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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 26 (1864) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
26 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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ihm bei den Verhältnissen, wie sie in Galizien dermalen faktisch bestehen, in seinem Fortkommen hinderlich zu fein, ganz abgesehen davon, daß der Titel „VerrLther" an sich auch eine Beschimpfung ist. AlS MarcuS Goldberg dieses Unheil vemabm, meldete er dagegen sofort die Berufung an. Diamant ließ ihn gewähren. Zwei Tage darauf fand sich der letz« tece jedoch wieder vor dem Richter ein und erklärte, daß er nun, nachdem er mit dem Ober,Rabbiner Rücksprache gepflogen,, die Klage zurückziehen wolle. Der Richter bedeutete ihm, daß dteS nicht mehr möglich fei. Halleluja*) von Heinrich Heine. Am Himmel Sonn' und Mond und Stern', Sie zeugen von der Macht de- Herrn; Und schaut de- Frommen Aug' nach oben, Den Schöpfer wird er preisen, loben. Ich brauche nicht so hoch zu gaffen, Auf Erden schon find ich genug Kunstwerke, welche Gott erschaffen. Die würdig der Bewunderung. Ja, lieben Leute, erdenwärt- Senkt sich descheidentlich mein Blick Und findet hier da- Meisterstück Der Schopftmg: unser Menschenherz. Wie herrlich auch der Sonne Pracht, Wie lieblich auch in stiller Nacht Da» Mondenlicht, der Sterne Glanz, Wie strahlend der Kometenschwanz — Die Himmel-lichter allesammr, * Sir sind nur eitel Pfennig-kerzen, Vergleich ich sie mit jenem Herzen, Dain der Brust de- Menschen flammt. Daist die Welt in Miniatur, tier gibt e- Berge, Wald und Flur, iaöden auch , mit wilden Bestjen, Die oft daarme Herz beläst'gen. — Hier stürzen Bäche, rauschen Flüsse, Hier gähnen Gründe, FelSabschüsse, Diel' bunte Gärten, grüne Rasen, Wo Lämmlein oder Esel grasen. — Hier gibt'- Fontänen, welche springen,! Derweilen arme Nachtigallen, Um schönen Rosen zu gefallen. Sich an den Haldie Schwindsucht singen. Auch an Abwechslung fehlt enicht; Heut ist da- Werter warm und licht. Doch morgen schon ist'- herbstlich kalt Und nebelgrau' die Flur, der Wald. *) In der 1863 erschienenen neuen Sesammtau-gabe von Heinrich Heine'- Werken find mehrere bis jetzt noch ungedruckte Gedichte enthalten, au« welche» wir folgende« entnehme». Die Blumen, sie entlauben sich. Die Winde stürmen fürchterlich. Und endlich flockt herab der Schnee, Zu> Eierstarren Fluß und See.! ' Jetzt aber gibt es Winterspiele, Vermummt erscheinen die Gefühle, Ergeben sich dem Mummenschanz Und dem berauschten Ma-ftntanz. Freilich inmitten dftser Freuden ' |; Beschleicht sie doch geheimes Leiden, Trotz Mummenschanz und Tanzmusik, .Sie seufzen nach verlornem'Glück. — Da plötzlich krach!'-. — Erschrecke nicht! E» ist da- Ei-, ^as jetzo bricht; ' Die Rinde schwitzt, die frostig glatte, Die unser Herz umschlossen hatte. Entweichen muß, wakalt und trübe; ES kehrt zurück — o Herrlichkeit! — Der Lenz, die schöne Jahre-zeit, Geweckt vom Aauberstab der Liede! — Groß ist de- Herren Gloria, Hier unten groß, wie in der Höh, Ich singe ihm ei« Kyrie Eleison und Halleluja. Er schuf so schön, er schuf so süß Da- Menschenherz, und er blie- Hinein deeigne» Odem- Geist, De- Odem-, welcher Liebe heißt. Fort mit der Lym Griechenland-, Fort mit dem liederlichkn Tanz Der Musen, fort! in frömmern Welsen Will ich den Herrn der Schöpfung preisen. Fort mit der Heiden Musika! David'- frommer Harfenttang Begleite meinen Lodgesang! Mein Psalm ertönt: Halleluja! ■ : '• i | Koralet. Die Aeitungen meldeten jüngst, daß der Lehrer der Marhemafik bei dem kaiserlichen Prinzen von Frankreich ein Jude, Prof. Koralek sei, und zwar ein so strenger Jude, daß er am Sabbath keine Lectionea gibt. Ein Studiengenosse Koralek'- schreibt inversest. Atg.": 6t war im Jahre 1842 oder 1843, alich. damal- Mediziner, mis einem Freunde und College» B. gemeinschaftlich eine „Hoflammer" in einer entlegene» Vorstadtgaffe Wien» bewohnte. Eine- Abendtrat B, begleitet von einem jungen Manne, in die Stube; mit ben Worten: „Hier bringe ich meinm Land-maaN Koralek mir, der vortrefflich in Kiffern und Buchstaben, aber schlecht in Geldangelegenheiten rechnet. So har er eben heute feine alte Wohnung verlassen, soll eine neu« beziehen

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