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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 16 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
16 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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iU' Jüdisches Bolksvlatt. i Zur tefjrumj und Anteehattung auf jüdischem ^eötete! ' HcrauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. [Mo. 16. 1864.] Bo» dieser Zeitlckrifr ersLetst wöLeutlich «ue Mummer. Preis dr» Jahrgang« t Thlr. Bieneijädriz l\c Ngr. Hflc Vuchbaodl»ngn>, Postämter o»v Zriw»g»expevinöoc» »rbme» Veftelluoge» aa. [11« Jahrg. Z. Q uartal.] Die Union. . Eine Novelle. (Schluß.) VII. Aler noch diesen schwankenden und peinlichen Erwägungen hingegeben war, kam in der Dämmerung ein Knabe1 zu ihm, der ängstlich schien, ihn allein zu treffen, und übergab ihm einen Brief. Der Knabe war eilendwieder verschwunden. WaS machte Robert mit so starrem Blicke und unbeweglich die Aufschrift des Briefes anfeden? Er hatte auf den ersten Blick die Handschrift Antonienerkannt. Endlich ermannte er sich, riß eilends da- Couvert auf, entfaltete den Brief und las die Worte: „Rodert! In der höchsten Gefahr nehme ich meine Zuflucht zu Ihnen. Daß ich dies thue, zeigt Ihnen, baff ich weiß, Sie haben meiner nicht vergessen. Auch ich that es nicht, so sehij der Schein wider mich zeugt. Vielleicht gelingt eS mii. Ihnen das furchtbare Räthsel za lösen. bin ich in der äußersten Noth und bedarf der schleunigsten Hilfe, j Darum rufe ich Sie. Kommen Sie eilends, damit >eS nicht zu spät werde! Antonie." D^S Herz Robert'S wallte wie im Fieber auf. Er hatte allevergessen, waS ihm gethan worden? er sah nicht auf das kalte „Sie", bas doch die ganze Kluft dezeichnete, die zwischen ihm und der Geliebten weit gähnte; er sah nur Eine-, die Theure, Unvergessene war m Gefahr und rief ihln zu ihrer Rettung herbei; und dann sah er noch, daß ein schreckliches Räthsel zwischen ihnen lag und sie glaubt«!, es lösen zu können. — War dies der aufglimmende Schimmer einer neuen Hoffnung? ... Er eilte-Hort. Bald stand er vor de>n Hause der de Castro'-. Er klopft«, män hatte ihn erwartet, die Riegel wurden von innen zurückgeschoben, die Pforte öffnete sich und wurde schnell hinter! ihm wieder geschlossen. Eine alte Dienerin führte ihn üüer den Hof zum Hintergebäude und ließ ihn, nachdem er einige Gänge durchschritten, in ein kleine- Gemach ein. kaum war er eingerreten, so öffnete sich die gegenüberliegende Thür und Antonie stürzte herein. „Bist Du da, Rrbert!" rief sie die Hände ringend au-. „Ja, ich wußte e-. Du würdest kommen, wie ein Engel des Heils und dir Rettung!" . . . Wie verändert stand sie vor ihm! So bleich, di« Wangen eingefallen, die Augen geröthet, ihre Kseiduvg, wenn auch nicht vernachlässigt, doch so fern von jener feinsten Eleganz und Mode, welche früher An, tonUn1 so au-gezeichnet — und doch war sie nicht minder schön, vielleicht in Rodert'- Augen schöner als je. Er war tief erschüttert von diesem Empfang. Wie unbewußt bas ehemalige „Du" wieder über ihre Lippen flog und sie so ganz vertrauend und hingegeben zu ihm aufblickke, war es ihm, als ob er sie an sein Herz -rücken und voll Jubels die Seine nennen sollte — abftj schnell fuhr der Gedanke an ihr. gegenwärtiges Berhältniß zu einander durch seine iöeele und mit ruhiger, wenn auch gefühlvoller Stimme sprach er: „Miß Antonie, ich bin gekommen, da Sie mich riefen." Antonie war betroffen, sie schien noch mehr zu erbleichen, sie fuhr mir der Hand über Stirn und Augen und hob dann an: „Ja, Sie haben recht. Ich m^lß ja vor allem, wie ich «-^versprochen, das Räthsel lösen, danoch zwischen uns llegt^ Nein, Robert, ich will mich nicht auf die Verzweiflung und Entrüstung berufen, mit der mich Ihre Trennung von mir erfüllte, nicht, daß ich vergebens harrte und harrte, ob Sie mir nicht edl Lebenszeichen, eine Kunde von Ihrem Gedenken, ein Zeichen, daß Sie mich nicht ganz aufgegeben, senden würden. Als ich meinem Vater immer und immer wieder und seinem Anstürmen — meinen Widerstand entgegengesetzt — Bit reichte mir eines Morgens schrecklichen Andenkenmein Vater Zeitungsblätter auS Philadelphia und New »Dock, in welchen, Robert, Ihr Tod in einer Schlacht, Ihr Leichenbegängniß, die Trauer um Sie beschrieben waren. Ich weiß es jetzt, mein Vater war damals selbst betrogen, der schurkische Seldom, tzen ich freilich damals als meinen einzigen Tröster und Vertrauten meine-Kummers betrachtete, harr« zwei Zeitungen Nachdrucken und diese falsche Trauerkund« hineinbringen lassen, und -lmein Vater nach kurzer Zeit diesen furchtbaren Betrug ebkannte, war die Wirkung , auf mich schon geschehen und fr wollte den Erfolg nicht aufgeben. Doch auch da hätte ich nimmer eingewilligr, wenn mein Vater sich nicht mir fast zu Füßen geworfen, weil der listige Seldom nach und nach sein ganzes Vermögen in die Hände bekommen und ihn so umgarnt hatte, daß er ihn durch seinen bösen Willen jeden Augenblick ins Verderben stürzen könnte. , Ach, ich ahnte schon da, malden unermeßlichen Umfang der Schlechtigkeit dieses Menschen; aber was sollte ich thun? Sie todt, mein Vater zu meine« Füßen — fühlte ich doch, daß, bevor ich da- Weib dieses Mannes werden würde, der Toh mich von allen meinen Qualen befreien werbe ... O, Robert, was bade, ich gelitten! — gewiß hat noch kein armes verlassenes MLdchenherz mehr ertragen . . ." Sie hatte sich adgeiwendet, wankte einige Schritte nach der andem Seite des Zimmers, bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und eia krampfhaftes Schluchzen zuckt« durch

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