Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 21 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 Jacob Meyerbeer. Der vielbewundecte Tondichter, der erst nach hartem Kampfe gegen Neid und Mißgunst sich Bahn zu brechen vermochte und bann «Leder von der deutschen Kritik auf^ „Die Tochter Zephtas" und wurde in München gegeben. Dem Stoffe nach mehr Oratorium als Oper und schwerfällig in der Musik, fand die- Erstlingswerk seinen Beifall. Der junge Eomponist wandte sich nach ^llZien, vorerst mit der Absicht, sich als Elavier- Virtuose Geltung zu verschaffen. Hier wirkte Hummel'S Spiet bitterste verfolgt worden, den insonderS Heine'S böshaste. -gewaltig und zunächst demüthiqend auf Meyecbeer. Zehn Insinuationen auch hinsichtlich feine« Charakters vielfach, Monate lang sperrte er sich förmlich ein, um in angestrengg,schmäht, ist nicht mehr, indem er am 2. M-i nach^ kester Arbeit sem Clavierspiel zu reforrpiren. Nach dem kurzem Krankentager in Paris verstorben. Unter den Nachrufen, welche der Todesnachricht folgten, finden n ic bewq folgenden in Ns. 123 der „Wiener Presse" am ai Sfüh^ lichsten und gerechtesten und geben ihm daher diese StWJ;. G iacomo Meyerdeer (eigentlich Jacob Äeyer Beer), der Sohn eines reichen jüdischen Banquiers, ist arm K. Septenider 17^4in Berlin geboren. E« ist e n fpst in alle Handbücher und Lexika übergegangener Ir thrün, der Meyerdeec'S Geburt in das Jahr 17t»i fetzt.! Ileyerr beer gehörte ganz eigentlich zu den Wunderkindern; fein musikalisches Talent entwickelte sich so ecstautilich fei h und rasih, daß rr mit sieben Jahren in einem öffentlichen Concert alS Clavier - Virtuose Erstaunen erregen I onnre. Der treffliche Clavierspi. ler LauSka, ein Böhme, «§ chüler Clementi'S, war Meyerdeer'S erster Lehrer. Un> diese Zeit vermachte ein Verwandter der Familie Meye , der eine besondere Zärtlichkeit für den Knaben hegte, demselben ein bedeutendes Vermögen, knüpfte aber restamentari ch den Wunsch daran, der junge Erde möchte seinem Fainliennamen (Beer) den deS Erblassers (M.yec) verfügen, auS diesem und keinem andern Anlaß stammt der Name Meyer- Beer. Da der Knabe auf eigene Faust unermüdliü componirte, übergab man ihn, zwölf Jahre alt, dem berliner Capellmeister Bernhard Anselm Weber zum Unirrrichk in der CompositionS-Lehre. Dieser, ein Schüler Aooö Dogler'S, verstand selbst nicht allzu viel davon; durch ein Gutachten Vogler's kam eine-Tages die Uaz ilänglichkrit deS Weder'fchen Unterricht» auf. Meyerbeer wandtesich bald darauf an D gler selbst, zu dessen Schule in Darmstadt damals mir besonderem Vertrauen gewallfahrlet wurde. Meyerdeer iaachte bei Vogler sehr strenge anhaltende Studien, strengere wahrscheinlich als viele unserer Ccmponisten, welcte auf Meyerdeer'« musikalische Bildung glauben vornehm )ecadsehen zu müssen. ES war ein fleißiges, dabei recht »eiter^ idyllische» Leben, das Meyerdeer mit seinen ihn treu anhänglichen Mitschülern Karl Maria Weder und G ans dach er bei dem wunderlichen Abbe in Dar astavt und Mannheim führte. Der kürzlich erschienene erste Band von C. M. Wrber'S Biographie enthält zäh reiche schöne Züge von M.yerbeer'S Herzensgute und Li veaS- Würdigkeit und Weder'S inniger Freundschaft für ihn. Eine noch in Darmstadt componirte