Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 16 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
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64 dem Markte durften sie nicht eher etwa« kauferi, al« bi« die Christen sich mit allem versehen u. s. w. iHrvtz aller dieser Einschränkungen besaßen die Juden. Lama » -bereit« 88 Hauser in der Juden-Straße tjnd außerdem einige auf dem Markte und in anderen Straßen. 1536 eanrragle der Magistrat beim Könige Sigismund, daß I ie Juden nach der Fischerei (Rybaki) hioausgewiesen werden möchten, indem von. der feuergefährlichen Juden-Straße der der Stadt fortdauernd Gefahr drohe. Der König, damit einverstanden, deaufrragke mit Ausführung ciestr Maßregel den Woywoben Luca« G«'»rka, einen Protestant n; dieser war entschieden gegen die Maßregel und setzte e« durch, daß dieselbe zurückgenommcn wurde. 1537 und 1538 erfolgten alSdann allerdings wieder beschränkend Bestimmungen; so wurde den Juden das Tragen eu er gelben Mütze andefohlen, 1544 wurde ihnen der Ern erd neuer Häuser untersagt. In demselben Jahre wurde dt rch König Sigismund August dem Magistrat das Recht ,i,geräumt, die von Juden erworbenen, früher den Christen gehörigen Grundstücke zu ronsisciren. Der Vorstand verluden trat deswegen mit dem Magistrat in Unterhandln igen und schloß 1558 mit demselben eine Convention a^, die den Juden allerdings vielerlei Beschränkungen auferleg!«. 1541 verlangten die Juden die Selbstverwaltung .im . usgedehntesten Maaße. An idr.r Spitze stand ein Vorst >nd. destehend au« Schriftgelebrren, einem Raboiner rnd einem Syndicu«; dieser Vorstand legte der Gemernd Steuern auf und konnte das Recht der Todesstrafe au lüden; er stand direct unter dem Woywoben von Posen, dem die Judengemeinde ein bestimmte« Gehalt von KN Duralen zu zahlen harte; der Woywob« galt al« Schltzheri! der posenec Juden; besonder« erwarben sich deren Kietze und Verehrung die Woywoben Luca« und Andrea« ^ürka. —' Unter Stephan Batory's Regierung erlangten die Juden sehr viele Rechte, die aber unter dessen Nachfolger, Sigismund UI., wieder bedeutend eingeschränkt wurden; so wurde durch «ine königliche Verordnung im Jahre 1620 den Jude« verboten, in den Vorstädten zu wohnen. Unter Johann SodieSti erlangten die Juden wiederum viele Freiheiten. 1736 .hatte sich da« Gerücht verbreitet, die Juden hätten «in Christentind von der Deoelianerstraße erschlagen, um dessen Blut zur Heilung ihrer blinden Kinder zu benutzen; zwarging die Aufregung de« Pöbel« noch glücklich vorüber, aber ein Edict de« König« August 111. vom Jahre 1749 setzte fest, daß die Juden jeden Umgang mit Christen meiden, daß Juden keine christlichen Dienstboten halten sollten u. s. w. Im Jahre 1778 versuchte man, allen diesen beschränkenden alten Bestimmungen neue Kraft zu verleihen, aber — vergeben«. — Seitdem sind Jahrzehnte dahiagefloffen, ohne daß der Zwiespalt zwischen Christenthum und Judenthum zur vollkommenen Ausgleichung gekommen wäre. Der Geist mittelalterlicher Intoleranz scheint gerade von denjenigen Ständen heraufdeschworen zu fein, bei welchen man Intelligenz und Büdung voraussetzen sollte. Jahrzehnte wersen wohl noch veigehen, ehe der Christ in dem Juden, der Jude in dem Christen nur den Menschen sehen wird! Biel har bereit« bas Dereinswesen zur Ebenung