Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 17 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 fonderi l die Kleidungsstück« beider Geschlechter haben ziemlich d-selbe Form und denselben Gebrauch. Rur ein Kleidungsstück haben die Frauenzimmer mehr als die Männer und diises ist der Schleier. (Isar.) Der Schleier der Frauenzimmn besteht aueinem Stücke Tuch, oder auch einem Flor, velchec vom Oberhaupte an über das ganze Gesicht dis zur Brust herabhängt, zuweilen vor den Augen zwei Löcher zum Durchsehen har, aber das ganze Antlitz bedeckt und dadurch die Frauenzimmer völlig unkenntlich macht. Auf Reisen ziehen sie zwar den Schleier zurück, sobald sie aber eine siemde Mannsperson wahrnehmen, thun sie denselben gleich wieder vor, wie es auch schon in den ältesten Zeiten Sitte war. Was die Farben der Kleider betrifft, so wechseln die Orientalen selten darin. Bei den Türken ist die grüne ßarbe sehr geehrt, weil Muhamed dieselbe-trug; die schwär je gilt ihnen für unglücklich, die purpurne für schon, aber ik Kriegeszeilen für eine Vorbedeutung-des Todes. Dje Nahrungsmittel weichen in ihrer Zubereitung wefenr ich von den unserigen ab. . D S gewöhnliche arabische Brot hat die Form eines kleinen runden Kuchens und soll recht schmackhaft sein, jedoch wird für die Franken von jüdischen Bäckern in Jerusalem eigenes Brot gebacken, welches schön weiß und wohlschmeckend ist. Dve Liedlingsspeisen der Orientalen sind: Reis, Kaffee, Schafs eifch, auch Orangen, Melonen und Feigen; Trauben komme» nach Jerusalem von Bethlechem, Hebron und einigen benachbarten Dörfern und werden sehr gerühmt. D S Trinkwasser ist in der Regel Cisternenwasser, welche« durch Um G brunmsi haben. Das Tischtuch ist 'bei Pen Arabern von Leder komme» auch niedrige, einfüßige runde Tischchen vor. Rach Tisch wird Ende Löcher frischer durch das Alter schmackhafter wird und allmählich die Länge der Zeit den Regengeschmack verliert, ld kann man auch gutes Quellwasser vom Rehemiasr ind wird auf den Boden gebreitet, bei den Juden zeht man in ein Nebenzimmer, jedem Anwesenden n Becken und eine Kanne präsentirt, sich die Hände zu walchen. In vornehmen Häusern deräuchert man allen Persor m der Gesellschaft den Bart. Man hat zu diesem ^ine kleine Pfanne mit einem Deckel voll kleiner auf einen Teller festgemacht; di,fe füllen sie mit glühenden Kohlen und einem Stückchen Aloeholz und schließen dann den Deckel der Löcherchen; nun dringt der Rcuch mit dem angenehmen Gerüche in die Höhe und man fall einem jeden die Maschine unter das Kinn. Früher und Jetzt. Bftder aus Erfurt's Vergangenheit und Gegenwart. Von vr. A. Jaraczensky, Prediger. N HtS ist wichtiger und greift in das religiöse Bewußtst n «irkungSreicher ein als eine genauere Kenntniß unserer Geschichte. Wie erhebend ist jeder tiefere Blick in uns r« Vergangenheit, wenn wir ihn dann vergleichend auf di^ Gegenwart wenden! Wie kann wohl die Ueberzeugung von einer allwalrenden Gottheit in der Geschichte sicheres erlangt werden! So wird mir um so eher gestattet fein, einiges mirzutheilen, was so recht lebhaft diest< Gedanken I in uns zu wecken vermag. Wir eröffne» den Reigen mit einem Stück echt mittelalterlicher Intoleranz; es sind tües zwei Formeln zu Judefi«> eiden, von denen erstere höchst Wahrscheinlich aus den letzten Jahren des j 12. Jahrhunderts datirt, letztere sich in der kurfürstlich mainz'schen Hofgeri^tSordnung o.. 1521 vorfindet. Haben j wir diese beiden! dem Leser mitgetheilt, so werden wir zeigen, wie man heute hier über den Eid more judaico denkt. I Die erste Eidesformel lautet^ lies dich dirre sculdegit des bistur vnschuldic. So dir got helfe. [Der got der himel vnde erdin gescuf. loub. bluiuen. vnde gras, des dauere nine was. Vnde ob du Unrechte sweris. daz dich di erde uirslinde di datan unde abiron uirslant. Vnde ob du Unrechte sweris. dar dich - , di musetsucht biste. die naamannen liz. vnde iezi bestunt j. Vnde ob du vnrechte sweris. dar dich di e uirtillige di ‘ got moisy gab. jin dem berge synav^ di got selbe screib j mit sinen uingiren an der steinir tabetak Vnde ob du t vnrechte sweris; dar dich ne Ihn alle di scrift. di gescri- I ben sint an den uunf buchen moisv. Ditist der iuden best dert di Risnof Counrat dirre stat gegebin hat. Uebers>tzun^: „Deß dich dieser beschuldigt, deß bifl^du unschuldig, so (wahr) dir Gott helfe, der Gott, der Himmel und Erde schuf, Laub, Blumen und Gras, dessen zuvor nichts war. Und ob du unrecht schwörest, daß dich die Mäustsucht (Aussatz) beiße, die Naman verließ und Iezi (Gachasi) bestund (ergriff); und ob du unrecht schwörest, daß dich die Ehe (das Gesetz) vertillge, die Gott dem Most gab auf dem Berge Sinai, die Gott selber schrieb mit seinen Fingern.. an der steinernen Tafel; und ob du unrecht schwörest, daß dich fällen (verdammen) alle.die Schriften, die geschrieben sind jn den fünf Büchern-Moses. Dies ist der Juden Eid, den Bischof Conrad dieser Stadt gegeben hat." 'Diese Urkunde ist nicht nur für uns Juden, sie ist auch von allgemeiner Wichtigkeit, da sie wohl zu den ältesten schriftlichen Denkmälern der deutschen Sprache gehört. Sie ist in das königl. Provinzial-Archiv nach Magdeburg gewandert und ist von vr. Heinrich August Erhard in die Thüringer Vaterlandskunde ausgenommen worden. Sie ist «in Stück Pergament in der Größe eines Quartblattes, mit der dekannven gothischen Schrift geschrieben, die besonders in den Klöstern üblich war und unter dem Namen Mönchsschrift bekannt ist. Die großen Anfangsbuchstaben der einzelnen Sätze sind alle mitGold gemalt und roth eingefaßt; ebenso geht auch eine vierecktzk^goldene, rolhgttänderte Einfassung um die ganze Schrift. Angehängt ist vermittelst seidener Schnuren bas erfutrer Stadtflegel. Dasselbe geigt den heiligen Bischof Mattin (den Patron der Sradt)> unter einem mitThürnttn gezierten Kirchenportale sitzend, zu^ beiden Seiten desselben die Worte: Scs. Martinus, u.nb um das Ganze die Umschrift: Erfordia Fidelis est lilia Moguntiniae sedis (Nach Hartung). Die Eidesformel von 1521!lautet: Die Vorred der Juden-Aydt. Adonay, Ich ruffe dich, deinen heiligen RaWen und Aümächtigkeit an, daß du hellffest bestetten meinen l Aydt, ben ich jetzt thun soll, und! wo ich unrecht und betxüg- > sich schweren sollte, so sev ich geraubt aller Gnaden deß | ewigen Gottes, und mir werdet», auffgelegt-alle Sttaffen