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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 19 (1864) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
19 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 baren, zuin Theil gestürzten und zerbrochenen, inn endig hohlen Säulen, die aus den Felsen selber gehauenen, einen halben Fuß dicken Thüren, welche aus ihren Angeln g< rissen an? Bode» liegen, die Bruchstücke von Marmocsarger mit zierlich gemeißelten Blumen und Kränzen, dies alleweist auf den Reichrhum und die Prachtliebe ihre- Gründer hin. Von etlichen steinernen Sargen werden in ein>r der tieferen Kammern noch die Bruchstücke gesehen, an renen sich di« vormalige Große derselben erkennen laßt, di da- Äineinschaffen durch die engen Tkürew unmöglich m chte; sie mußten innerhalb der Grabeskammern aus dem! selsen selber gehsiuen worden sein. Die Bauart ist eine -igenthümliche^ Von den Seiten und Decken dieser Tl dten» kammern! tröpfelt stet- Wasser, weil sich der Dun t an ihnen ansetzt und zusammenfließt. Um den Boden soviel wie' möglich «rocken zu halten, sind kleine Rinnen eingeh auen, durch welche das Wasser ablaufen kann. Eine Viertelstunde nordwestlich von diesem Gn bmal treffen wir die Gräber der Richter in einer v ilden Gegewd, jenseits einer kleinen Mofcheh. Auch sie tragen eine eigewchümliche (altjüdische) Form, die ihnen die )and .ihrer unbekannten Erbauer aufpragte. Die Eingang e zu diesen Grubeshöhlen sind am Abhange eines Hügels in den Felsen gehauen und lassen einen bequemen Zutri> t zu. Unten an der Erde sieht man große FelSmassen, von >enen eine an ver Seite des Weges einen Vorhof har, der!wölf Klaftern lang, acht breit, ebenso hoch und mit großer \ stütze in den Felsen gehauen ist. Don diesem Vorhof g< langt man bei Fackelschein durch eine kleine, mit Laub und 8ildwerk verwerte Thüre niederwärts in eine große vier ckige, einem Keller ähnliche Kammer. Ringsum sieht man reden dem Boden viele Vertiefungen, wahrscheinlich für < därge bestimmt. Aus dieser Kammer tritt man in eine < ndre, die zur Seite liegt. Don da laßt man sich durch einen sehr engen Gang ohne Treppe in eine tiefer« Höhl« r jeder, in welch« andre Kammern in den Felsen gehauen sind, in deren! Wänden sich eben solche Vertiefungen de in den wie an Hen Seltenwänden der ersteren und oberen Kammern. Endlich gleitet man durch eine andere enge L)effnung ip eine dritte Kammer, welche den beiden ersten vollkommen ähnlich ist. Das Ganze bildet ein unt «irdisches Labbrinrh, aus welchem, bei dem gänzlichen V angel aller Treppen und dem feuchten, schlüpfrigen Bodei, der schwerer ist als das Hinabsteigen. Hinte' den steigt man in eine niedrig liegende Ebene hinab, auf der inan seitwärts die sichtbaren Uederreste eines Cdstells erblickt. i ' Noch hinter den Gräbern der Richter zieht sich das obere Thal Josaphat in seiner östlichen Richtung als eine flache Thalung dahin. Das Thal Josaphat ist eir»s der angenchnjsten öandschafsbilder in der Umgegend Jerusalems. E» wendiet sich auS seiner anfangs von Westen nach Oste» laufenden! Richtung südwärts und bildet die östliche Seite Jerusalems. Dort, zwischen der heiligen Stabt und den Hoben deS Oelbergrs, gestaltet es sich zu einer dstnklen Schlucht!, einer ernsten Stätte der Gräber. Dop der Abendsri» her werfen die finsteren Stadtmauern ihre siesenhaften Schatten von jähem Absturz des Tempelderges mit seinen wie eine irrende Heerde zerstreuten