Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 15 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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vor ihren Füßen hinunlerstürzte. War * nicht seine Pflicht, sie zu retten? Ware eS nicht eia Lr-ubruch seinerseits, ungerechtfertigt durch ihre Untreue, i»ena-er sie in dieser höchsten Roth verließe? Würde er sch in Zukunft jemals darüber beruhigen können, wenn ei müßig ihrem Untergänge zusähe? Von der andern Seite >rfchien eS ihm unerlaubt, sich den Gefährdeten aufzudränl en und ihnen feine Hilfe gewissermaßen aufjunöthigen. Er war zu schnöde von ihnen avgewiefen worben, unl wenn er jetzt von selbst zu ihnen käme und seine Hilfe anböte, könnte eS auSfehen, als ob er ihre Bedrangniß l »nutzen wollte, um sicd wieder bei ihnen einzuführen. \ )i«S aber lag seiner Seele am fernsten, denn noch imme' lebte in ihm die Frage, die fein Herz krampfhaft zusanmenschnürre: WaS vermochte Antonien, einem Seldom reichen?! (Schluß folgt.) die Hand zu Schulter dem Kinde zu und fuhr sodann, ohne daß es ihr das geringste Hinderniß zu machen schien, fort, ihre Arbeit zu beenden. — Doch muß ich auch eines schönen Acres der Pietät der jüdischen Frauen und Jungfrauen in Afrika erwähnen. Jeden Mittwoch gehen dieselben in weißem Ueberwurfe zu den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen, wo sie die Grabstein« unter Weinen, rhetlweise unter Zerreißen ihrer Kleider, mit einer aufgelösten Kreide anstreichen. Um das nölhige Wasser, welches bei dieser religiösen Feier gebraucht wird, herdeizuschaffe», ist stetS eine arme Jüdin zugegen, welche für ihre Mühe von allen Anwesenden Almosen erhält. Ich sah dies mehrmals auf dem Friedhofe, welcher zwischen La Goletta und Tunis, von letzterem Orte circa eine englische Meile entfernt liegt. Auf demselben befinden sich Hunderte von Denkmälern, welche fast alle auS solchen weiß übertünchten, viereckigen Steinen bestehen." Die, Juden in Tunis, In einer Reisebefchreibung, die 186k in Berlin in zweiter Auflage erschien, betitelt „Reise-Alb rm von F. A. Collen", finden wir folgende Notizen aus des Verfassers Aufenthalt in Tunis. „Da der Pascha den Juden besonders abhold ist, so haben dre Juden keine Aussicht, am 4 »ofe ober sonst angestellt zu werden; weshalb sie sich mesi' dem Handel, der Fadricanon und selbst dem Anbau des i andeS widmen, woher es kommt, daß man unter ihnen bi« reichsten Leute findet. Man erkennt die Juden sehr leiht, indem sie sich von den Arabern u. s. w. durch ihre fchr arzen Turbans (Kopfbedeckung) auSzeichnen. Die jüdischen Frauen sind in der Rer el nicht hübsch und sehr untersetzt; sie unterscheiden sich n ihrer Tracht von den anderen Frauen dadurch, daß ihre Kleiber, welche meistentheilS von dunkelblauer Seidesind, s ch fest an den Körper anschlirßen', auch tragen dieselben!leine Schleier, welche an den Flechten der Haare befestigt s nd und von da auf den Rücken herabfallen, ohne das Gesir »t zu bedecken; auch färben sie nach mohamevanischer S lte die Nägel der Hände und Füße roch, wie sie zum Schwärzen der Augenbrauen und Wimpern Khorar« anwen den; sie tragen goldene und silberne Ringe um Arme und Beine, je nach ihren Mitteln. Die jüdischen Frauen der geringeren ( lassen sind im höchsten Grade undelicat, sowohl in Kleidi ng als Geberben. Hier nur ein kleiner Zug., welcher durchaus nicht selten die Augen einer Europäerin beleidigt har: AlS ich eines Tages auf dem Markte von Tunis spazieren, ging, 'kam ich an einer Bude vorbei, wo eine I »bin beschäftigt war, Maccaroni nach Art dee-Jtaliener zu machen; da sie beide Hände zu dieser Arbeit gebrauchen nutzte, so hatte sie ihr kleines Kind mit einem Tuche a af den Rücken gebunden; als jedoch da« arme Geschöpf unwillig wurde und sie eS durch Worte zu stillen nicht »> Stande war, nahm sie eine ihrer Brüste, schwang d «selbe über die Anekdote. Ein Bocher au« der Provinz wurde an zwei alte Junggesellen in der Residenz empföhlen. Von diesen freundlich für den Tag seines Antrittsbesuchs zu Tisch geladen, nahm er sofort diese Einladung für alle Tage geltend an und erschien Tag für Tag pünktlich zum MittagSessen. Endlich wurde er den beiden alten Herren unbequem und sie beschlossen, ihn an die Luft zu setzen. „Tadle Du morgen die Suppe, ich werde sie loben; wir zanken uns und wählen den Bocher zum SchiedSmann. Gibt er mir recht, schmeiß'st Du ihn rauS, gibt er Dir recht, schmeiß' ich ihrt rauS!" — Gesagt, gerhan! — Wie verabredet, entspinnt sich heftiger Streit, der Bocher aber sitzt ruhig und verzehrt still zufrieden seine Suppe. Endlich fahren beide in scheinbar stärkstem Zorne auf: „Bocher, was sag'st Du?" — und der Bocher antwortet: „WaS soll ich sagen? — AlS ich doch nicht werde stören den Hausfrieden für die 6 Monate, was ich noch will essen bei Sie! —" Allgemeine Zeitung des Judeuthumö. No. 14. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Politische Briefe. Hl. — Di« Bildung von Vereinen zu allgemeinen Zwecken. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimooidr«. (Schloß von V.) — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Augsburg, Ulm. Preußen: Berlin. OesterreichifcherKaiserstaat: Wien, Wien, Wien, Pesth. Schweiz: Genf. Dänemark: Kopen- Hagen, Kopenhagen, Kopenhagen. yy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich lA Thaler. Ber mtwortlicher Redacteur: G. Fritzsche. < Verlag oon Canagörtn er'» V»rbha»LUillg ia üripjig. — Druck von G. «reviiug in Leipzig.