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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 10 (1864) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
10 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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Begeisterung und Hingebung unsrer Söhne muß unersetzen, was wir an Zahl geringer sind. Mögen dann ihre Söldner kommen, sie werben unS gerüstet finden, gerüstet nicht nur zur Dertheidigung sondern auch zum Angriff. Nun, Mr. Richardson, Sie sind einer der reichsten Planragenbesitzer^ dieser Gegend, ein junger, kräftiger Mann und, wie man mir berichtet har, durch seine Bildung. Sitten und Freundlichkeit von entschiedenem Einfluß. Solche Männer sind der Stoff, aus welchem die zukünftigen Größen dieses Landegebildet werden, die Führer, denen das dankbare Vaterland dereinst Würde und Macht verleihen wird." Robert hatte dieser Rede gelassen zugehört; über sein erblaßte- Angesicht waren Schatten und Lichter gezogen und nicht selten hatte ein gewisser Hohn seine Lippen gekräuselt. Nach einer Pause sprach er, und seine Stimme verrieth eine gewaltsam unterdrückte Bewegung: „Allerdings ist eeine Zeit des Kampfe-, die über die gesegnete Union gekommen. Aber ich bin noch gu unerfahren, um mir einen richtigen Blick in die Händel der Welt zuzutrauen. Ich bin daher entschlossen, für meinen Theil den Verlauf der Dinge ruhrg abzuwarten, zu zahlen und zu steuern, waS mir auferlkgt wird, aber mich nicht in die Reihen der Vorkämpfer vorzudcangen." „Die» ist nichts, junger Mann, für einen Vaterlandsfreund", antwortete Mr. Benjamin mit gemessenem Tone. „Bescheidenheit ist eine schöne Eigenschaft in der Zeit de» Frieden», wo das Vaterland stetmehr alS genug die nöchigen Kräfte findet für seinen Dienst; in den Tagen der Noth aber steht sie mit Feigheit und Verrath auf gleicher Linie. Sie sind zu klassisch gebildet, um nicht den Spruch jenes alten Griechen zu kennen: Zur Zeit der Kämpfe muß den Bürger, der keine Partei ergreift, die Todesstrafe treffen." Die letzten Worte sprach der gewaltige Mann mit einer Karten, rauhen Stimme, daß ihr Sinn dem Hörer nicht verborgen sein konnte. Gerade hierdurch aber wurde Robert tief erregt, ein Ingrimm schwoll in ihm auf, er erhob sich rasch vom Sessel und sprach, wenn auch noch ohne Heftigkeit, doch nachdrücklich: „Mr. Benjamin, ich bin ein Jude, Jude von ganzem Herzen und mit meinem ganzen Geiste und als solcher kann ich keinen Sklavenhalter .vertheidigen und für die Unterdrückung und Mißhandlung von Mitmenschen weder das Schwert de» Geistes noch den Stahl mit der Hand führen. Das fehlte noch, daß wir Juden unsre Kräfte anstrengten und daran setzten, um andere Menschen zu knechten und in eiserner Knechtschaft zu erhalten, wir, denen soeben erst das Joch der Knechtschaft vom Nacken genommen worden! Hier in diese» Layd find wir zum ersten Male seit Jahrtausenden al» freie Männer eingezogen und sollten nun den ersten Gebraus von dieser Freiheit dadurch machen, daß mir die Helfersbelfer der Stlavenräuber und Sklavenhalter wären? Nein, Mr. Benjamin, das können Sie nicht von mir fordern und werden es, wenn Sie eS fordern, von mir nicht eckangen." Beßjamin schien von diesen Worten sehr betroffen, aber der große Staatsmann wußte sich wohl zu beherrschen. Seine Gestalt erhob sich und schien zu wachsen, aus dm Augen fuhren ihm Blitze, von der Stirn leuchtete