Canrate Meyebeer's „Golk und die Natur", welche 1811 in Berlin aufg fuhrt wurde, verschaffte dem siebzehnjährigen Componiste, den Titel eine» HofcomposireurS. Meyerdeer'» erste Ope hieß *) Und d'evnoch ist dies kein Jrrlhnm, denn nach bei, Se. bnrtSregister der jütischen Semeinbe in Verlin ist M. am 23. Lepr. 1791 geboren. Hiernach stab dir «eueren Aahlenangabin des Nekrolog» za berichtigen. Redaclion »e» jnd. Bolttbla kes. Keugniß MoscheleS', der ihn damals oft gehört, hätten ^«S wenige Virtuosen mit dem jungen Meyerdeer aufnehmen ^können. Dennoch ängstigte ihn der Gedanke an ein öffentliches Auftreten, so groß seine Erfolge in Pnvatkreisen sivaren. Ein merkwürdiger Charakteczug von Aengstlichkeit, der Meyerdeer bis an sein Lebensende anhängen geblie- .ben, tritt uns hier schon in dem jungen Künstler entgegen. Die in Wien allenthalben bewunderte Originalität seiner Clavier-Compositionen erregte nämlich in Meyerdeer die -wunderliche Besocgniß, andere bereits namhafte Pianisten könnten sich diese neuen Ideen aneignen. Ec verschob deS- ' halb die Pudlication dieser Compositionen und hörte am Ende ganz auf, vor Leuten zu spielen, so daß er mit der Zeit seine zahlreichen Clavier-Compositionen aus der wiener Epoche selbst vergaß und diese, unaufgefchrieden wie sie waren, absolut verloren gegangen sind. FöliS ve^mukhel dennoch, baß sich wenigstens einige der damals besonders gerühmten Stücke in Meyerdeer'S Nachlaß vorfinden werden; dasselbe scheint uns rücksichtlich der zahlreichen Kirchen- Compositionen nicht unwahrscheinlich, die Meyerdeer m. Darmstadt componirt hat und die bisher spurlos verschwunden schienen. In Wien machte ihn fndeß auch ein glücklicher Zwischenfall dem Clavier bald abwendig: baS Hofopernlhealer vertraute ihm die Composition eines komischen Librettos an: „Adimelek ober die beiden Kalifen". Die Oper wurde am 20. Ockvber 1814—und nicht wieder gegeben; man soll sie „zu streng und deutsch" gefunden haben, waS bei dem damals vorherrschenden italienischen Geschmack deS Publikums und besonders des Hofes nicht undenkbar ist. (Zvkis' Lexikon fetzt die Aufführung fälschlich in bas Jahr 1813.) Sparer führte C. M. Weder die „beiden Kalifen" unter dem Titel „Wirlh und Gast" in Prag und Dresden auf. Salieri, dem der junge Componist sehr sympathisch war, tröstete ihn über das Fiasco und versicherte, daß eS ihm gar nicht an origineller Erfindung fehle, wohl aber-an dem rechten Geschick, sangbar „für die Stimmen" zu schreiben. Als einzigen Cucort für bies.s Leiden rieth er idm natürlich Italien an. Meyerbeer folgte dem Rath und zwar zunächst ohne alle Neigung für die italienische Musik. Da mußte er gerade nach Venedig kommen, alS Roffrni'S „Tancrev" alle Köpfe verrückte. Auch M.yerbeer'S leicht angeregte, empfängliche Natur konnte sich dem berauschenden Eindruck dieser Musik nicht entziehen; für den Augendlick glaubte er sein theatralisches Ideal und die Richtung feine« SrredenS gefunden zu haben. Meyerdeer schrieb nun eine Reihe italienischer Opern, deren großer Erfolg in Italien, neben dem glänzend aufgeqangenen Gestirn Rossini'», nicht wenig sagen wollte. „Romilda e Costanza“ (1818 für Padua) eröffne» den Reigen, „8emiramide rioo oosciu laM folgte 1819 in Turin, „Emma di