Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 25 (1864) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
25 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999388-6026661--2719-4911025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 4 Cursiv - Schrift, Leider konnten wir auch hier nicht Namen des Verfassers und Jahreszahl ermitteln. Vielleicht setingt uadas später. Oer ad XVI angeführte Koran wurde beim Emst tz von Wien von den Türken erbeutet. Er ist ein Muster arabischer Kalligraphie, ganz vollständig und äußerst ruber. Sein prachtvoller Einband sowohl als seine kalligra »hische Schönheit, die Schwarze der Tinte-, die Weiße un > vorzügliche Güte des pergamrntähnlichen Papiers. ver -athen einen ehemaligen vornehmen Bester. Der Koran is klein Folio und eines der merkwürdigsten arabischen! Hanuscriple aus jenen Zeiten. Wie nun unsere Reliquien dahin gekommen, das haben wir bereits angrdeulel. 3" den Jahren 134$ unD 1349 hatte sie der wilde Fanatismus von den Juden e:beuret uni nur mit Noth wurden sie den Flammen en rissen, die bereits ihre feurigen Zungen nach ihnen ausx estreckt hatten. Anno 1362 verkaufte der erfurtrr Ra h die gedachten Llterthümer an daS Marrinsstifr für 34 Mark- 240 fl., und diese« besitzt sie noch heute. Wir b halten un«, wenn es die wobll. Redacrion bewilligt, v«> , ein« umständliche Beschreibung d«S „Judensturmes" z> geben und blicken leichtern HerzenS von jener trüben Zeit tuf die heutige Zeik. , Wie sieht es beute in Erfüll auS? fragt ger nß der -geneigte Leser. Nun, wir sehen, wie die Beten» er brr verschiedenen Religionen in Ruhe und Frieden, ja in \ reundfchaft bei und mir einander leben, so daß am Gr b« des unlängst verstorbenen großherzoglich sächsischen Hof Agenten David Unger, dessen noch vor kurzem in diesen Blättern Erwähnung geschehen, gesagt werden konnte: „Er sah die Frucht seiner Mühen, dem Verdienste auch deS Israeliten Anerkennung zu verschaffen, noch an> End« seine« Levens reifen. Er erlebte b,e Blüthe unserer Ge neinde, ein« Blürhe, die un« zu der schönen Hoffnung be echtigt, da^unsere Gemeinde unter ihren Schwestergemeind n bald den Rang rinnehmen wird, den sie im Mitlelalre: inner gehabt. 3cd will nicht alte Wunden aufreißen i nd auf I«ne thränenreiche Zeit näher eingehen; wünschet a» ch Ihr j.i, meine christlichen Brüder, die Ihr unter dem milden Einflüsse der heutigen Zeit geboren und erzogen seid, r »ünschet auch. Ihr ja, die Ihr an dem Grabe stehet des is. Bruders und Menschenfreunde«, daß jenes Stück Geschichte in die Nacht ewiger Vergessenheit sich hülle!" U,b das war die reine, ungeschminkte Wahrheit. Curiosuut J , au« dem GerichiSiaal. Braut und Bräutigam. Wien, 1. Zun». Vordem Richter erscheint ohanna S., ein« reizende Brünette, eine Jüdin aus Ungar». Sie ist hübsch gewachsen, trägt das lange schwarze Haar ii Locken, die ein dünnes Netz zusammenbält, und zeigt entst »irdenen Geschmack ln ihrer Toilette. Mit ihr erscheim ein Mann, den sie vor wenigen Wochen ihren Bräutigam gen« nt und gegen den sie nun die Anklage wegen Ehr,nbeleidiguw erhebt. Johanna sagt: „ES sind ungefähr vier Wochen, d rß Herr Verantwort! Den «i u n i i r i ■ (i'« **u B., der mir jetzt gegenüber sitzt, mich noch seine Braut nannte. Es scheint, daß