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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 12 (1864) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
12 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 sind in der Grundveste unsrer Liebe wird eunerschüti erlich feststehen! Wir haben diesen Sturm nicht herdeigerufm, wir sind nicht schuld an ihm, um so sicherer werben wir au-harren und ihn überdauern ..." | „Ach, dasind schöne Worte", fiel ihm Antonie lail Heftigkeit in die Rede, „und es ist keine Bürgschaft da, ob nur ein einzigedavon in Erfüllung gehen wird. -)u hast mir Treue gelobt und vor dieser muß jede ankere Rücksicht schwinden. Wir müssen uns jeder Gewalt un ecwerfen, um nur die Pflichten, welche wir gelodet und die wir al« die höchsten unsre- Lebenübernommen haben, zu erfüllen. Robert, du mußt hier bleiben, ich beschwrre dich'." ... _ Sie brach jetzt in einen Strom von Thranen und in ein krampfhafte- Schluchzen au-. Rodert saß da, ief erschüttert, fast schwankend in seinem Entschlüsse, nicht n ässend, waer thun, waer sagen soll«. „Waverlangst du von mir, lheure Antonie!" iiob. er endlich an, „ich soll also morgen hingehen, mich den!)e» fehlen Benjaminunterwerfen, hingehen, um etwa nich pflichtgetceue Männer der Unjon zum Abfall zu bereken, die Waffen gegen diese zu rüsten, den Verrarh au-zustrni en, soweit ich e» vermag, ihn aleia göttliche- Gebot, ildie höchste Pflicht deamerikanischen Bürgerverkünds en und mein Herzblut für ihn vergießen. . . Davecn ag ich nicht, Antonie, dakannst du nicht von mir verlang»! Selbst da- Glück, dich zu besitzen, dich mein zu nennen, wäre mir auf ewrtz verbittert; der Wurm der Gewisse r-- bisse würde an meinem Herzen nagen und mich und tich unglücklich machen für alle Zeit; jeder Erfolg, den ich erringen .würde, wandelte sich zu einem schwarzen Damm, der mich Tag und Nacht verfolgen würde. . . ." JDa sprang Antonie auf und rief mir einer Heftigkeit, deren ec sie. nicht fähig gehalten: „So geh. Treuloser, verlasse mich und folge deiner eingebildeten Pflicht! Eist auzwischen un- und mich sollst du nicht Wiedersehen!" . « . Und hiermit eilte sie zum Zimmer hinaus. Rodert wollte ihr nach und rief mit herzzerreißender Stimme: „Antonie, Antonie!" . . . Sie aber haue die Thüre zu dem Zimmer, in welche« sie geeilt, verschlossen; er hörte, wie sie noch mehrere Zimmer schnell durchschritt und deren Thüren verschloß; seine Stimme konnte ihr Ohr nicht mehr erreichen und er sank wie vernichtet auf den Divan nieder. Ob in diesem Augenblicke sein Entschluß wankend geworden, ob er da- Opfer, daer zu bringen im Begriff war, nicht allzugroß fand, und erwog, wie er ihm entgehen könne? Wir wissen enicht; aber endlich machte sich auch seine Verzweiflung in einem Strome von Thranen Luft, dann erholte er sich, murmelte die Worte vor sich hin: „Dem Unabänderlichen muß man sich unterwerfen und-dem göttlichen Geschicke di« Zukunft anheimstellen;" dann erhob er sich und verließ da- Gemach. Ader noch eine schwere Prüfung stand ihm bevor. Er konnte, enicht vermeiden, auch von seinem Schwiegervater sich zu verabschieden. Ewäre ein arger Verstoß, «ine Unhöflichkeit und Falschheit gewesen, sich ohne Weitereau- New »Orleans zu entfernen — die Mutter Antonien« rudle seit einigen Jahren im Grabe. Er richtete daher feine Schritt« nach dem Comptoir dealten de Castro, der al« Banquier sich debesten Rufe- und