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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 10 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
10 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt Zur Belehrung und Anterhattung aus jüdischem ZeKie e. HrrauSgegeben von Rabbiner 1)r. Ludwig Philippson in Bonn. lNo. 10. 1864.1 8vrr virjer Zrirs»rift erjchei»« wv»e»Ui«d e», Dtqmmer. Prri« tti gang« l Thlr. vierteljährig 7f£ Rgr. Alle vuchba»vl»age». PoGämler u»d Zeim»s<ervedi»ö»e« »ehme» Be-evungr» an. [11* Jahrg. 1. Quartal.] Die Union. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Der Eingetretene war ein junger, schlanker Mann mit einem au-druck-vollen Gesichte und Hütte jedenfalls in seiner äußern, sehr elegant gehaltenen Erscheinung Wohlgefallen erweckt, wenn nicht die graue Karbe seine- Gesichte-, sein stechender, unsteter Blick und ein fataler Zug um den Mund ein unsichere- Urtheil über feinen Charakter und die Meinung, baß er für sein Alter schon zu viel gelebt habe, hervorgerufen hätten. Es war der Abvocat Seldom, der seit einem Jahre sich in New-Orleans als RechtSpraktikant niedergelassen hatte, nachdem er einige Jahre bei einem Recht-gelehrten in der Lehre gewesen. In Amerika ist zu einem solchen Gewerbe eben nur eine oberflächliche Gesetze-kunde, aber desto mehr List und Schlauheit erforderlich. Aueiner sehr armen Familie stammend, hatte er da- Glück gehabt, mit dem jungen Robert wahrend dessen Aufenthalt in New-Dort bekannt zu werden, sich in seine Freundschaft einzuschleichen und von ihm alle Mittel zu erhallen, deren er zu seinem Rechtsstudium und zu seiner Niederlassung in New «Orleans bedurfte. Auch hatte ihn Robert hier in die besten Häuser eingeführl und ihn aufdringlichste empfohlen. Diesen fruchtbaren Boden hatte Seldvm aufbeste zu bearbeiten verstanden und durch einige glücklich geführte Recht-Händel sich schnell einen bedeutenden Ruf und auskömmliche Einnahmen erwerben. Daß er auch zu der Familie de Castro Zutritt gewann, verstand sich von selbst. — Seldom machte der Dame eine riefe Verbeugung und sprach: „Entschuldigen Sie, Miß, daß ich mir politischen Neuigkeiten vor Sie zu treten gewagt; aber man ist jetzt von diesen Dingen so eingenommen, daß sie den Lippen entströmen, obne daß man erecht weiß. Und durfte doch mein Freund Robert mit diesem wichtigsten Ereigniß de» Tagenicht unbekannt bleiben." Antonie erwiderte mit einem leichten Neigen de» Kopfe»: „Sie sind jedenfalls willkommen, Mr. Seldom, und ich nehme nicht minder den lebhaftesten Aatheil daran." „Aber, theurer Freund," wandte sich Seldom nun wieder an Rodert, „kennst du den Senator Benjamin persönlich r" „Nein, ich bin niemals in Washington gewesen und bin diesem Schurke» niemalbegegnet." „Darum begreife ich nicht, wie du ihm solche Ehren- I titrl beilegen kannst. Müssen wir nicht vor jeder und Meinung Achtung haben und können nur de» einen Derräther nennen, von welchem wir wissen, daß «r wider eine bessere Ueberzeugung um irgend eines ihm vor heilhaften Zwecke» willen handelt?" „Und müssen wir die» nicht von dem Herein Benjamin vorau-setzen?" rief Rodert mir Feuer aut. „Er war Senator der Union; ihm mußte die Erhalt« ng des Barerlande-, die Vermeidung de-Bürgerkriege-, die Unter drückung der Rebelliyn die heiligste Pflicht sein; statt dessen hat er da-Feuer geweckt und geschürt, den Aufstav d organisiren und die besten Vertheidigung-mitttl der Union nach den Südstaaten schaffen helfen und ist zuletzt n it einer pomphaften Rede au» dem Senate geschieden, »m da- Krieg-ministerium der Empörer zu übernehmen, a so recht eigentlich bin Kampf gegen da- Vaterland zu eröffn« kann mir sehr lebhaft denken, daß mit geringer Av-nahm« alle Planragenbesitzer und der große Anhang, dessei Interessen mit jenen verknüpft sind, aufrichtig« Bercheidiger de- Cklavenbesitze-^sind; aber wie noch andere Menschen diese Entwürdigung! und Mißhandlung geraubter M kusche» drüber al» eine Sache verrheidigen können, auf deren Seite Recht und Unabhängigkeit ständen, begreife ich nicht und werbe e» nie begreifen und darum muß ich folgerichtig diese ganze Meute al» Heuchler ansehen, die im fischen wollen und denen egleichgiltig ist, uch ihre- Eigennutzewillen, ob ein furchtbare- Blutmer: dlesegroße und herrliche Land überschwemmen und gan^e Gene rationen ertränken werde." Antonie blickte mit strahlenden Augen auf den Robert hin, dessen Erregung seine Gestalt npch hö und sein Antlitz noch schöner machte. Seldom'« ruhten mehr auf dem Mädchen, alsie seinem Freunde zugewandr waren, und ein Zug der Unzufriedenheit schlich über sein Gesicht, aler di« Theilnadme gewahirte, die dessen Rede im Herzen der jungen £Ak fand. Er hob an: „Aber, Robert, gestatte mir eine Frage, die mir schon lange auf den Lippen schwebt und die ich nur unte drückte, weil ich da» Recht »zu ihr mir nicht zu haben schien. Wenn du ein so enthusiastischer Abolitionlst bist, warum hältst du selbst Sklaven und hast ihnen nicht längst schon die Freiheit gegeben?" Robert sah seinen Gegner verwundert an. „Du, ein Recht-consuleat in New-Orlean-, kannst eine solche Frage an mich richten? Doch gut, ich nehme an, daß du mir den hiesigen Verhältnissen noch nicht genügend verttaul bist, muß dir aber freundschaftlich rathen, dich doch näher Ansicht »eredten »er hob Blicke

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