Herr B. mich damals liebte, denn er schickte mir Pretiosen und andere Geschenke zu und ich hoffte, bald eine Frau zu sein. Mit einemmale bleibt Herr B. aus unserm Hause aus. Ich werde in die Canzlei deS Abvocaten Dr. K. gerufen und da finde ich.Herrn B. Was denken Sie, daß er mir sagt? „Mein Fräulein!" fangt er an, „ich habe Ihnen Pretiosen und andere Bijou? geschickt, Mein Fräulein! Sie waren meine Braut — nicht wahr? — Allerdings, gebe ich ganz erstaunt zur Antwort. — „Nun gut," sagt er, „mein Fräulein, schicken Sie mir die Pretiosen und die anderen Kleinigkeiten zurück und hören Sie auf, meine Braut zu sein. Zch -habe gehört" — spricht Herr B. noch immer fort —' „baß Sie einen Lebenswandel führen, der mir durchaus mißfällt, und daß Sie eine Sympathie für Officiere haben, von der lch mir wenig Günstiges für meine zukünftige Ehe verspreche." „Sie werden begreifen, HerrRichter", fährt nun Johanna fort, „daß mir ob dieser Worte das Blut in die Wangen schoß, baß ich für so perfide Anschuldigungen kaum eine Antwort halle. Aber ich habe mir ein Zeugniß verschafft; da haben Sie'« — es trägt die Unterschrift eines Rabbiners, eines Bürgermeisters und eines Cultus- Vorstehers und drei große Siegel, und da lesen Sie, ob ich keine Jungfrau bin, ob ich mich nicht „stets moralisch und sittlich wohlverhalten" bade." Und damit schloß Johanna. Ihre geharnischte Rede hatte dem Er-Bräutigam dir Dertheidigung schwer gemacht. Er erhob sich von seinem Sitze und begann allerlei zu reden. Er malte so schwarz er nur immer konnte, und auch die Officiere vergaß er nicht. Ja, vor, denen schien er schreckliche Angst zu haben. Denn er konnte' es dem Mädchen nicht verzeihen, daß eS in Gesellschaft noch zweier anderer Damen im vorigen Jahre im Lager zu Parendorf und dort in einem Zelt mit Offirieren unter Einem Dach gewesen sei. Die Arme gab sich auch heute noch Mühe, wenn auch nicht dem Herrn B-, so doch dem Richter eine bessere Meinung von sich deizubringen; sie schwor, daß sie in dem Zelt eines Uhlanen-Officiers nichts gethan alS — dasselbe besichtigt habe, allein Herr B. war even nicht zur Raison zu dringen und berief sich auf die Gerüchte, die man ihm zugebracht. Er hielt es für unmöglich, daß man nach Parendorf mit zwei anderen Damen ins Lager gehen und dort nichts anderes lhun könne als — ein Zelt besichtigen, und als er diesem seinen Zweifeln Luft gemacht, schwieg er.. Der Richter aber hielt mit dem Schweigen allein die Ehre des Mädchens nicht wieder makellos hergesiellt, ec sprach Herrn B. der Uebertretung der Ehrenbeleidigung schuldig und verurrheiLte denselben zu einer Geldstrafe von 100 fl., eventuell zu 20 Tagen Arrest. (Presse.) Allgemeine Zeitung des ZudenrhumS. Ho. 24. 1864. Znh^r: Leitende Artikel: Wa« wir uns nicht nehmen lasten! — Der Entwurf zur Errichtung einer Rabbinerschule in Ungarn. — Literarischer Wochenbericht. — Nekrologe. — Zeitungsnachrichten: Deutsch land: Leipzig, Groß. Herz. Baden. Preußen: Berlin. O'esterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Krakau — Nachtrag: Paris. ^SST Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. cher Redakteur: G. Fritzfche. karrtnng in üeiptig- — Druck von ®. ÄteDHr*} in ürtvj'g

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.