Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 16 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 62 ihre gebeugt, Gestalt. Undaus jedem ihrer Äorre, aus jedem Blick und Ton sprachen Wahrheit und unmdlicher Schmer; zu Robert; die Gewißheit, daß dieses ihm so theure Wesen ihn doch noch liebe, wahrer und reiner liebe als je, das unbezwingbare Verlangen, sie zu trösten, zu retten, ihren Kummer zu zerstreuen, überwanden in chm jede Zurückhaltung; er stürzte zu ihr hin, ergriff ihre Hände und rief, chald Schmerz, halb Jubel: „Antonie, Du bist mein, nichts soll uns mehr trennen!"-. . . Ihr Haupt lag an feinem Herzen, er hielt sie fest an sich gebrückt und Worte der Liebe und des Verständnisses flössen hin und zurück. Doch nur kurze Zeit; Seide faßten sich schnell, Rodert sprach: „Wir baden, theure Antonie, keine Zeit zu verlieren; schnell muß gebandelt werden- Ich weiß. General Buttler entwirft soeben mir seinen Creaturen die ProscriptionSliste'; daß Dein Vater mit odenansteht in ibr, ist zweifellos. Zbc müßt fvlt, noch in dieser Stunde, denn während dieser Nackt wird man die Pcoscridirten aufheden. Wo ist Dein Dakers" Ein neues Zittern überflog bei diesen Worten Antonie und mir zögernder Stimme sprach sie: ,,Komm, ich will Dich zu ihm führen." Sie geleitete ihn curch einige Zimmer diin da« letzte. Hier saß Pere; de Castro in einem Lebnstudl, eine zusammcngebrochene Gestalt, den Kopf auf die Brust gesenkt, die Hände gefaltet, mit starrem Blick und graMdurckfurchcen Zügen. Er murmelte Worte vor sich hin, die theilS wie Flüche, rheils wie Klagen und Jammer rönren. Er hörte nicht auf das Geräusch der Eintretenden, bis sie ihm ganz nabe waren; dann fuhr er zusammen, begann furchtsam zu schreien und wollte sich äüfraffen, um zu entfliehen. Robert erkannte mit einem Blicke, was hier vorgegangen. Die Schrecken der vocangegangenen Tage, der Ruin ,'ernes Vermögens, die Furcht vor dem Schicksal, das ibn treffen werde, harren den allen, früher noch so rüstigen Mann gebrochen und seinen Geist umnebelt. Robert trat zu ihm und beruhigte ihn mit sanften Worten. Perez, der anfangs vor seiner Unifo m zusämmeng,schreckt war, sammelte sich nach und nach rnb begann ihn an Gesicht und Stimme zu erkennen. ,,^a, retten Sie mich, Richardkon, retten Sie mich. Sie sind ja der beste Mensch von der Welt!" rief der kindisch geiporbene Greis. Rodert wandte sich zu Antonien. „Ihr müßt mir sofort folgen; wir dürfen keinen Augenblick verlieren; würden die Häscher ButtlerS uns treffen, so vermöchte ich niättS mehr; aber Gott, der in sriner^Weisheit so viele Trübsale und Prüfungen über uns verhängt hat, will un« durch seine Hilfe lohnen. Heute Mäta^ lief zum ersten Male wieder der englische Dampfer „Adelaide", derselbe, der mich nach New-Dort gebracht, i« Hafen von New - Orleans ein und der Capitain, mein treu ergebener Freund, besuchte mich gegen Abend. Dahin will ich Euch bringen, in seinen Räumen seid Ihr sicher, kein Äewaffnrter bars seine Planken betreten. Hülle Dich lund den Vater tüchtig ein, Ihr braucht sonst nicht« mirzunehmen." Antonie eilte und ist wenigen Minuten hat^e sie die nöthigen Gewänder herbeigefchaffz und sich und ihren Vater damit bekleidet. Sie nahm in der That nichts I mit als ein kleines Kästchen, welches die ihr gehörigen K leinodien barg. Schon waren sie im Begriff, das Gemaü, zu verlassen, als Anronie plötzlich still