Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 15 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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? 59 — stück s)ie von Seldom damals! Unterzeichnete Abschrift des seNuestrirtea Inventar- und fordert« Robert auf, sofort die Wiedererlangung degeraubten Guteanzuordnen. Wie efstaune« er, al- Robert diejetzt rundweg ablehnte. Dietnüff«, erklärte dieser, bis zur Rückkehr des General« Buttler unterbleiben, da er nicht den Borwurf auf sich laden dürfe, sein« Stellung zu seinem Bortheile zu verwenden. Der alte William trotzte darauf, daß es ja da« Eigenthum RichardsonS gelte und daß, wie es das erste gewesen, eS ihm zu rauben, niemand radeln könne, wenn eS daS erste wäre, eS sich wieder anzueignen. Robert blieb Landhaft und der alte Cock ging weniger vergnügt von dannen, aler gekommen. Als der Abend angebrochen und Robert die verschiedenen Meldungen seiner Ordonnanzen entgegengenommen, Ruhe und Ordnung in der Stadt gesichert waren, hüllte er sich in einen Mantel und verließ obne eine Begleitung da- RegkerungSgebäude. Wir wollen eS nur gesteden: di« Sehnsucht seine- Herzentrieb ihn an, wanigstenö die Stätte wiederzusehen, wo er so oft de« reinster Glückes genossen, die Statte, wo die weilm mußte, der mch immer sein ganze- Herz gehörte, deren Berlust ihm s tief in der Seele brannte. Er durchschritt die Straße a, die jetzt so still lagen, bisweilen nur von den klirren! en Fußtritten der Patrouillen duechhallt. Er kam in da« Quartier, wo die Großen der Geschäftswelt residir» ten, u ld gelangte bald zu dem Platze, wo da- Haubebe Ca iro stand. Die rstacht war dunkel, tiefgehende- Gewöl hatte den Himmel überzogen, so daß kein Stern den di hten Schleier mit seinen Lichtstrahlen durchdrang. Die E a-flammen brannten düster, denn es begann ein schwere: Nebel sich auf die Erde niederzusenken. Kaum konnte sein scharfe- Auge dagesuchte Hauherau-erlennen, denn o dunkel wie die Nacht lag eS in den Schatten der Fi rsterniß. Keine Kerze brannte in den Vvrderzimmern l es Hauses. Er zählte die Fenster im zweiten Stock ab, wo er die Gemächer Antonienwußte; aber vergebenhoffte er, daß irgend ein Lichtstrahl, durch die Vorhänge dringer d, ihm verrathen würde, baß hier ein lebendes Wesen weile. Er gewahrte nicht- und die Wohnung, welche die Geliebie seines Herzenherbergte, schien ein Haude- Todezu sein. Da legte sich tiefe Schwermuth in seine beängstigte Seele; noch einmal stieg in ihm da- Bild dessen auf, was ihn zum glücklichsten Menschen gemacht hätte md wie er enun auf immer verloren. Bald murmelte er vor sich hin: Warum bist du mir untreu, gewordm, Antonie? Warum hast du die Eide gebrochen, die du mir in glücklichen Stunden geschworen? Warum hast di nicht au-geharrt, bidie Stunde der Erlösung gekommen? Wie konntest du dich verleiten lassen, einem anderen angehören zu wollen? Bald faßte-der bitterste Ingrimm, feine Seele, er ballte die Faust unds hob sie drohend auf, denn der Gedanke an Seldom stieg in ihm auf: Ha! ckenn ich dich hier hätte, du treuloser, heimtückischer Schunel ... So stand er wohl länger al-eine Stunde und spähete vergebens, ob sich etwain dem Hause rege. Aber tblieb stumm wie «ine Gruft. Denn daböse Gewissen treibt die Menschen an, sich zu verbergen, und ahnt die Gefahr, J>f«? im Lichte dc^ Tageüber sie kommt. T^ann s ging er, still trauernd Über daverlorene Glück, wkeoer!in sein Quartier