e< wie von scharfen und rkefen Gedanken. Dann sprach er ruhig: „Junger Mann, auch ich bln Jude, Sie wissm da» wohl, kenne und übe meine Religion. Sie hat mir mehr Kämpfe gekostet und Opfer, al» Sie nur ein« Ahnung - haben. Sie hat meinen Pfad dommvoll und »it Hindernissen aller Art reichlich üdersäet gemacht; ich bin dm Dornen nicht au» dem Wege gegangen und habe fcic Hindernisse überwunden; meine besten Tage und Kräfte hat > e» gekostet und so kann ich wohl auch behaupten, zu wissen, was ich als Jude der Welt und dem Daterlande , schuldig bin und «aS nicht. Wie? Ist da» Sklaventhum in unsrer heiligen Schrift verboten, steht e» nicht ausdrücklich darin verzeichnet? Hat Abraham, haben alle Männer der Schrift keine Sklaven gehabt? Kennen Sie dm Fluch, der über Cham und feine Nachkommm ausgesprochen worden, Sklaven zu sein für alle Zeitm? Und wenü die» alle» nicht wäre, stehe ich al» Jude nicht unter den Gesetzen meine« Vaterlandes? Bin ich alsolcher nicht verpflichtet, sein Heil allein im Auge zu behalten und seinen Ruin und Untergang mit allen meinen Kräften zu verhindern?" „Es schmerzt mich, Mr. Benjamin/ antwortete Robert! rasch. Ihnen nicht beistimmen zu können; da» göttliche i Gesetz har da- Sklaventhum aufgehoben, es hat befohlen, I den Knecht im siebenten Jahre frei zu lassen, so daß ec nur al» Miethliag zu betrachten; mit Geschenken reich versehen sollen wir ihn in feine Heimalh entlassen. Wenn die» im Lande Israel für Israel galt, so gilt eunS jetzt, als Bürgern der ganzen Welt, für alle Menschenbrüder. DaS Gesetz hat unS befohlen, den Sklaven mild zu behandeln und für jeden Schlag, den wir ihm versetzen, soll er die Freiheit erhalten; da» Gesetz diese» Landeaber erlaubt jede Mißhandlung, jeden Frevel, und wer den Sklaven am scheußlichsten zu strafen versteht, erhält da» größte Lob. Da» Gesetz har uns befohlen, keinen Entflohenen Sklaven seinem Herren wieder auszuliefern, und der ganze Stteir mit dem Norden knüpft sich an ein Gesetz, dawir ihm aufzwingen wollen, undie entlauf,nm Sklaven zurück l juliefern. DerFluch ist mit Nichten über Cham ausgesprochm,! sondern nur über seinen Sohn Canaan, und der existirt ' längst nicht mehr. Von „ewigen Zeiten" ist dabei keine Rede und bas Gesetz hat diesen Fluch wieder aufgehoben, i Unser Vaterland aber ist die Union, kein einzelner Staat; > di« Union ist d8s große, herrliche Gebäude, unter dessen Dach wir alle leben und der Freiheit uns freuen. Ich darf das Gebäude nicht zerstören, um einige einzelne Steine desselben zu eonservirm; wollen sie heraus au-ihrem majestätischen Gefüge, so müssen mir sie wieder hineinbcingen und festkitten, nicht aber mit aller Macht sie herauslösen. Dieist meine Uederzeugung und der kann ich nicht unge- : treu werden."! Je entflammter Robert wurde, je sprühender sein Wort und fein Antlitz, desto kälter und gemessener ward Benjamin in seiner ganzen Haltung. Er war,.wieder zum Tische getreten, beschäftigte sich mit den Papieren, die auf demselben lagen, und ohne sich darin stören zu lassen, ließ er unfern Freund ausreden und sprach» al» dieser geendet, mit kaltem Tone: „Gut schon; Sie sind also wirklich, wie Sie mir geschildert worden. Sie halten unsem großen Freiheilskampf für einen Berrath, und die ihn führen, also auch mich, für Bwräther. ES mag sein; der heißblütige» Jugend ist so etwa» nicht auszutrelben. Zeit

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