stand. Sie ergriff Robert'« Hand und sprach mit bewegter Stimme: „Rrbert, Du sprachst von den Prüfungen, die Gott über uns verhängt hat; ja, eS steht Dir noch eine solche bevor, eine harke Versuchung, aber ick weiß. Du wirst siegreich daraus hervorgehen. Rodert, im Keller dieses Hauses hält sich Selbem versteckt; als unsre Milizen aus der Stadt geworfen wurden, war es ihm nicht möglich geworden, mit hinaus;u kommen; nirgends sicher, hat er hier seine Zuflucht gesucht; wir durften sie ihm nicht verweigern, ohne uns selbst der größten Gefahr auszusetzen; er wirb hier entdeckt werden, und wo nicht, verhungern. Robert, auch ihn mußt Du retten . . Die Hand Roberts hatte sich bei diesen Worten unwillkürlich auS der AntonienS gezogen; er stand .wie erstarrt da und nur sein keuchender Athem verrielh den Kampf, der in ihm vorging. Antonie blickte ihn flehend an und flüsterte ihm zu: „Thue es, Rodert, thue es; erst dann haben wir gänzlich gesiegt." Diese Worte trafen Vas Herz RodertS; er arbmete rief auf und antwortete: „Du hast recht, Anronie; in dem Augenblicke, wo wir Gott um feinen Beistand zu unserer Rettung anrufcn, dürfen wir unsre Hilfe auch dem abscheulichsten Menschen nicht versagen. Aber mir uns kann er nickt gehen; er darf nicht dieselbe Luft akhmen, Anionie, er würde sie vergiften mir seinem Hauche. Laß ihm durch die Dienerin /agen, daß er in zwei Stunden an derselben Hinrerpforle, durch welche wir daS HauS verlassen, meiner harre; ich werde ihn durch das Südrhor, wo glücklicherweise heute Nacht meine eigenen Jäger die Wache haben, aus der Stadt schaffen. Laß ihm sagen, daß. wenn ich ihn nicht antreffe, ich hinweggehe undmich nicht weiter um ihn kümmern werde." So verließen die drei durch eine kleine Hinterpforte, di« auf ein dunkles, fasi unbewohntes Nebengäßchen mündete, bas HauS. Robert führte Antonie und ihren Vater an feinen Armen; in der nächsten Hauptstraße bestiegen sie einen Fiaker, den sie eine kurze Strecke vom Hafen wieder verließen, und gelangten glücklich dahin. Eine Patrouille, auf die sie stießen, und die Wache am Hafentbore machten dem tapfern Oberst, der im ganzen Butkler'schen Corps so viele Liede und Achtung besaß, keine Schwierigkeit. Robert kettete einen Nachen vom Ufer los und ruderte selbst nach dem Dampfer, der in dem noch immer vereinsamten Hafen leicht aufzufinben war. --Ein Ruf an den wacklhadenden-Matrosen brachte den Capitain an die Brüstung, die SchiffStreppe fiel auf dessen Eommando alsbald nieder und Vater und Tochter waren in Sicherheit. Robert halte während der Fahrt Antonien mit den nöthigen Anordnungen bekannt gemacht, ein Kuß und eine innige Umarmung war ihr Scheidegruß, dann eilte Robert zurück. An der Hinterpforte des de Castro'lchen Hauses stand eine vermummte Gestalt. Robert winkle ihr, ihm zu folgen; kein Wort wurde gewechselt. Am Thor« gab Robert seinen Begleiter für einen Diener aus, den er einer wichtigen Botschaft wegen nach der Dorstadt schicken müsse'; sie wurden hinausgelassen, Robert leitete den Vermummten noch bis zum letzten Hause der Dorstadt, wandte sich bann um und verließ ihn, ohne zurückzublicken. VIII. Einige Monate später saß Robert auf einem Divan neben Antonien in einem eleganten Boacdlnghaufe zu New» Pork. Vor einer halben Stunde war er angekommen und eine ungetrübte Seligkeit wohnte in den Herzen der beiden Menschen, die sich nun endlich wieder angehörten. >