Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 10 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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38 damit bekannt zu machen. Denn eine solche Frage, an einen an- | dern gerichtet, kann dich um deine ganze Praxis dringen. | Weißt du denn nicht, daß ein Gesetz dieses Stai tes jede > solche Freilassung von Sklaven aufs strengste verbi ret und von vornherein für nichtig erklärt, daß auf dies! Weise freizelaffene Sklaven von jedem andern in Besitz genom-; men oder gelobtet werden dürfen, daß ich meine P antagen , mit freien Menschen zu bearbeiten niemals Ge egenheil ' hatte und daß ich nebenbei die Kleinigkeit riSkiren würde, dem Lynchverfahren des Pöbels mein Leben zur Einbuße zu überlassen? Gerade darum lebt in mir als höchst Sehnsucht das. Ziel, die Sklaverei in der ganzen Uniou gesetz-; lich aufgehoben zu sehen; und sollte es mein Eigmtbum und Leben erfordern, dieses Ziel wirklich zu erreicl en, ich stände keinen Augenblick an, sie daran zu ietzer. ‘ Sie | unnütz und ohne jeden Erfolg darüber zu vergeude l, solch; ein Thor bin ich nicht." I ' „Nun, zu einem solchen Kampfe, zu einer lolch n Aufopferung wirst du recht bald Gelegenheit haben, ani wertete Seldom. Aber sagen Sie. Miß Anionie, sind Sie auch zufrieden damit, baß Freund Robert Eigentbum und Leben an die Befreiung der schwarzen Menschen setze? Antonie halte die Augen niedergeschlagen und war in ein tiefes Sinnen versunken. Die Frage Seldom's schien sie aufjucütteln, sie faßte sich und erwiderte: „Ich, denke, vom Wort bis zur Lkak ist noch ein'weiter Wqg, und ich glaube, mein Robert wird doch niemals vergessen, daß außer den Sklaven noch jemand anders Anspruch an' ihn hat. Er wird rS wohl einem Fcauenherzen mcht verargen, : wenn ,S bei aller Freude an seinen Idealen ganz.andere Ansprüche an die Wirklichkeit erhebt und von ihm verlangt, für diese zu leben." Rodert schien von diesen Worten verwirrt;ü sein; mm sah es ihm an, daß er nicht recht wußte, was er auS ihnen machen solle. Nach kurzer Pause aber icral er ' zu Antonie bin, küßte ihre Hand, verabschiedete sich.von ibr und vezließ mit Seldom das Gemach. ' : II. An demselben Tage, einige Stunden spater, standlRoberk in dem Regierungsgebäude, in welchem der Senator Benjamin Wohnung genommen. Eine Ladung hatte ihn auf fünf Uhr nachmittags dahin beordert, und rechtzeitig befand er sich tiA Vorzimmer. Eine großq, unruhige, sehr lebhaft bewegte Menge füllte dasselbe und!-die angrenzende! Sale und Robert mußte längere Zeit svarten, bevor ii m der Diener an der Tbüre des Empfangsimmecs winkte.. Robert selbst zeigte in seinem Aeußern die iunverkennbaren ' kpuren : icc Unruhe. Was wollte dieser Führer der revolut onaren Partei — denn etwas anderes waren die Confö »erirlen in seinen Augen nicht — was wsllte er von ihm Was wollte gerade dieser von ihmS Es zuckte wie Blrtze der Versuchung von seinen Augen, es rollte wie; )pnner ' naher Gefahren vor feinen Ohren! Doch er war gefaßt, entschlossen, 'entschieden und gedachte beiden geschn t aus- zuweichen; ec halte sich vocgenom^nen, mir keinem Worte zuzustimmen, aber auch mit keinenj Worte feine eigentliche > Meinung zu verrathen. Konnte! er hiermit de, guten j Sache'doch nichts nützen, sich selbk aber unendlich I chaden. j -Lchen wir, wie weit derjunges Mann diesem 'Zorsatzel treu zu bleiben vermochte.