Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 25 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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geselligen Beziehungen eine S^tufe tiefer, so mißachtet ihn der andere Theil. Der Umgarig außerhalb seiner Gemeinde ist bei der entschiedenen Stellung, die der Rabbiner als solcher einnimmr, nur sehr beschrankt und wird ihm leicht verdacht. Doch lassen wir vieles Thema fallen; es ist gerade der delikateste Theil. I Fr.' Diese Verhältnisse find freilich sehr mißlich. R. Gewiß, und wenn nun auch der gereifte Mann über alle diese Schwierigkeiten um der Sache willen, der er lebt und die seinen ganzen Geist auSfüllt, hinwegsieht, so können Sie es doch der Zugend nicht verargen, wenn diese davor zurückschreckt. Die Anforderungen in wissen« schaftlicher Beziehung sind an den Rabbinen jetzt außerordentlich hoch gestellt. Ec soll nach allen Seiten hin gründlich wissenschaftlich unterrichtet sein und muß es sein; er soll das ganze ungeheure ralmudische und radbinische Gebiet sich angeeignel haben und muß dies haben ec soll bedeutende Rednertalenre besitzen und ist dies noch der wesentlichste und erfolgreichste Theil seines WirkenS; er soll Weltkenneniß besitzen, um nachhaltig mit den Menschen fertig zu werden und auf sie Einfluß zu üben, und dabei dennoch einen festen Charakter erweisen, denn jede Schwankung wird ihm nachgetragen; er soll sich Achtung in der nichtjüdischen Welt erwerben, und dennoch wird ihm jedes Hinausgehen in dieselbe verargt. Wenn eine so große Aufgabe dem Jüngling, wenn ei> anfängt klar zu sehen, voraussichtlich wird, was Wunder, daß er tzakor zurückschreckt | und sich eine andere Bahn erwählt. Daher auch die j sonderbare Erscheinung, Sie überaus fetten.aus dem l Munde eines Rabbinen die Zufriedenheit mit seiner Stellung j vernehmen werden, daß die meisten immer bereit sind, sich! um eine andere Stelle zu bewerben. Denn was schließlich! doch auch nicht zu übersehen ist: die bei weitem meisten : Stellen sind mit mageren Einkünften verbunden, die einer größeren Familie schwer genügen; und kann dies auch bei dem geringen Umfange der meisten Gemeinden nicht anders , sein. Was ist da wohl anlockend? I Fr. Mir allem diesem, Herr Rabbiner, haben Sie aber nur Anschuldigungen auf die Gemeinden, ober besser gesagt, auf die einmal vorhandenen Verhältnisse und Zustände in den Gemeinden ausgesprochen. Liegt aber nicht auch viel Schuld an den Rabbinett selbst? Rufen diese nicht auch den Hader in den Gemeinden selbst hervor? Uederlassen sie sich nicht oft genug hierarchischen Gelüsten, die zum Widerstande führen müssen? Zeigen sich nicht' viele allzu lässig in ihrem Amte'und thun kaum das, was ihnen nächste Pflicht ist? Ueberschätzen sich nicht viele und machen auf eine Verehrung Anspruch, welche unsre Zeit niemandem mehr einräumt? R. Sie haben vollkommen Recht. Sie würden mich auch gänzlich mißverstanden haben, wenn Sie glaubten, daß ich hiermit die Gemeinden selbst angeklagt haben wollte. Es sind Verhältnisse und Zustände, die einmal aus der Eigenthümlichkeil unsrer -Zeit hervorgegangen sind, die niemand gemacht hat^und niemand anders machen kann. Daß nun unter solchen prekären Verhältnissen nicht wenige Rabbinen nicht selten auch fehlgreifeck und persönlich jene gerügten