philipps und an Lkeh, Und wann i die seh', Thut mir 's Herzerl so weh!" Von da begab sich der Emanciparionssucher gerade nach Steiermark; da, sagte er sich selbst, da werden sie sogleich die Emancipation in Kraft gefetzt haben, denn die Steirer wissen, daß „man da- Eisen schmieden muß, weil es warm ist." Er kam nach dem schönen Grätz, oder, nach Hammer, im E-losen Zustande „Gcatz", und gefesselt von den Naturschönheiten wollte er sich für immer da niederemancipiren. Allein eS stiegen große Bedenken auf! Ahasver ist ein Jude! Und das dazu ein ewiger, der nie stirbt! Man kann ihn nicht einmal erschlagen! Als Jude zieht er, wie ein Magnet Eisen, den „Handel" an sich, den „Wandel" hat er ohnehin schon! Als Jude würde er vielleicht bald sein besonderes Augenmerk auf die „steirischen Kapaunen" werfen und den Verkehr mit diesem Artikel ganz an sich ziehen! Der Jude würde am Ende die auserlesensten Gemeinde-Kapaunen alS Monopol an sich ziehen und unfern Frauen und Köchinnen blieben die magern und dürren Exemplare! AhaSver fiel als „Opfer der Küchenkabale" und erhielt ein Konsilium ab-judendi, worauf er durch Ungarn nach Preßdurg reiste. Auf dem Wege sollte er zweitausend Sekel baar bezahlen als solidarisch für die ofner und pesther Juden, und nur nachdem er sich auswies, daß er die ganze Zeit über an den Weiden Babylons saß und das alte Trauerlieb der Israeliten sang: „O mein lieber Augustin, das Geld ist hin!" entkam ec glücklich nach Preßdurg, wo er die Emancipation um so sicherer zu finden hoffte, als die Juden allda schon ankicipando geplündert wurden und an ihrer guten Gesinnung also nicht langer gezweifelt werden konnte. Ahasver wollte in „die Sonne" einkehren, allein da man seinen Bart sah, verwehrte man ihm ein Nachtquartier! Er ging fort und dachte an den Spruch: „Nichts Neues unter der Sonne!" Er wollte in der „Geistgasse" ein Privat-Quartier nehmen, da sagte der Hausherr: „Ein Jud' darf hier nicht wohnen!" — „Wai g,schrien," rief Ahasver aus, „wenn das in der „Geistgasse" passirt, kann ich mir denken, wie es erst in den andern Gassen aussieht! Auwai! Den Juden eine Gasse!" Er ging beim Wödritzer Thor« in die Jubengasse, wo ^die Emancipation wieder zu verkaufen ist unter altem Eisen ausia „Berge!" und im „Edelhof" und wo die Juden zerfallen in zweierlei Juden, in Juden, die an Schaddes, und in Juden, die den Schabbes ver, kaufen; und AhaSver fragte die Juden: „Wo wohnt da die Emancipatisn?" und eine schnippig« Rachel antwortete: „Die Emancipation? Dl« wohnt gar nicht, bei Tag geht sie in die Brüche und bei Nacht fetzt sie sich als Trut auf die Brust der Christenstadt."