Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 16 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Entkommen der de Castro'- und Selboms batte große- Aufsehen und bei dem General Buttler Zorn und Erbitterung hervorgerufen. Dennoch schrieb man es dem Obersten Richardson nicht z«, denn man hätte es nicht begrifft«, wie ein so tief gekrankter Mann die Urheber seine- Mißgeschickgerettet haben könne. Alle-, wajene in Besitz gehabt, wurde confi-cirt. Da endlich trat Robert mit d^c Zurückforderung dessen hervor, wafrüher fein Eigenchum gewesen. Selbst Buttler vermochte nicht, ihm die beiden Plantagen zu verweigern, die Selvom an sich gerissesi. Sie waren freilich in diesem Augenblicke fast werrhl^s. Aber die Stunde de- Glückeharre wenigstenfür den alten Cock wieder geschlagen. .E» gab wieder etwafür ihn zu verwalten. Rodert gab ihm unbeschränkte Vollmacht, mit den Planlagen anzufangen, waer könne und wolle, und Cock versprach, sie in einem Jahre wieder ertrag-fähig zu machen. Was der alte William versprach, konnrb man sicher alschon erfüllt ansehen. — Bon dem Vermögen de Castro'- war nichts zu retten; die Liegenschaften waren mir Beschlag belegt und feine Baarschafken staken in Vorschüssen an die Regierung der Conföderirten und wirren so für den Norden auf immer verloren. Fügen w:r h!>er gleich hinzu, daß auch Selvom die Stadt gleich einem iBettler verließ. Er begab sich nach Richmond, aber die dolckigen Machthaber sahen in ihm nur den kleinlichen Ränkeschmied und schurkischen Verräther und wollten nichtvon ihm wissen. Er ließ sich in einer Stadt im Süven al- Advoiak nieder, aber ohne Connexionen, wie er war, kam «!r nicht auf; ein böse- Berhängniß schien über allem zu walten, was er unternahm; seine Verzweiflung betäubte er mit geistigen Getränken; er sank und der wild« Strubel de- L^benverschlang ihn und riß ihn in die bodenlose Tiefe. Äa- Mißvechältniß zwischen dem General Buttler und dem Ödersten Richardson, dadurch den Unwillen, den das ^chrrckenSregiment Buttlerin Roden'- Vaterstadt in diesem erregte, immer gespannter wurde, nölhigte denselben^ seine Entlassung audem Buttlec'schen Corps zu nehmen, ein Schritt, der übrigenmit den Herzenswünschen Robert'- üdereinstimmte. Er ging nach New-Pork und wurd^ von Antonien mit dem Glücke der Liebe begrüßt. Sie bedurfte seiner Aufrichtung, denn vor wenigen Tagen hatte sich da- Grab über ihrem Vater geschlossen. Kränkelnd war er nach New»Dort gekommen; der unermüdlichsten Pflege seiner Tochter konnte eS nicht gelingen, die Fortschritte seiner Auflösung zu verhindern, und so war er in ihren lArmen sanft entschlafen. Robert brachte sie zu einer ihm gefreundeten Familie. Er hatte beschlossen, noch einen Feldzug für die Union mitzumachen. Denn es wioersprach ihm, | jetzt um seiner Liede, um der Befriedigung seiner persönlichen Wünsche willen feinen Arm dem Vaterland« zu entziehen. Auch sollte die Trauerzeit Antonienvor» übergehen. Gott war mit ihm. Die Strapazen und Gefahren einekühnen und siegreichen Feldzügein den Süden gingen glücklich an ihm vorüber. Mach seiner Rück ehr nahm er, begleitet von den Auszeichnungen seiner Vorgesetzten, von der Achtung seiner Mitbürger und von der siiede seiner Untergebenen, seinen Abschied. Bald vereinigte ihn der süßest« Bund mit seiner Antonie, die wieder jn aller