Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 17 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 und Fluch, die Gott den verfluchten Juden auffgelegt har, und ich soll auch nicht theil haben an M-ssiaS, noch dem versprochenen Erdreich, dess heiligen seeligen Landes. Nach dieser schmeicheldaften Vorrede lautet: Der Juden- Aydt. - „Adonay, ein Schöpfer der Himmel und alter Ding, auch mein und der Menschen, die hier stehen, ich ruffe dich an durch deinen heiligen Nahmen auff dieser Zeit zu der Wahrheit, und schwere bei demseldigen, baß ich umb alles das, so ich in dieser Sachen defragr werde, und mir ’ wissen! ist, ein recht lautere Wahrheit sagen, und darinne keinerlei Falschheit, Verderblichkeit und Bnwahrhcir gebrauchen will, also bitte ich mir Gott Adonay zu helffen und zu bestettigen diese Wahrbeit, wo ich aber hierin einigen Betrug mit Verhaltung der Wahrheit gebrauchen n^rde, so seye ich verflucht ewiglich und vergeheund zerstöre mich das Fewer, das Sodomma und Gomorra überging, und alle dzeßlüch, die an der Thorat geschrieben stehen, und daß mir der wahre Gort, der Laub und Gras unb, alle Ding erschaffen har, nimmer zu Hülf noch zu statten kommein einigen meine» Sachen und Nöthen, wo ich aber wabrund recht thue in dieser Sachen, also helff mir der wahre Gott Adonan, und nichts anders. Wie ist doch diesem Aktenstücke so recht der Charakter mittelalterlicher Barbarei aufgedrückt. Ist es u»s nicht beim Lesen dieser Ausgeburt der Inhumanität, als.befänden wir uns in dem unterirdischen Kerker der - Inquisition, wo der dumpsächzende Ton der zum Tode gemarterten unschuldigen Opfer in unser Ohr dringt? Erfüllen uns nicht eisige Schauer, wenn wir es lesen, wie der Gott der Liebe, der „Gras und Laub wachsen ließ", der Gott, der schon jenem Bileam zugerufen: „Verfluche das Volk nicht, denn es ist gesegnet", - wie dieser Gott beschworen, wie Himmel und Hölle angecufen werden — Israel zu verfluchen! Und was bei diesem traurigen Curiosum das Charakteristische ist, daß derselbe Conrad von Mainz, obgleich Bischof, das Recht des Kaisers Friedrich 1. v-rlheidigt, gegen das Gelüsten des Papstes Hadrians H., weicher letztere auch die weltliche Macht an sich reißen wollte. Nur der damalige Jude Hane kein Recht. Er stand zwischen zweien Feuern, der weltlichen Macht und der Hierarchie; beide aber wetteiferten mit einander in der-Bedrückung der Juden. Doch ab den'Blick von jener traurigen Epoche, wenden wir ibn vielmehr einem erfreulichen Bilde ur serer Zeit zu. Vor etwa zwei Jahren richtete der kenigl. »reußische Justiz» Minister an alle Gerichtshöfe der Monarchie die Auffordetllng, sich darüber zu-äußern, ob der Eid nwre juilaico auch in Zukunft beizubehalten sei oder nicht? — Da gab bas königl. Kreisgericht zu Erfurt sein Gutachten dahin ab, daß der Eid mvre juüaica sich über ebt habe und aufzuheben sek. Bekanntlich hatten sich fast alle Gerichtshöfe der Monarchie in diesem Sinne auSg iprochen. Auch die zweite Kammer erhob damals in einem Beschlüsse diese Ansicht Lu der ihrigen und gewiß wäre der < :ib more juilaico den Weg alles Fleisches gegangen, wenn ihn licht eine bekannte Partei mir eisernen Armen fesigehalten hat e. Zagen wir darum nickt: „Und Licht wird doch nicht Fn sterniß!" Wie der galizische Jude den Belagerungszustand beurtheilt. Spät in der Nacht geht ein Jude über den Hauptplatz in einer Kreishauptstadt in Galizien, der Führer einer Gensdarmen-Patrouille geht auf ihn zu und es entspinnt , sich zwischen diesen beiden folgendes Gespräch. G. Woher, wohin und warum^so spat in der Nacht? I. Ich komme von meinem Freunde N. N. und gehe nach Hause, unsere Unterhaltung dauerte heute etwas langer als gewöhnlich. G. Wissen Sie denn nicht, daß es während der Dauer des Belagerungszustandes nicht erlaubt ist, so lange in der Nacht herumzugehen? I. Ich weiß, daß wir Belagerungszustand haben, sonst wäre ich gewiß nicht so spät in der Nacht herumgegangen. I G. Wie verstehen Sie das? Machen Cie sich etwa . lustig über die Vorschriften der Militärbehörden? I. Bitte um Vergebung, gerade im Gegenrheil. Früher harr' ich es nicht gewagt, allein in der Nacht zu gehen;; seitdem wir Belagerungszustand haben, haben wir nichr l mehr zu fürchten und können auch mitten ln der Nacht herumgehen. Beide Männer gingen friedlich auseinander. Verantwort l BerUz von vaumgärruer'sB Anekdote. Bekanntlich gilt es als Grundsatz bei den Rabbinen, die Auslegung eines Bibelverses oder einer Talmudsielle nur im Namen dessen zu geben, der sie ausfindig gemacht, und es gilt als ein arger Verstoß, sich mit fremder Gelehrsamkeit zu brüsten. Doch war dies einem Maggid eines TageS pafflrr, und als er nachmittags den Rabbiner besuchte, 'kam dieser ihm sogleich mit der Frage entgegen: Rabbi, uhr habt heute die Auslegung eines Paßuk's in eurem Namen gegeben, das habt ihr doch aus einem Sefer herausgenommen. Was, rief der Maggid mit scheinbarer Entrüstung, wie könnt ihr so etwas sagen? Kommt her, antwortet der Rabbiner, hier ist das Sefer, da stehlS drin. Nun, antwortete jener, was wollt ihr denn? Wenn es da drin steht, Hab' ich es doch nicht draus genommen; es steht ja noch drin. "" Allgemeine Zeitung des JudentbumS. No. 16. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: David Friedrich Strauß. —. Lesefrüchte: Die Kaffern jüdischen Ursprungs? — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland- Daireuth, München. Preußen: Berlin, Bonn. Oesterreichisch er Kaiserst a a l: Wien, Wien, Prag, Pesth, Krakau. Frankreich: Paris, Paris. Schweiz: Zürich, St.-Gallen. Italien: Ferrara. Rußland: Warschau. Nordamerika: New-Dork. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y* Thaler. ich» Redacreur: G. Fritzfckie. chhanttung in Leipzig- — Druck von <8. Äreofing in Leipzig-