zurück. Ab!er diese Stille in New «Orleans sollte nicht lange dauern. Sie war nur da- Schweigen in der Natur, bevor der Sturm lo-bricht. Drei Tage später kehrte Buttler nach der Stahl zurück, nachdem er die Gegend weithin von Feinden gereinigt, sie theil« in die Flucht getrieben, theilgefangen genommen. Mit ihm kehrte da- Regimmt de-.Schreckenein. Er ließ die Verordnung ergehen, daß jeder Einwohner von New-Orleans der Union von neuem den Eid der Treue zu schwören habe; wer dieverweigere, müsse binnen 24 Stunden di« Stadt verlassen und dürfe nichtweiter aldie Kleidung auf seinem Leibe und Leben-mittel für drei Tage mit sich nehmen, seine ganze ützrige Habe falle dem Fi-cuder Union zu; ausgenommen seien nur die Beamten, Agenten, Lieferanten und compromittirtesten Anhänger der verjagten Rebellen» regierung; wer sich von diesen noch in der Stadt befinbe, solle vor ein Kriegsgericht gestellt und von diesem nach Befinden mir Kerker oder Hinrichtung bestraft werden. An dem Morgen, wo diese- Decret erschien, verbreitete sich ein grenzenloser. Schrecken über alle Bewohner der Stadt. Wer war nicht compromlktirt? Wo würde da die Grenze gezogen werden? Al-bald drängt« man sich haufenweise zum Rathhause, um den Eid der Treue zu unterzeichnen und sich ein Cettificat darüber ausstellen zu lassen. Dennoch war eine große Zahl der Bürger entschlossen, mit Aufopferung ihre- Besitzthums die Stadt zu verlassen. Die Unterdrückung hatte noch nicht lange genug gedauert, um den freien Sinn der Bürger zu brechen und sie zur Untreue gegen ihre Ueberzeugung zu bewegen. Aber noch wurde ihnen der Abzug auder Stadt nicht gewährt: erst müsse die Liste der Compromittirten aufgestellt werden, um die Böcke von den Schafen ju unterscheiden. Zu dem letzteren Geschäfte glaubte Buttler Robert mit seiner Kenntniß der Einwohner am besten verwenden zu können. Dieser schlug es aber aufs bestimmteste aus und behauptete auf die Drohungen de- General«, daß ihn der-, militärische Gehorsam hierzu nicht verpflicht^ Ja den Tod könne er ihn senden gegen den Feind, nicht aber zum Amte eine« Denuncianten commandirey; er möge ihn vor eia Kriegsgericht, stellen, wenn er glaubte, daß diese« ihn verurtheilen werde. Sie schieden erzürnt von einander und Buttler ließ ihn von Stund' an ohne irgend eine Beschäftigung, waS Rodert sehr willkommen war, ihn aber auch verhinderte, di« Wiedereinsetzung in seine Güter vom General zu verlangen. | Um so mehr füllte sich fein Hers mit schwerer Beängstigung. Der alte Cock'harre ihm mitgetheilt, daß de Castro mit seiner Tochter in New-Orleanzurückgedlieden, daß sie sich zwar in einem Hintergebäude ihre« großm Hause« verborgen hielten, ihre Anwesenheit aber kein Geheimuiß sei. De Castro hatte zwar kein Amt. Verwalter, aber die bedeutendsten Lieferungen übernommen, Antäuft der sequestrirtm Güter gemacht, den Finanzoperationen der Conföderirten seine Hilfe geliehen, und man behauptete, daß er sich bei diesen Geschäften außerordentlich bereichert habe. Ueber seinem Haupte mußte daher da« Schwert de- Kriegsgerichtean rtnem Haare hängen, und war er erst eiagezogen, konnte feine Verurtheilung nicht zweifelhaft fein. Robert schwankte lange Zeit, wie er unter diesen Umständen zu handeln habe. Es drängte ihn, seine. ehemalige Braut und ihren Vater zu retten. Vor seiner Einbildungskraft stand die verzweifelnde Antonie, die ihren Vater zum sicheren Tode gehen sah und in den Abgrund