der bestehenden Unterschieb« beigrtragen, so auch der Hand» werkerverein, der. getreu seinem Wahlspruche: „Bildung", vor allem auch die Toleranz fördert. Zwar hat man bei seinem Entstehe» den Versuch gemacht, den alten Kampf zwischen Christenlhum und Judenthum in seine Mitte hineinzuschleudem; aber diese? Versuch ist gescheitert an dem guten Geiste, welcher unfern Verein beseelt. — Herr» de Saulcy's Ausgrabungen in Jerusalem. Der Senator de S.rulcy, Mitglied des französischen Institut«, und der Aod«? Michon sind von einer langen und fruchrrerchen Expedition in Palästina und dem tran«- jorbanii'chen Arabien (schreibt man au« Rhodosauf der Rückreise nach Frankreich begriffen. Sie haben ihren Freund und Mitarbeiter Hrrr.^Aug. Salzinann, der feine Ausgrabungen in Camiros fons.tzt, auf Rhodos zurvckgclassen. Die Ergebnisse ihrer Rleife sind, wie es scheint, herrliche. Sie waren im Stande, mir vollständiger Freiheit die innere Ringmauer de« salomonischen Tempel«, welche bisher nur einige wenige Reisende ö«imlid5frroeif? besuchten, in den Bereich ihrer Forschungen zu ziehen, Gerüste zu erbauen und Abdrücke zu nehmen unp die der FeuerSdrunst, welche den Tempel bei der Einnahme Jerusalems durch Titus zerstörte, entgangenen kostbaren Ueberceste der salomonischen Architektur zu zeichnen. Die wichtigste dieser Arbeiten aber ist die Ausgrabung und vollständige Aufdeckung der unter dem . Namen „Grad der Könige" bekannten umfangreichen Nekropole. Das Sühn,«-Denkmal, welches der König Herodes auf diesen Gräbern hakte errichten lassen, nachdem sie entweiht worben waren, um die darin enthaltenen Schätze zu rauben, ward, inmitten der Trümmer, die den Haupteingang versperrten, wieder aufaefunden. Außerdem haben die Reisenden das unerhörte Glück gehabt, eine noch unverletzte, mit vieler Kunst versiegelte Leichenkammer zu entdecken, in welcher der Sarg eines Königs von Jerusalem deigesetzt war. Eine prachtvolle Inschrift in hebräischen Buchstaben aus der ältesten Zeit ist auf dem Dordertheil des Sarkophags eingegraben. Der königliche Leichnam, welchen dieser kostbare Marmorfacg enthielt, zerfiel in Staub, als die äußere Luft in die Höhle einbrang. Dieses Denkmal, einzig in seiner Art, und wie kein europäisches Museum ein ähnliches besitzt, ist im Louvre angekommen mit den andern während der Erpedilion entdeckten Alterthümern. Das Ganze ist bestimmt, ein hebräisches Museum zu bilden, und wird von großem Interesse sein. Hr. de Saukcy wird in Bälde ein Werk über die Resultate feiner Expedition herausgeben. Allgemeine Zeitung des Jubenldum« No. 15. 1K*>4. Inhalt: Leitende Artikel: Strauß und Stahl. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nachMaimonide«. VI. — Zerstreute Bemerkungen — Literarischer Wochenberichr — Zeitung«uachrichten: Deutschland- Leipzig. Preußen: Berlin, Berlin, Bielefeld. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Au« Obcrungarn, Mirkolz. Frankreich: Pari«, Pari«. Schweiz: Bern. Italien: Aus Oberitalien. Donaufürstenthümer: Bukarest, Bukarest. Rußland: Warschau, Mitau. Portugal. Amerika: Eurayao. ty Zu beziehen durch jede« Postamt uud jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalrr, vierteljährlich % Tbaler. Verantwortlicher Redacteur: S. Kritzsche. Beri«g von Vachd»»dl»ag i» Vei9)ig- — Dr»«t vov G. ffteefing i»