Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 27 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und rinteehaltung aus jüdischem Hebl'ete. Heraudgegebea von Rabbiner Di*. Ludwig Phili-Psov in Bonn. I^No. 27. 1864.] Von dieser ZritlLrist erfActat «SAmUtch eine 9htmmtrJ Preil de« Jahr. ,avg« I Tblr. Biertetjähng 7 R,r. >Ue B»chh»»di»»-e», Ptt»L»rer und Ae«t»»-«er»editr»,r» nehmen vesteaunAr» an. 1. Aslirg. 3. Etzuurtsl.^ Der emauzipirte Ahasver. Zn diesen Tagen fiel «ns ein altes Journalblatt in die Hände, nämlich Nr. 310 des „Humoristen" von Saphir vom 28. Decemder 1840. Dieselbe enthält einen satirischen Aufsatz unter obiger Uederschrift, den unsere Leser noch heute gern lesen werben. Denn obgleich nicht zu übersehen ist, daß derselbe 1840 geschrieben ist, so hat er doch im allgemeinen feine Anwendung noch heute. Sckad«, daß der alte Wanderer nicht einen Abstecher noch etwanördlicher gemacht hat, er hätte auch da einige Beobachtungen machen können. Der Aufsatz lauter: Aha-ver, der ewige Jude, welcher ewig durch tzi« Welt handelt, — wandelt wollt' ich sagen, — und sich nirgend zur Ruhe setzen kann, nicht einmal im englischen Parlament, Ahasver war eben auf einem kleinen Au-fluge von Abpf» sinien über Lippe-Detmold nach Jerusalem, da ereilte ihn gerade am Delta des Nils di« Nachricht von der „Juden- Emancipation." Die Nachricht kam auf einem Kameele in der Wiener Zeitung in die Wüste und ging nach Da« mascus, um den Gemeinderath daselbst davon in Kenntniß zu setzen. Ahasver glaubte der Nachricht und dem Kameele, ohne zu bedenken, welch« Höcker beide noch haben, und machte sich auf, um der Emancipation in den Rachen zu laufen. Man sieht, daß der Satz: „Erfahrung macht klug,^ nicht wahr ist! Ahasver war doch alt genug und hatte viel Erfahrung, und doch glaubt er an eine „Zeitung", an ein „Kameel" und an «ine „Emancipation!" Da sieht man, das viele Reisen macht auch den Men« schen nicht gescheidt! Die Revolution z. B. hat schon einige Male die Reife um die Welt gemacht und ist so dumm geblieben, wie sie immer war! — Also auch der alte Ahasver war überzeugt: die „Emancipation sei eine Wahrheit"! Er sah im Geiste schon den prager Tandelmarkt annulllrt und die Bewohner der Karpeles- und Beleles-Gaffe" als böhmische Landstände; er sah auf dem Stephan-Platze eine Apotheke von „Zzig Lebel" zum „heiligen Geist" und ein EinkehrwirthshauS von 8ckwu!e ekeipert zur „Dreifaltigkeit," er sah all« eleganten Läden auf dem Traben und Kohlmarkt von feinen Emancipativns-Waaren strotzen und die tobten Juden auf dem Matzleinsdorfer Kirchhof mit den tobten Christen in Eintracht leben. Er sah Leopold Fsldmann als „Dramaturg des Hofthearers" und nichts auffkhren als „Nathan der Weilfe" — „der Jude" — „Ghylok" u. s. w., er sah Dseperbeer als ,^berst-Musikgraf," er sah Bertholb Auerbach als Präsident der Akademie der Wissenschaften," er sah H. Heine als „xronä wsitre de plaisir der deutschen Einheit," er sah BörneS Lüste nebe» Luther in der Walhalla; er fah „Gabriel Rießer" als „Rector magnificus der wiener Universität;" er fah den Rothschild in London als Lord von Woltsack;,r sah Foulb in Paris als „Präsident der alierneue.sten Republik mir und ohne Coupons;" er sah den wiener Rothschilds- „außerordentlichen Finanzminister mit Finanzen auf Wattegeld;" er sah den Wunder-Rabbi „Srolche von Zadagora" als „Red Cardinal" in Rom u. s. w. Kurz, der gute, alterschwache Ahasver glaubte, der Messias könne aryh ohne Esel kommen, und er sei gekommen in Gestalt deä ewiges» Menschenrechtes, und er beschloß, der Emancipation entgegen zu gehen, ihr fein „Salem aleikem“ zu bieten, sie ivon Angesicht zu Angesicht zu betrachten und bei ihrem Anblick denselben Segen zu beten, den er bei jeder" königlichen Erscheinung ausruft: „Gelobt ist der Herr, der von seiner Herrlichkeit mitcheilt an Fleisch und Blut!" $ Zu allererst ging Ahasver nach Rom, nach dieser Station zwischen Erd' und Himmel, wo die Pässe nach dem Hlnmel visirt «erden; nach Rom, diesem Eentrum zwischen dem linkerr Himmel und der rechten Hölle, und zwar tut allda zuerst die Glorie btt Emancipation zu bewunden» nach Rom, wo kio novo sich den apostolischen Stuhl elbst vor die Thüre setzte, dtt, als e^mit seinem heiligen Pantoffel den ganzen Stiefel „Italien" auf die Sohle» brnchtr, als kio oooo noch nicht ahnte, daß er später von vielen seiner Ideen sagen wird: „No! no!" Also nach Rom ging der guoe Ahasver zuerst! Wie frtute er sich, seine Glaubensge«offen im Dariran mit der Cardinälen Hand in Hand wandeln zu sehen; — er kam, und wie wurde er überrascht, als er gleich bei feinem Eintritte in den „Ghetto" einemaacipirt wurde! Er fchike: „Aber sind wir denn nicht emanclpitt?" Da zaust« ihn jemand an dem Bart, es war einer von der Blüte »er europäischen Eivilisation und Freiheit, „Franzosens genannt! Und als Ahasver im Ghetto zu Rom saß und sich wenigstens da sicher glaubte, kamen dl« „L a m - penartzünder der Freiheit und Eivilisation," genannt „Franzosen," sie kamen „Ammer langsam voran. Unter den Helden von Rostolan," i