eineau-gebreitelen Geschäfteerfreute. Seinen geheimen Wunsch^ j ihn nicht zu Hause zu treffen, sah Robert nicht erfüllt; denn auf fein Anpochen rief ihm die wohlbekannte tiefe j und kalte Stimme de- Perez de Castro ein Herein! zu. Freundlich ausgenommen, erregte hier Robert durch den! kurzen Bericht über die Sachlage dasselbe Staunen und j einen gleichen Unwillen wie bei Antonien. „Sind Sie j thöricht", fuhr der alte Mann auf, „wareden Sie da! für Unsinn! Wir sind Bewohner von New-Orleans; , man will uit« unsre- Eigenthumberauben und unsre; Selbständigkeit nehmen; der Staat entschließt sich, diese-! zu vertheidigen, und da haben wir al- Bürger nicht-! weiter zu thun, alden Befehlen unsrer Obrigkeit zu gehorchen. Waweiter daraufolgt, haben wir ruhig zu ’ tragen, wir können enicht ändern. Ader unselbst von vornherein zum Opfer zu bringen, dazu ist gar kerne Der- : anlassung da. Suchen wir vielmehr, auden einmal > gegebenen Verhältnissen den möglichsten Nutzen zu ziehen, j Ich hatte e« auch lieber gesehen. Sie wären dabei unbe-! theiligt geblieben, aber da Sie es nicht abwehren tonnen, j so greifen Sie zu, Robert, und erwerben Sie sich Würden und Verdienste; kommt die Sache ander-, so können Sie dann um so mehr Ihren Frieden mit den Gegnern schließen." Rodert biß sich auf die Lippen, denn eine solche Gesinnung lag seiner Anschauung so fern, daß sie wie ein eisiger Frost durch feine Seele wehre. Er erwiderte endlich: „Ich kann und mag nicht rechten mit Ihnen. Werden wir ja nicht die einzigen sein, deren Ansichten in diesem großen und furchtbaren Ereigniß auseinander gehen. E« mag auch ganz gut fein, baß etliche unserer Glaubensgenossen sich den Conföderirten anschließen, während andere ihre Treue gegen die Union, ihre Aufopferung für die Grundsätze der Freiheit und de- Rechtmit ihrem Herzblure bethätigen. Man wird dann auf keiner Seite für die Gesammtheit ungerechte Vorwürfe machen können. Darum vergessen Sie nicht," fügte Rodert mit einiger Bitterkeit hinzu, „welche Vortheile, wenn die Union siegreich in New-Orleans wieder einzöge, Ihnen daraus .erwachsen können, wenn Ihr Schwiegersohn in den Reihen der Sieger steht, und erhalten Sie mir daher die Verbindung, die mich an Ihr Hau- und Ihre Interessen knüpft." „Das kann ich Ihnen nicht versprechen, junger Mann," erwiderte de Castro. „Wenn Sie so leichtsinnig da- Verhältniß mit meiner Tochter auf« Spiel fetzen, so können Sie nicht verlangen, daß;ich edurch alle Chancen der Zukunft hindurch festhalte. Ich muß dasselbe vielmehr durch Ihre Abreise für vorläufig aufgehoben betrachten. Ich habe Sic al« den Sohn einealten Freundesehr gern in mein Hauausgenommen und Ihren Eintritt in meine Familie begünstigt, obfchoa sich, bevor Sie vor einem Halden Jahre hier wieder angelangt, schon andere, z. B. JJ&c Freund Seldom, um di« Hand Antonien« beworben yarren. Ich sage Ihnen daher offen, daß ich unter so veränderten Verhältnissen den Wünschen eineandern wohl nachgeben könnte, und har sich seitdem Seldom eine so bedeutende Praxi« und einen so großen Ruf erworben, daß ihm eine bedeutende Zukunft, namentlich auch unter der neuen Regierung, nicht fehlen kann. Die Fortdauer seiner früheren Wünsche ist mir bekannt." Rodert stand wie aagebonnert. „Seldom", stammelte er, „hat sich um die Hand Antonienbeworben?! . . , Ha, so wird mir alleklar. So war er e-, der mich

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