Uebelstände theils Hervorrufen theils vermehren, wie könnte. es anders nur vorausgesetzt werden? Dafür sind wir alle Menschen und der Gereizte irrt um so leichter. Wenn ich aber billiger Weise im allgemeinen die Gemeinden an sich nicht anttage, so kann ich ebenso wenig im allgemeinen hie Rabbinen beschuldigen, und wen« einzelne Gemeinden sich besonders durch Zerwürfnisse und unangenehme Vorgänge Hervorthun, so mögen immerhin auch-einzelne Rabblüea unangemessenen Gebühren» beschuldigt werden. Wir haben, werther Freund, ja nur die allgemeinen Verhältnisse in Erwägung gezogen, von denen einzelne Gemeinden sich auch frei zu erhalten und eine rühmliche Ausnahme zu machen wissen, wie ich dies im ganzen und in vselen Beziehungen, Gott sei Dank! von der meinigen sagen kann. Ader nicht zu vergessen ist, daß für hierarchische Gelüste der Rabbiner in unfern Tagen wenig Raum ist, da in der Regel die Eifersucht der Vorstände gegen diese genugsam wacht, und ebenso ist der Fahrlässigkeit des Rabbinen durch den Eifer der Gemeindebehördm leicht entgegen zu wirken. Auch dürfen Sie nicht glauben, baß ich! mit meinen Auslassungen der Besserung und Hebung unserer Angekegenhejten in der Zukunft alle Hoffnung absprechen, alle Aussicht abschneiden wollte. Die Gemeinden werden sich entwickeln^ ihre innere Organisation sich stärken, ihre Ziele sich klaren und befestigen, ihr Gemeinsinn und ihre Würde sich Heven; nicht minder wird der Rabbinerstand durch die Prüfungen und Kämpfe, die er durchjumachen hat, reifen und seines wahren Berufes bewußter und sicherer werden. Damit werden die Schwierigkeiten sich ebnest und die Mißhelligkeiten sich ausgleichen. Dies ist meine ifeste Ueberzeugung, die zwar an der Beschaffenheit der Gegenwart nichts ändern, aber doch den Blick in das Kommende erfreulicher machen wird. Bilder aus Früher und Jetzt. . Erfurt»- Vergangenheit und Gegenwart. (Schluß.) * II. Von D\ A. Jataczewsky, Prediger. Wann jene' strenge Kritiker gelebt hat (Brrmnact^ ist nirgend angegeben; ad^r da Simon Menneninon nur sechs Jahre vorher, ehe. dieser ßodex in der schrecklichen Verfolgung der Juden von 1349 dem Feuertode entrissen würde, mit den Puncren und vier Masorah fertig geworden, so ist anzupekmen, daß Bcsttmark seine Bemerkungen in dem Zeitraum von 1343—1349 dazu gefügt hat. ’ Vo.n den Torahrollen ist nür ein Exemplar, soviel wir flüchtig fehlen konntest, vollständig, erhalten; wohingegen die andern Spuren i deS Feuers und de» Kothes an. sich tragen, so > daß derey Anblick tief erschüttert. Die Schrift ist wunderschön ustd lächelt uns fceudig-wehmülhig ay, als wollte sie pns sagen: 'h ibd' «d oa ■’rrnx na-if . Die im Katalog ad nt angegebene Mischnah ist keine Mischaah, sondern ein aüf Pergament' geschriebener jerusalemitischer Talmud. Er ist nicht vollständig und mochte, als man ihn raubte, schon ein hohes Alter zählen. Sein eigentliches Alter ist nicht zu ermitteln, weil der Titel fehlt. Nur auf der letzten Seite ist der Name Jehuda lesbar, die übrige Schrift ist durch Alter verwischt. Die ad XV im Kataloge angeführte Casuistik muß ebenfalls von einem Laim als solche angesehen w-rden sein, denn sie ist keine. Casirißik und enthält vielmehr Deraschoth für die Sadbarh« des ganzen Jahre» sowie für sämmtliche > Feste und Haldfest». Hier ist di« Schrift