Jugendfrische erblüht war. Der alte Cock richtste ihm eine Thätigkeit ein, die ihn mäßig beschäftigt und ihm gestattet, feine Theilaahm« an der öffentlichen Wohlfahrt in tceu>r Bürgerpflicht nach allm seinen Kräften und bei jeder Gelegenheit zu bechätigen. Dr. L. PH. Die Juden in der Stadt Posen. Im Handwerkerverein ln P. hielt in diesen Tagen ein Herr Hers« einen Vortrag: „Au- Posenver, gangenrn Tagen", und zwar wählte derselde sich das inreiessanle Thema über die „Geschichte brr Jude« in Posen", eine Passions^fchichte auvergangenen Tagen. Wir entnehmen der „Ostdeut. Zeitung" folgenden Auszug. Nachdem Wladislav Lokietek gestorben war, bestieg sein Sobn Kasimir der Gr. den polnischen Thron. Er übte Gerechtigkeit gegen jedermann und beförderte mächtig die Wohlfahrt seine- Landes Er liebte eine Jüdin,-Esther, welche sein Herz zu Gunsten delange unterdrückten Bolkes drt Juden zu bewegen wußte. Bereits früher hatte Boles, lauvon Großpolen den Juden seine- Herzqgthums, die meistenau- Bödmen eiagewandert waren, durch ein Privilegium von 1264 Schutz und Recht garantirt; diese Privilegien wurden erweitert und auf die Juden in ganz Polen au-gedehnt. Diese Privilegien zogen sehr viele Huden au- Deutschlano nach. Polen hi«,'um so mehr, ali. I. 1359 infolge der Pest eine furchtbare Verfolgung über die Juden in Deutschland ergangen war. Ja Polen gerieth der Handel, der einzige Erwerbszweig, der ihnen offen stand, bald in die Hände, bet Juden; sie-gelangten zum B.sitze von Reichthümern und schossen dem Könige Ka, simir Gelder vor, welche derselbe zux Erbauung von Städten und zur Hebung de- Handels verwandte. Im I. 1369 wurde die erst« Synagoge zu Posen erbaut. -Ali. I. 1370 Kasimir der Gr. starb, war die glückliche Zeit für die Juden vorbei; ihm folgte Ludwig von Ungarn, welcher die Juden haßte. Seitdem, mit dem Ende de- 14. Jahrhunderts, begann für die Juden auch in der Stadt Posen eine Zeit der Verfolgungen, welche Jahrhunderte lang gewahrt hat. Man wies ihnen die Tuchmacher- Straße, später Juden-Straße, als Wohnsitz an (da- Ghetto Posen-). Ja diesen engen Raum zusammengedrängt, bauten sie Häuser, welche viele Stockwerke hoch waren und oft die Veranlassung zu gefährlichen Feuer-brünsten boten. Po brach i. I. I486 im Juüenviertel eine F.uersbrunst ans, welche auch dir Dominicaner-Kirche sowie das Kloster zerstörte. Der Pöbel maß den Juden alle Schuld diese- Brandes bei, ermordete viele derselben, ihre Häuser wurden geplündert. 2000 Ducaten Buße mußte die Stadt hiefür zahlen. Ali. I. 1500 wiederum eia Brand die Juden» Straße verheerte, verließen sämmtliche Juden di« Stadt Posen, um der Rache de- Pöbels zu entgehen. Durch Vermittlung zweier polnischer Großen, Stanislaus Göcka und Anvreas Opalenski, wurde den Juden gestattet, wieder zurückzukehren; doch mußten sie bi-Martini 1502 wieder die Juden »Straße aufdauen. Ader nicht allein auf einen engen Raum beschränkte man die Juden, sonder« auch ihren Handel suchte man möglichst einzuschränken. So erließ der Magistrat von, Posen 1520 «ine Verordnung, durch welche den Juden der Detailhandel untersagt wurde, und i. I. 1522 erlangte diese Beiordnung durch den König Sigi-mund I. gesetzliche Kraft. Darnach durften, sie alle Schatttwaaren nicht nach der Elle sondern nur stückweise, Felle nur in größeren Mengen, verkaufen; auf