^ Jedenfalls wäre er noh weit I unruhiger gewesen, wenn er hätte sehen können, wie aus einer andern Thüre des Empfangzimmers kurz vor seinem Eintritt sein Freund Seldom hinausgeschlüpft war und zwar mit einer lriumphirenben Miene, die eben so sehr sagte: „Das Haft du fein gemacht", wie: „Das wird dir einen großen Vortheil bringen." Der Senator oder, was er jetzt war, Minister der confödecirlen Staaten, Mr. Benjamin, stand an einem Tische in der Mitte des einfach möblrrtm Zimmers und hatte einige Papiere in der Hand, die er durchfehen wollte. Er wandte sich um, si'xirte einige Augenblicke den jungen Mann und trat ihm dann mit einer freundlichen Miene einige Schritte entgegen. Benjamin war von mittlerer Gestalt, untersetzt, von starkem Körperbau, aber dennoch schmächtig. Obschon er erst in der Mitte der fünfziger Jahre stand, zeigten doch die ganze Gestalt, die hohe durchfurchte Stirn, über der sich wenige Haare erhoben, obschon dsr Kopf noch mit einigen schwarzen Locken 'umgeben war, und die etwas eingefallenen Wangen, daß eine ununterbrochene geistige Arbeit, die vor den Stürmen der Leidenschaften nicht geschützt gewesen, diesen Körper hart mitgenommen. Aber sein großes Auge war noch voll Feuer und der Munb verrieth, daß die Beredtsamkeit ihren Sitz auf diesen Lippen aufgeschlagen. „Seien Sie mir willkommen, Mr. Robert Richacdson," rief er dem jungen Manne entgegen und seine Stimme hatte viel Wohlwollen und Achtung. „Ihr seliger Vater war mein Freunv, das war noch ein Mann von Charakter und unerschüttecliche^Fesiigkeit. Doch, in der Zeit solchen Kampfes, solcher Drangsale, ist man schon froh, wenn man die kräftige Jugend vor sich sieht und zur Vertheidigung des Vaterlandes, zur Abwehr des Despotismus aufrufen kann." Robert machte eine kalte Verbeugung. Benjamin schien diese nicht;u bemerken,, sondern fuhr lebhaft fort: „Treten Sie naher, junger Freund, setzen Sie sich hier neben mich." Robert mußte dieser ehrenvollen Einladung Folge leisten und sein Auge hing an dem bedeutenden Aeußern dieses Mannes, das ihm eine ganze Lebensgeschichte voll Kampfes und reicher Erfolge zu verrathen schien. „Sie wissen, der Kampf ist entbrannt, ein Zurückweichen nicht mehr möglich. Der Süden ist unser Vaterland und wir müssen ihn mit Gut und Blut gegen den räuberischen Norden vectheidigen. Dieser bettelarme Norden will dem reichen Süden den Todesstoß versetzen, um ihn ausplündern und des reichen ErbeS sich bemächtigen zu können. Sie tasten unser Eigenthumsrecht an^ sie strecken ihre gierigen Hände nach unserer Selbständigkeit und Freiheit aus. Sie machen es mit uns wie einst die Engländer mit der amerikanischen Colonie. Was sie von allgemeinen Menschenrechten, von Befreiung der Sklaven schwatzen, ist nichts als eine Bemäntelung ihrer Despotie und Habgier. Sie wollen eine despotische Centralregierung, uni die Staaten des Südens unter die Füße zu nehmen und. ihrer Rechte zu berauben. So haben sie uns zum Kampfe gezwungen; aber er trifft uns vorbereitet, denn er war längst vorauszusehen. Wir sind an Zahl die Schwacher», aber wie streiten für unser Recht, unsem Herd, unsre Familie, da kann der Sieg nicht zweifelhaft sein. Aber gerade darum können wir keiner Kraft, keines Kopfes, keines Armes entbehren und die