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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 12 (1864) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
12 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 bei dem Senator Benjamin verrathen, der diesen auf mich aufmerksam gemacht, der meine Worte belauscht und sie den Machthabern hintrrdracht har! Bei seinerKenntnißmelner Grundsätze und meine« Charakterkonnte er wissen, daß ich vorziehen würde, New-Orleans zu verlassen, und dazu hat er seinen ganzen Plan entworfen. . . Und so soll es dirsem Schurken gelingen? Einem so hinterlistigen und undankbaren Menschen soll ich weichen? . . Liese Entdeckung wirkte so überwältigend auf Robert, daß er fast unschlüssig wurde, od ex seinen bisherigen Entschluß ausführen solle. Au den Opfern der Liebe sollte sich für ihn auch noch das fügen, einem treulosen Freunde zur Erreichung seine« Zielezu vergessen! Der alte de Castro bemerkte dieses Schwanken wohl und redete Robert an: „Ueberlegen Sie sich diewohl, lieber Robert. Ich lasse Sie so ungern scheiden.". Aber gerade dies« Worte brachten Robert wieder zu sich selbst. „Nein", rief er au-, „was ich den Thränen meiner heißgeliebten Antonie nicht gewähren konnte, dawerde ich den Ränken eineerbärmlichen Menschen nicht zugestehen! Wenn Ihnen, Herr de Castro, eia Mensch wie Seldom gut genug ist, um ihn zu Ihrem Sohne zu machen, so muß ich emir gefallen lassen. Al- Scheidender flehe ich Sie an, lösen Sie da- Band nicht, da« die innigste Liede geknüpft hat. Gott wird mich glücklich wieder hierher führen und feinen Schutz und feinen Segen uns nicht versagen." Ec wollte die Hand de Castro'- ergreifen, um sie zum Abschiede noch einmal zu drücken; dieser aber machte eine abwehrende Bewegung und Robert verließ das Cemptoir und da- Haus. Seine Flucht gelang vollständig. Im Dunkel der Nackt riß er sich auden Armen des alten William los, bestieg die englische Jolle und gelangte auf dem Dampfschiff an. Der Capitain geleitete ihn in sein« eigene Cajüte und hier verbrachte er die Rächt und den folgenden Lag. Die Männer, welche in New-Orleanda- Heft der Regierung ergriffen hatten, waren noch mit zu vielen Sorgen und Geschäften beladen, aldaß sie schon eine regelmäßige Aufsicht über Ankunft und Abfahrt im Hafen hätten einrichten können. Robert empfing im Laufe des Bormiltagseine Kiste und, in ein 41t den Capitain adressirteS Couvert «ingeschlossen, eine Meng« Briefe und Wechsel auf New» Jork vom allen Cock, daß es immerhin ein ansehnliche- Vermögen war, welches er mit sich führte. Punkt drei Uhr nachmittaglichtete da- Schiff feine Anker und zu der Stunde, wo der Senator Benjamin seiner harrte, haue das schnell« Dampfschiff die Ufer schon fast außer Sicht. Robert war tief bewegt und sein Herz kummervoll. Die Art, wie er sich von Antonien hatte trennen müssen, enthielt nur Schmerzliches, und da- Bewußtsein, dem Rufe der Pflicht gefolgt zu fein, vermochte noch nicht, ihn darüber zu trösten. Endlich senkte der Schlummer nach den außerordentlichen Aufregungen und Anstrengungen seinen beruhigenden Hauch auf seine Trauer, und aler wieder erwachte, streuet, dle Sonne die Fülle des Glanzes auf dawogende Meer, von dem auseine Blicke nur den tiefblauen Himmel über ihm trafen. (Forts, folgt.) X Anhaltische Juden. Al- Beemann vor ungefähr 150 Jahren seine anhal, tische Chronik schrieb, berichtete der ehrliche Chronist, „daß in Dessau eine starke Judenfchaft vorhanden sei." Vor etwa dreißig Jahren seien nur einige al- Schuhjuden ausgenommen (in der Stadt Bernburg wohnten sie schon feit 1452), sie hätten sich aber so vermehrt, daß sie ihre Religion-Übung öffentlich zu treiben angefangen. So hätten sie auf einem Garrenplatz ein Gebäude aufgeführt, anfangs ohne Namen, durch fürstliches Privilegium aber vom 26. November 1686 sei es als' Judenfchule declarirt worden. Sie hätten sich immer mehr verstärk und wohnten in der Sandvorstadt auf Mierhe oder in eigenen Häusern. Auch in . den dessqu'schen Städtchen Ärödzig und Sandersleben bildeten sich beträchtliche Gemeinden, während sie in Bernburg und Köthen minder zahlreich waren. Am feindlichsten gegen sie war die Stadt Aerdst, von wo sie eigentlich rechtlich verbannt waren. An der Kirche zu St. Nicolai daselbst (wie in Magdeburg in der Nähe der Begrädnißkapelle Kaiser- Otto 1. und in einer Mauer de- Ratbhauses zu Salzburg) war auf einem auswärtigen Pfeiler eine Sau au-gehauen, an, Kopfe und am Schwanz« von je einem Juden gehalten, während zwei andere Juden unter dem Bauche liegen und an ihr saugen. > Im ganzen waren die anhaltifchen Fürsten sehr tolerant und von fanatischem Eifer kenne ich nur den Fürsten Adolph, der al- Bischof von Merseburg im Jahre 1514 die Juden rus dieser Stadt verjagt«, in welcher sie über 100 Jahre friedlich gewohnt hatten. Dagegen besitzt meine Familie noch heute da- Bild meines Urgroßvater-, dessen Namen ich führe, welchedie edle und geistreiche Pauline von Wasdeck, eine Tochter de- Herzog-Friedrich Aldrecht, mit einer Inschrift eigenhändig versah und im Schlosse aufhängen ließ, während ihr Vater am 17. Oktober 1783 wegen desselben Manneein Gesetz pubtizirte, welchediejenigen „ohne, alle Nachsicht mit fünssähcigee Zuchthausstrafe belegte, welche die aufgespanntrn Flanelle de- David Herz zerschneiden würden." Gesetzs. Band I. S. 154. Der Sohn d ese- Fürsten, ein Bruder der Pauline, hat schon am 1. Januar 1810 Gssetzs. Band UL S. 209 in bürgerlicher unl> staatsbürgerlicher Beziehung diejenigen Juden den Christen völlig gleichgestellt, „weiche ein bürgerliche- Bewerbe oder eine Kunst oder Wissenschaft erlernt haben." Sind nun auch die jüdischen Gemeinden dekleinen, in 4 Theil« damals zerspalrenen Ländchensehr unbedeutend gewesen, wenn man sie mit den historisch denkwürdigen am Rhein und in andern Ländern vergleicht, so muß man ihnen doch nachrühmen, daß sie dem Judenthume strebsame und epochemachende Geister geliefert und daß ihre kaufmännischen Cqloaisten in Berlin und andern Handelsplätzen Firmen ersten Ranges elablirt haben. Moses Mendelssohn, der Freund Lessings, „eia Welser wie Söerates, den> Gesetzen der Väter getreu, Unsterblichkeit lehrend, unsterblich wie Er" — (wie Ramler ausi das Fußqestell feiner Marmordüste einfchreiden ließ), war zu Dessau geboren, pin Sohn des Sopher Mendel daselbst (geboren am 12. Sept. 1729). Bis zu dieser Stunde ist

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