Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 26 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 und . . . die Fortsetzung folgt, dis mein ehemaltzer Schulkamerad ein Quartier geftmbea, inzwischen wiri^D» mir erlauben, daß er sich bei uns eialogirt." — „ÖRit gwu* den", erwiderte ich, „ist er ausgenommen."!So ward bas dritte Mitglied unserer Kammer installirr. Letzt besah ich mir erst unfern Schützling. Er war von klckaer Figur, mit einem Hmverhälrnißmäßig großen Kopfe, ajelchea eine unverschämte Fülle buschiger Kraushaare debeckti, die, vermurhlich mit Willen des Besitzer», seit geraumer Seit die zudringlichen Eingriffe eines glättenden Kamn es zurückgewiesen hatten. Der slavische Typus war gegen den orientalischen vorwaltead, die Gesichtszüge ver^ethen Intelligenz und Gutmürhigkeit. Sein Benehmen war^ selbst uns gegenüber, schüchtern, beinahe furchtsam, d e Proviazmanieren noch in voller Blüthe. Die Kleider, die er anhatte, schienen ihr, ersten Jugendjahre nicht auf feinem Leibe verlebt zu baden. Ein invalides Ruhed tt, bas in einem Winkel de» Zimmers blos brr Symm«tr»e ^wegen geduldet wurde und gegen jede unsanfte Berufung durch Seufzen und Stöhnen prorestirte, wurde dmch Stützen zur Lagerstätte befähigt, vor^ unseren Ewerbumn» Polstern einer abgetreten, endlich der Kredit beim ruarellMü de comesübles im Hause ein wenig ausgedehnt mib Koralek, der gegenwärtige Lehrer des .^Kindes von Frankreich'*, war bei uns gar glücklich und zufrieden. Obwohl it nur wenige Wochen bei uns wohnte, hatte ich dfnnoch Gelegenheit, den eisernen Fleiß und die unermühliche Ausdauer beffelben bei einem Leben voll Entbehrungen zu bewundern. Ohne Uedertreidung ließ sich von lihms sagen, baß er Tag und Nacht arbeitete, ohne die Wor^e hindurch eine warme Speise zu genießen. Die ttvckellen Wecken vertraten di, Sucre», Fleisch- und Mehlspeisstelle.' Der Eifer und die Liebe für seine Wissenschaft bekundeten hinreichend, daß er einmal einen bedeutenden Eucceß erringen müsse. Für eine schlaflose Nacht war ihm Ersatz genug, w.mn er unv des Morgens mittheilen konnte, er habe einen neuen Beweis gefunden, es sei ihm wieder gelungen, eine Formel bedeutend zu kürzen, bann strahlte sein durch Nachtwachen ermüdetes Auge wieder, dann verklärten sich seine matten Züge von neuem. Nach einigen Wochen bekam Koralek mehrere Lektionen, deren Honorirung zur Bestreitung seiner bescheidenen Bedürfnisse hinreichte. Er verließ unser Logis und wir sahen ihn längere Zeit nicht; doch hörten wir, »aß man endlich auf ihn aufmerksam geworden. daß die.Professoren von seiner Befähigung sprachen und sein Combioationstalenr priesen. Allein immer hatte er noch mtt Nahrungssorgen zu kämpfen und mußte mit der Zeit geizen, um sich seinen Studien hingeben zu können. Endlich trat ein Wendepunkt in seinem Leben ein, eben nur durch den Erfolg feine» Talentes und feine« gleiße». Koralek fand eine Formel zur Berechnung von Logarithmen. Proben dieser Berechnung legte er vor dem Gelammtcollegium brr Professoren der Technik ab. Im Zeitraäm von 2—3 Miauten loste er jede Aufgabe richtig (die man sonst nur im Vega nachschlagen muß oder erst nach langwieriger Rechnung findet). Obwohl die Erfindung jetzt nicht mehr praktisch ist, weil Bega'» Tabellen bereits vollständig sind, mußte die geniale Erfindung dens - noch Sensation erregen, da man eine solch« Formel für! kaum denkbar hielt. Der humane Professor der Math,» l matik, Schulz, nahm sich de» genialen Mathematiker»! Koralek väterlich an, leitete eine Sammlung für Koralek nu und verfüg» sich persönlich als warmer Fürsprecher zu mehreren hiesigen Banquiers. Das Reisegeld war! bald beisammen und Koralek begab sich mir einem Empfehlungsbriefe an Arago nach Paris. Ungeachtet der ' schlechten Aussprache des Französischen, das sich Koralek i im letzten Momente nothdürftig angeeignet hatte, wurde da» unscheinbare Männchen von dem weltberühmten Ge» lehrten in Pari» freundlich ausgenommen und schon nach der ersten wissenschaftlichen Conversarion mächtig protegirt. Koralek veröffentlichte nun seine von der Akademie preisgekrönte Arbeit über die Findung der Logarithmen, welche ihm die Lehrkanzel der Mathematik am pariser Polytech» nicum — ohne Rücksicht auf seine Confession — verschafft«. Daß der Kaiser von Frankreich. der di, Lehrer für seinen Sohn und Erben gewiß nur mit großer Vorsicht und genauer Prüfung ihre» EdarakterS wählt, Koralek zum Lehrer de» Prinzen bestimmte, ist gewrß ein hoher Beweis für unseres Landsmannes Tüchtigkeit. Anekdote. Ein Christ und ein Jude gerielhen beide mit einander in Streit, ob mehr Heilige von den Juden ober von den Christen im Himmel wären. Sie wurden mit einander eins, baß ein jeder seine Heiligen besonder» herzählen und bei jedem Namen dem andern ein Haar au» dem Barle raufen sollte. Der Jude macht den Anfang. Er nennt den Abraham und rauft dem Christen «in Haar aus. Der Christ nennt den Petrus und macht es ebenso. Auf diese Weise fuhren sie eine Zeit fort. Der Christ wurde aber endlich überdrüssig, griff dem Juden an den Bart und raufte ihn mit dem Ausrufe au»: Bei der h. Ursula mit ihren 10000 Jungfrauen. (Berichtigung.) Fräulein Johanna S-, die junge Dame, über deren Proceß gegen Herrn B. wir berichteten, ersucht nachzutragen, daß da« Moralitäls-Zeugniß nicht von .ihr, sondern von ihrem Schwager überreicht,, und daß das Lager von Parendorf nicht von ihr und zwei Damen allein, sondern in Begleitung ihres Schwager» und dessen Frau besucht wurde. Allgemeine Zeitung de» JudeotdumS: Ro. 25. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Di« individuelle Freiheit. — Ter Entwurf zuf Errichtung einer Rabbinerschule tn Ungarn. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Krefeld. Preußen: Breslau, Paderborn, Aus Westfalen, Bonn, Köln, Warmbruun. Oesterreichischer Kaiserstaat: Gr-Kamzsa, Para, Krakau. Frankreich: Paris. Schweiz: Endingen. Rußland: Mltau, Von der russischen Grenze, Mitau. M3ST Za beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich h Thaler. Verantwortlicher Redactenr: S. Fritzfche. »oa »«laiiriiti'i Aa«dd«,dl»»» i» reivu» — PtuU ni #jeofi*» u Cettjij.