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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 22 (1864) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
22 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 begabteste. Mit feinem Tode ist die große dramatische Trias gesprengt, die, ihre Umgebung hoch überragend, b S jetzt körperlich und geistig den Jahren zu trotzen schien.- 2 über und Rossini stchen an Meyerbeer's Leiche, de einzigen Tondichter, die ihm im Leben ebenbürtig zur Seite standen. Die Leichenfeier Meyerbeer's war die großartigste und erhabenste, der ich seit 20 Jahren in Paris beig wohnt habe. Er war in der Rue Montaigne Nr. 2, einen Eckhause des Platzes gestorben, der in der Mitte der ely rischen Felder liegt. Dort hatten sich von 12 Uhr ab di! Ein« geladenen und die verschiedenen Deputationen der Akademien, Theater, Gesangvereine u. f. w-, fast die Hälfte der elyfeifchen Felder bedeckend, eingefunpen. In einem Saale deersten Stockes stand der Sarg, der mi: einer Schwärzen, von weißen Sternen beiaeten Decke üd rhaagt war. Blumen und Immortellen - Kränz, zierten ihn r ichlich. Etwanach 1 Uhr setzte sich der Riesenzuq in Ben eguag. Ein« Abtheilung Militär und ein Militär -Mu ckcorpS eröffnete ihn. Dann folgte ein Trauerwagen, b r von den Rabbinern eingenommen wurde; darauf der vo t sechs schwarzen Pferden gezogene riesige Leichenwagen, re ch mit Silber-Verzierungen geschmückt, welchem ein Cererionienmeifier die Orden des Verewigten nachtcug. Dicht d »hinter die anderen Ceremonienmeiftec mir den Synagogen-T ienesn, von denen einer das alte Testament?) in der Hand hatte, -dann die Mitglieder der Familie, die Deputation bkS Institutvon Frankreichs und die unabsehbare Mc sie Der Deputationen und Eingeladenen. Die Narionalgarde machte mitgehend Spalier. Der Zug bewegte sich durch die elyfeifchen Fel-er, j die Boulevards, die Rue Drouol und die neue Rue Lufayrtte nach dem Rordbahnhofe. Hier hakte man die Einfahrt und die ganze alte, soeben durch eine neue ersetzte Halle schwarz auSgeschlagen und zu einem recht- und links mit Tribunen versehenen Saale umgeschaffen. Auf dem Wege waren mindestens ein paar mal hunderttausend Menschen in den langen Straßen angesammelt, die schon stunden vorher Posto gefaßt hatten.! Den Eindruck, der die Trauerhalle hervorbrachtt, werbe ich nie vergessen. In der Mitte erhob sich ein Katafalk mit Opferfeuern von einer Dimension, die man isi keiner der pariser Kirchen hatte beidehalten können. Etrf»a hundert Schritt davon stand der Wagen, der von in»en und außen schwarz und mit Silber ausgeschlagen war. - Rings an den Wanden Schilde mit den Namen beri Werke Meyerbeer's.! Zwischen dem Katafalk und dem Wagen ertod sich eine Tribun», an welcher der königlich preußische. 8potschaft«r, Graf v. d. Goltz, und die Mitglieder der BeerdigungS- Commifsion sowie die Mitglieder beS Institutesich ausgestellt hatten. Graf v. d. Goltz und Graf Baccjochi hatten die vordersten Zipfel des Leichentuches getragen, an den andern-Zipfeln hatten gestanden Beule, Camille Doucet, Auder, Saint Georges, Gisors, Bacon Taylor unv Perria. Alallesich in bester Ordnung gruppirt hatte, spielten ') Doch wohl nur eine gedruckte Bibel. Rehaetiou. drei Musik-Chöre Compositionen von Meyerbeer, worauf denn sieben verschiedene Reden gehalten wurden, und zwar der Reihenfolge nach von Beule im Namen der.Institutes, von Saint Georges im Namen der literarischen Gesellschaft, von Baron Taylor im Namen der Associarion der Musiker, von Perrin im Namen der Oper, von dem Präsidenten des israelitischen Consistoriums, von Camille Doucct im Namen der kaiserlichen Administration der Theater und von dem Oder-Rabbiner Isidor. Die beste Rede war die Perrin'S. Zum Schlüsse recitirle der Ober-Rabbiner Isidor ein französische- und eia hebräisches Gebet. Die ganze Ceremonie wird allen, die ihr beiwohnten, unvergeßlich bleiben. Heute Abend gehen die sterblichen Uederrrfte Meyerbeer's mittels Extrazsiges nach Berlin ab. Ein anderer unserer pariser Cocrespondentcn schildert unden Leichenzug folgendermaßen: Don der Avenne Montaigne, wo der Verstorbene bekanntlich zuletzt in Paris wohnt,, nahm er feinen Weg durch die Avenne de Champs Elysies, über den Place de la Concorde und die Boulevards, durch die Rue Drouot und die Rue Lafayette, in deren Nähe bekanntlich der Nordbahnhof liegt. An der Spitze de- Leichenzuges marschirten die Sappeurs der Nationalgarde; ihnen folgte daS Musikcorps der Nationalgarde sowie^Äne Abtheilung derselben und die MusikcorpS der Grenadiere undder Gendarmerie der kaiserlichen Garde. Dem von sechs mit schwarzen Tüchern behangenen und mit Lordeerkeonen geschmückten Pferden gezogenen Trauerwagrn fuhren zwei Rabbiner voran. Ein Ceremonienmeisier trug auf einem Kissen die . zahlreichen Decorationen beS Verstorbenen. Dicht hinter . dem Leichenwagen kamen eine zohllofe Menge Leidtragender, dann die Mitglieder des Conservatoriums, der Gesellschaft der dramatischen Schriftsteller, bas Personal der , Großen Oper, bas der Opera Comkque, des Theatre Lyrique , und Deputationen der deutschen Gesang-Gesellschaften Teu, i tonia und Liedertafel. . Jede dieser Corporationen trug rin Banner, worauf ibc Name eingeschrieben war. Ihnen schlossen sich zwanzig Trauerwagen, viele Equipagen und nochmals eine Abtheilung Nationalgarde an. Auf dem gcknzen Wege spielten die verschiedenen MusikcorpS Trauermarsche aus den Werken unseregroßen LandSmannes. Die Trommeln, die dumpf dazwischen wirbelten, und die Schläge des Tam-Tam, die. von Zeit zu Zeit dazwischen erklangen, gaben dem ganzen Trauerzuge einen eigenthümlichr'n, tief ergreifenden Charakter. Als der Zug auf dem Boulevard de la Madeleine ankam, trat eine große Anzahl Damen auder Menge und legte Blumensträuße und Kranze auf den Sarg des großen Meisters nieder. Bei diesem Anblicke bemächtigte sich aller eine tiefe Rührung und nur wenige Augen mögen in diesem Augenblicke trocken geblieben sein. Die Menge, die sich überall aufgestellt, ' wo der Zug vorbeikam, war ungeheuer. Am Grabeshügel. 1. An einem frisch aufgeworfenen Grabesbögel kauerte ein Knabe von ungefähr vier Jahren. Er blickte bald auf den Sandhügel, der sich über der Gruft unregelmäßig >

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