OlivenbHumen trauernd in die Tiefe. An seinem Fuße springt eine schwarze Steinwand hervor und zeigt die nach der Art «zyprischer Ausgang Gräbern Felsenrempel ausgehauenen Geabesgrotten des Josaphat, des Zacharias, und nahe dabei daS freistehende rhurmartlge Denkmal AdsalonS zwischen einem Haufen von Steinen. Dies Thal der Gräber hat auf mich unter allen Punkten der nächsten Umgebung Jerusalems den ernstesten Eindruck gemacht., Hierfelbst weiltt ich oft und lange und jedesmal fühlte ich mich in meinem Innersten von „Gedanken an bas Ende" durchdrungen. Das Grabmal des Zacharias und das des Absalon sind aus der Wand der Felsen herausgehauene Monumente, die zwischen Felsenwänden nach Norden, Osten und Süden stehen. Die zwei letzteren sind dlos ausgehöhlte Gräber, Kammergcuppen mit verzierten Portalen. Das Grabmal des Zacharias, von andern als das des Josaphat bereich» net, liegt der Südstrecke der Stadtmauer gerade gegenüber und ist gegen 30 Fuß hoch. Auf den viereckigen Haupt» körpern steht eine Pyramide, 12 Fuß hoch. Das Ganze von ungefähr 80 Fuß Umfang nimmt sich wie ein kleiner Tempel von solidestem Geschmack« aus. DaS Grabmal AbfalonS, der-nördliche Monolith (Einstein), liegt Ader der zweiten oder unteren Brücke. Kein Muhamedaner geht vor dem Grabe Absalons vor- > über, er werfe denn einen Stein auf ihn und verfluche! dabei den gottlosen Sohn und Juden, der seinen Eltern! nicht gehorcht. Ein hoher sittlicher Ernst liegt in vielem j Gebrauche und der Orientale, der mit dem durch das Tkal hallenden Fluch einen Stein vor dieses Grab wirft, gemahnt auf das lebhafteste an die strafende Gerechtigkeit Gottes.! Dies Grabmal fallt weit mehr als fein Nachbar mS Auge, \ man sieht es sogar vom Oelberge herab. Der Felsen in 1 deinem Hintergrund reicht nämlich bis an seine Mitte, 20 1 Fuß hoch. Bis zu dieser Höhe gleicht daS Monument j^dem des Zacharias; dann folgen aber zwei Bogen gewalk tigee Werkstücke und über ihnen erhebt sich ein kuppelartiger , Thurm, dessen Spitze einen offenen Blumenkelch bildet. Der obere Theil ist mit dem unteren gleich Koch, somit beträgt die Höhe des ganzen Denkmals 40 Fuß. Das Grabmal Josaphats hat ein Portal von 8 Fuß Breite, bas aber durch Schutt fast ganz verdeckt ist. Nicht weit hiervon, an dem westlichen Abfall des Oelberges, ist der jüdische Friedhof. Jedes Grab bat einen stach liegenden Stein mit einer hebräischen Inschrift. Ein zweiter, jedoch kleinerer jüdischer Friedhof ist südwestlich über der Quelle Siloah. Ein dritter, ebenfalls kleiner, ist südlich über dem Unterthal Hinom. Die Karaiten endlich haben einen kleinen Gottesacker an der Westseite des Thales Josaphat, unter der Süd-Ost- Ecke der Stadtmauer. Auf dem Oelberge befindet stch das Grab Huldas. Eine Treppe führt mich in ein sehr lief gelegenes Zimmerchen, mit Tüchern und Oellainpen bedeckt, welche letztere aber jetzt nickt 'angezündet waren. Auf die Erde sind Strohmatten gelegt, die Moslemim beten/ so oft sie hierher kommen. Der Oelberg ist von der Stadt durch das Kidron- (dal getrennt und wird von den Arabern Dschebel es feitun genannt. Er ist eigentlich ein zusammenhängender Rücken, auf welchem man drei Gipfel unterscheidet. Er ist etwa 2600 Fuß über der Meeresfläche erhaben, während der Berg Zion und der Berg Moriah 2500 Fuß über der Meeresfläche liegen. Die Aussicht vom Oelberg aus ist umfaffend. Don Westen sah ich in ziemlich klaren Um-

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