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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 21 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
21 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. i Zur J Belehrung un^ Anterhattung auf jüdischem Hebiele. Herav-gegebul ^on ^Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. > fllo. 21. 1864.^ Bo» dielet Zeitwrill erfdicüit »öcheullich eine Rümmer. Prri« brt 2-br« gang# 1 Ult. Vimeljäbrifl 7 U Rgr. All« v-lchbaukt-uge», Postämter und Zeituug«kkpediiiö»e» uebmen VesteLunge« an. [1 1. IaKrz. 2. Quartal.] Eine amerikanische Predigt. (Schluß.) Der Redner erinnert hierauf an den bekannten Brief de- Generals Butler, s. No. 17 der A. Zeit. 0. Jub., und widerlegt denselben in schlagender Weise. Dann fährt er fort: „Sollen wir aber in diesem Kampfe den Sieg erhalten, so dürfen wir vor allem nicht unlerlaffen, Amalek, die Geistesknechtung, in unserer eigenen Mitte zu bekämpfen. Gestehen wir eS offen, auch vom amerikanischen Israel gilt einfach dastrafende Wort: „Jeschurun ward fett und feist und verließ den Fels siines Hrils!" Eist ein roher Materialismus unter unherrschend geworden, dem gegenüber man sich oft zu der Frage versucht fühlt, ob dadie Mitglieder jene- Stammewären, der einst allefür seine Geistesguter hingab? An Synagogen und Gemeinden fehlt einfreilich nicht; allein wie viele glauben mit der Gem, noe fertig zu sein, wenm sie ihr ihre Beiträge in tlingendel Münze entrichtet haben, ohne sich weiter um deren Institutionen zu kümmern! Wie viele in unserer Mitte sind völlig gleichgiltig geworden gegen Israelhohe Mission^ die göttliche Wahrheit durch alle Theile der Erde zu tragen und den göttlichen Namen zu verherrlichen vor den Augen aller Völker! Wie viele in unserer Mttte Habers unter der ewigen odemlosen Jagd nach materiellen Gütern allen Sinn für den höheren Menschenberuf, alle- Be mrfniß nach geistiger Erhebung verloren! Schon die za len Kinder werden nicht selten, gewaltsam der Schule entrissen, in- Joch des Ge, schäft-ledenü gespannt, weil sie den Dollar nicht frühzeitig genug vergöttern lernen können! Der Sabbath, der daalte Israel immer von neuem mit Gottesgeist durchtränkte, immer von neuem auf dem harten Pilgergang vor Ermüden und Ermatten schützte und mit Kraft und Muth gürtete, die Scharen Amalek'- siegreich zu durchdringen — er ist vertrieben auunserer Mitte und spendet seine Segnungen nur noch andern Confessionen, die ihn von unererbten und mit vollem Rechte unfragen: Wo ist euer Gott? Der Stad Gattes ist unseren Händen entsunken und wir schleichen bei allem Prunk und Schimmer doch nur erschöpft und müde, seufzend und keuchend durch eine weite Wüste ohne Oase, ohne labenden Duell für un-, unsere Frauen und Kinder, eine Beute Amalek'-. Ist e« unter solchen Umständen zu verwund,rn^ wenn auch die Familieninnigkeit, diese uralte Tugend Israels, auunfern Häusern zu schwinden droht, die opfermuthige Gattenliebe, dasorgfältige Lauschen auf den Lelstigea und moralischen Bildungsgang der Lieblinge unseres Herzens, die tiefe Ehrfurcht der Kinder vor Dater und Mutter? Muß bei solcher Dürre, bei solcher singenden Gluth nicht nothwendig jede edle Geiste-- und Herzen-dlüthe verkümmern? Ist eda zu verwundern, daß die Furcht vor Bttn bi^n, vor Schäafiu£g des göttlichen Namen-, ein» Furcht, die ehedem dem Juden zur mächtigen Schutzmauer! gegen die loekendstea Versuchungen, dem Namen Israelis Unehre zu bringen, diente, vom wilden Eber der Goldgier so oft niedeegeriffen wird? Wäre diese Furcht noch in her alten Stärke unter un« vorhanden, so müßten — um nur eia Beispiel zu erwähnen — jüdische Schmuggler unter den gegenwärtige« traurigen Erscheinungen unsere- Land,» allerdings zu de« größten Seltenheiten gehören. Ich will nicht sagen, daß solche schwere Vergehungen von den Angehörigen anderer EonsissioNen nicht ebenst» oft und vielleicht'noch häufiger alvon unseren Glaudjen-genoffea geübt werden, haß nicht auch in unserem Land» daalle Sprichwort sich gewähre: die kleinen Diebe läßt tnqn hängen, biegroßen —i laufen! Allein von siiten rinq- Juden ist der Frevel weit größer, weil er wiffen muß, däß die jüdisch, Gesammtheir für sein Vergehen verantwortlich gemacht wird, baß er mit seinem Thun Verunglimpfung, Schande und Unheil -all seinen Stamm,sgenoffen dringt. Kampfe«, wir also gegen Amalek in unserer eigenen Mitte! Zeigen wir denen, die un- und unserem Bekenntnisie Schande und Schmach bringen, unsere volle sittliche Entrüstung ^Zeigen wir in diesem schwere« Kampfe für unsere nationale Existenz!n jeder Hinsicht eine glänzende patrivtlsche Gesinnung und laßt unnirgendzurückstehen, wo «S patriotische Gaben und Opfer gilt! Erheben wir unvor allem wieder auder materielle« Versunkenheit zum Bewußtsein unsereerhabenen weltgeschichtlichen Bervfes zur Verherrlichung de- Einig-Einzige« vor den Augen aller Welt! Dan« werben wir heute, wie ehedem, mit dem Rufe *09 „Gott, mein Panier!" unsere und Göltet Feindezerstreuen und unermüber baS hohe Ziel verfolgen, da- Andenken Amalek'-, die Herrschaft der Lüge und der Finsterniß zu tilgen unter dem Himmel! Amen." »

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