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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 27 (1864) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
27 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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1 108 Du sollst keine andern Götter haben vor meinem An- Dieses ist daS jüdische Volk, dieses ist jen^ Religion in diesen drei Worten deS Ewigen: ,Lch Hab« dich herausgeführt aus dem Lande Egypten ich habe dich einer Nation gemacht. „Ich habe deine Sklaverei abgeschafft;" ich > bade dich zum Menschen gemacht, ich mache dich frei. Die Erlösung aus der Knechtschaft! , Der Sklave frei gemacht! Die Sklaverei ldurch den Mund Gottes abgeschafft! Welche Lehre für die Menschen! Ach, verzeiht mir, verzeiht mir eine Erinnerung qoll unendlicher Freude, voll reinen und ungetrübten TlÜchrs: eines Tages ist es mir vergönnt gewesen, ja mir, dem Sohne Israels, mir, dem Mitglied« der provisorischen Regierung, diese heilige Vorschrift zu erfüllen; ich habe die! Sklaverei abgeschafft! (Ein donnernder Beifall ertönt, d^r Redner halt einige Minuten inne, während derer der Befall fortdauert, dann beginnt er wieder): > „Du sollst keinen andern Gott vor meinem Angesichte haben." 's Also, Gott allein, Gott einzig! Nationalität, Abschaffung der Sklaverei, Einigkeit GotteS: alles ist da. Viertausend Jahre nach dem Tage, an dem diese drei Worte auf dem Berge Sinai verkündet wurden^ läßt sich bas Streben des Jahrhunderts, in welchem wir leben, noch in die drei Worte zusammenfassen: Naiionasität, Ab, schaffung der Sklaverei, Einigkeit GotteS . . .' . (Neuer und heftiger Beifall). lknd was für ein Gesetz ist das Gesetz vom Sinai! Blätüerl in allen heidnischen Gesetzgebungen, bei allen Völkern der Welt, bei den größten: den Griechen, den Römern; nichtist so schön wie die Zehn Wor e: „Du sollst nicht tödten, du sollst nicht stehlen, du s'llst nicht ehebrechen, du sollst keinen falschen Eid leisten." Einfache Verkündigungen, welche der Schutz für das Üeben des Menschen, sein Vermögen, den Frieden seine- Hauses, die Reinheit seine- Gewissenfind. ' Und diese herrliche Moral: „Du sollst «jch( begehren das Weib deines Nächsten, noch seinen Knecht, stoch seine Magd, noch seinen Ochsen, noch seinen Esel, noch alles wadeine- Nächsten ist." Und diese rührende, diese hinreißende Ermahnung: „Ehre deinen Vater und deine Mutter/' Die Belohnung folgt unmittelbar darauf: „damit du lange auf cheser Erbe lebest." Und eist wahr, derjenige, der seinen Vater und seine Mutter ehrt, findet in diesem süßen Gefühle ein süße- Dasein, ein Dasein, dasich im Glücke rerlängert. Und wie befolgen wir diese Vorschrift! In allm Zeiten har man die Eintracht in den jüdischen Familien als Vorbild angeführt. Wie könnte es auch anders sin? Di, Natur dictirt unS diese schöne Eintracht, und Gdtt befiehlt sie uns. (Anhaltender Beifall). < Das ist bas Gesetz, welches einst das Gesetz des Weltallsein wirb. Alle geoffenbarten Religionen Ihabea es entlehnt von diesem kleinen Volke, das in einer > Winkel Asiens verborgen war. Die Bibel ist überall; i( re Moral wird die Moral aller civilisirten Völker. Die jüdische; Religion ist die Mutter der Religionen, welche die Eivilisatioa verbreiten. Und jemehr die Philosophie den menschlichen Geist emancipirt, desto mehr verschwindet auch der; religiöse Widerwille gegen dajüdische Volk. Man frägt sich, warum diese gottlose Verfolgung? Wie es Ihnen soeben in einer rührenden Sprache ein würdiger protestantischer Pastor, Herr Petavel, gesagt hat, wirft man sich diesen jahrhundertlangen Haß, der soviel unschuldiges Blut vergossen hat, als Verbrechen vor; man erkennt, daß alle Religionen, die sich vor der Einigkeit Gottes beugen, aus dem Schoße der mosaischen Religion entsprungen sind; man fühlt eine tiefe Trauer dem schwindenden Zorne folgen. Ach, so kann man in der Finsterniß eine entweihende Hand gegen sein« Mutter erheben, aber wenn das Licht chereinbricht, erwacht die Reue. (Anhaltender Beifall). Aber was für ein Volk nahm diesehimmlische Licht als Führer an? Der schwächste, der geringste Theil de« Menschengeschlechts. Wie -viele Millionen Menschen beten noch die Götter, welche ihre Hände erschufen, an, wie viele Millionen Menschen huldigen noch dem absurdesten Aberglauben! Wohlan, meine Herren, fahren wir in unsrer glorreichen Mission fort! Schreiten wir fest und entschlossen auf dem Wege fort, der uns vorgezeichnet ist!" Rationalistische Exegese*) von Heinrich Heine. Nicht von Raden, nein mit Raben Wurde EliaS ernähret — Also ohne Wunder haben Wir die Stelle uns erkläret: Ja, anstatt gebralner Tauben, Gab man ihm gedram« Raben, Wie wir deren selbst mir Glauben Zu Berlin gespeiset haben. *) Diese kleine Satyre auf die Kunststücke, durch welche die Nationalisten die in der Schrift erzählten Wunder erklären wollen, war bis jetzt unzedruckl und findet sich zuerst in der 1863 erschienenen neuen GeiammtauSgabe. Curiosnm. In Würzdurg wurde dieser Tage ein Rabbinats- Candidat zum Donor der Philosophie promovirt. Der Decan der Facultät verkündete die Ernennung: Im Namen der heiligen Dreifaltigkeit! K. Z. Allgemeine Zeitung de« Judentbums No. 26. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Die individuelle Freiheit. (Schluß.) — Die Sobotniki. — Literarischer Wochenbericht. — 7. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bad Homburg, Augsburg. Preußen: Bonn, Berlin, Berlin, Krefeld. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Frankreich: Paris. Italien: Aus Oberitalien. Dänemark: Kopenhagen. — SP Zu beziehen durch jede-Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler. Berank»»' " sicher Redaereur: G. Kritzsche. Vertag von « a » « » i * t ■ c r’’l yachsaadUlv, i».2nrzi,- - Druck vv° S. »rrv'i-i, rn l'c'i'SI.

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